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«Glück gehabt» - Erleichterung nach Sturm «Xaver» im Norden

Orkanböen und Sturmfluten im Norden: Tief «Xaver» hat kräftig getobt. Doch die Menschen atmen auf. Ganz große Schäden blieben aus. Viele standen extra früher auf, um die Naturgewalten hautnah zu erleben.
Uwe Müller räumt am 06.12.2013 in der Kneipe seiner Frau «Zum Schellfischposten» nahe dem Fischmarkt in Hamburg auf, nachdem das Wasser einer Sturmflut wieder abgelaufen ist. Der Orkan Xaver führte zu einer schweren Sturmflut in Norddeutschland. Foto: Christian Charisius/lno Bilder > Foto: Christian Charisius (dpa) Uwe Müller räumt am 06.12.2013 in der Kneipe seiner Frau «Zum Schellfischposten» nahe dem Fischmarkt in Hamburg auf, nachdem das Wasser einer Sturmflut wieder abgelaufen ist. Der Orkan Xaver führte zu einer schweren Sturmflut in Norddeutschland. Foto: Christian Charisius/lno
Hamburg/Langeneß/Norderney.  Die Schreckensnacht mit Orkantief «Xaver» ist überstanden. Der Sturm toste im Norden kräftig, doch wirklich große Schäden gab es nicht. Auf den nordfriesischen Halligen stand es wegen der schweren Sturmflut mit Orkan «Xaver» Spitz auf Knopf. «Die Nordseewellen hatten wir vom Fenster in Augenhöhe», sagte Heike Hinrichsen, Bürgermeisterin der größten Hallig Langeneß.

   Hamburg wurde am frühen Freitagmorgen von der bisher zweithöchsten Sturmflut getroffen. Die Elbe schwoll an und überschwemmte die am Wasser gelegenen Gebiete, auch die Erdgeschosse einiger Wohnhäuser. Im Norden wurden immer wieder abgedeckte Dächer, umgefallene Bäume oder beschädigte Autos gemeldet.

   «Das war die schwerste Sturmflut, die wir von der Dauer und vom Wasserstand her seit Jahrzehnten hatten», lautete das Resümee der Sylter Bürgermeisterin Petra Reiber. Die Promenade von Westerland wurde in der Nacht überflutet; Wellen schlugen über die Kante.

   In List stand der Fähranleger komplett unter Wasser. Auch in Keitum und Munkmarsch war viel Wasser aufgelaufen. Für eine endgültige Bewertung wollte Reiber noch das nächste Hochwasser abwarten, das aber nicht mehr mit so hoch ausfallen sollte wie das vorige in der Nacht. «Vielleicht sind wir ja mit einem blauen Auge davongekommen.»

  In Hamburg konnte die nächtliche Sturmflut vieles wegspülen, aber nicht Uwe Müllers Optimismus. «Jetzt wird hier wenigstens mal ausgemistet», sagte er in der urigen Kneipe «Zum Schellfischposten» nahe des Hamburger Fischmarktes, die seine Frau betreibt. In der Hand hielt er einen Stapel komplett durchnässter Zeitschriften, sie klatschten in den Papierkorb.      Der «Schellfischposten», bekannt aus der ARD-Sendung «Inas Nacht», liegt höher als die gefluteten Gebäude direkt am Wasser. Die Kellertreppe zu den Toiletten ähnelte einem Tauchbecken. Insgesamt kam Hamburg aber nach ersten Einschätzungen glimpflich davon - auch weil viele Helfer die ganze Nacht auf den Beinen waren. Die Hansestadt hatte aus der Sturmflut-Katastrophe von 1962 die richtigen Schlüsse gezogen. Die Schutzmauern hielten.

   Außergewöhnlich ist die Naturgewalt dennoch. «Wir sind extra früher aufgestanden, um uns das anzusehen», sagte Heike Julitz. Sie stand hinter der schützenden Mauer am Fischmarkt und blickte auf die Wasserfläche, aus der gerade noch die Laternenköpfe herausragten. Sie war nicht die Einzige.

   Als die Sturmflut zwischen 6.00 und 7.00 Uhr ihren Scheitel erreichte, waren trotz Sturmböen und Graupelschauern viele Menschen am Hafen, um sich die Wassermassen anzuschauen. Von Katastrophen-Stimmung war nicht viel zu spüren. «Es ist doch im Grunde nichts passiert», sagte Hinrich Schulze, der seit 35 Jahren in Hamburg lebt und Fotos machte.

   Die Deiche an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste behaupteten sich gegen die Wassermassen, die «Xaver» seit Donnerstagvormittag mitgebracht hatte. Am Freitagmorgen flaute der Sturm langsam ab, obwohl einzelne Böen Sylt und Fehmarn noch mit Tempo 126 heimsuchten. «Jetzt können wir aufatmen», sagte stellvertretend für Tausende Insel- und Hallig-Bewohner Matthias Piepgras nach zwölf Stunden nonstop mit Windstärken 10 bis 12.

   Auch über Niedersachsen fegte «Xaver» mit Spitzengeschwindigkeiten hinweg. Auf Norderney konnten die Helfer gegen ein Uhr nachts aufatmen, als der Scheitelpunkt der Flut überschritten war. Die Gebäudeschäden sind gering, aber im Osten haben die Inseldünen stark gelitten. «Das tut weh, denn die Strände für die Urlauber werden kleiner», sagte Hans Rass von der Tourismusverwaltung.

   Im Cuxhavener Stadtteil Döse riss der Orkan am Donnerstagabend das komplette, 1000 Quadratmeter große Flachdach von einem Haus. 40 Autos wurden beschädigt. «Die Windböe hat das Dach wie eine Fischdose aufgeribbelt. So etwas habe ich noch nie erlebt», sagte Hauswart Uwe Schumacher.

   Überall wurden am Freitag Vergleiche zwischen «Xaver» und dem Vorgängertief «Christian» angestellt, das vor fünfeinhalb Wochen im Norden gewütet hatte. «Christian» richtete deutlich mehr Schaden an, obwohl «Xaver» viel länger wütete. Allerdings verloren die sandigen Küsten viel Sand an das Meer.

   «"Christian" war ein 100-Meter-Sprinter und "Xaver" eher ein Marathonläufer, sagte Helgolands Bürgermeister Jörg Singer. Böen bis zu 126 km/h hatten Deutschlands einzige Hochsee-Insel erreicht, aber keine dramatischen Schäden angerichtet. «Die Lange Anna steht noch», sagte Singer. Er berichtete aber über große Sandverluste. Vier Meter große Abrisse an den Dünenkanten seien zu beklagen. Mit angeblich bis zu 200 km/h war «Xaver» angekündigt worden - doch so schlimm kam es nicht. «Das war so ein Sturm, wie ihn die Küste kennt», sagte Singer. (Von Wolfgang Schmidt, Matthias Hoenig und Jonas-Erik Schmidt, dpa)
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