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Pfarrer Klaus Douglass: "Glück ist ein Beiprodukt"

Dem Glück hinterherzujagen und es an der Erfüllung bestimmter Wünsche festzumachen, bringt nichts, betont der Frankfurter Pfarrer Klaus Douglass, der sich in Büchern und auf zahlreichen Seminaren mit diesem Thema befasst. Im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs erklärt er auch, dass die Religion nicht dazu da ist, die Menschen glücklich zu machen – und warum die meisten bei der Arbeit glücklicher sind als in der Freizeit.
Pfarrer Klaus Douglass ist in der Kirche glücklich – weil er durch die Religion einen Sinn findet. Bilder > Pfarrer Klaus Douglass ist in der Kirche glücklich – weil er durch die Religion einen Sinn findet.

Suchen die Menschen in der Kirche das Glück?

DOUGLASS: Jeder Mensch sucht das Glück – in der Kirche aber in erster Linie Zusammenhalt und einen Sinn. Das ist etwas anderes als Glück. Sinn bedeutet, dass ich etwas in einen größeren Horizont einordnen kann. Aber das Glück kann dabei entstehen, wenn ich Sinn suche und finde. Glück ist quasi ein Beiprodukt im Leben. Ich bekomme kein Glück, wenn ich gezielt das Glück haben will. Sondern es entsteht, wenn ich etwas anderes mache und dabei nicht an mich selbst und mein Glück denke.

Unter welchen Voraussetzungen kann Glauben glücklich machen?

DOUGLASS: Glauben ist nicht dafür da, um uns glücklich zu machen – genauso wenig wie eine Beziehung. Aber wenn ich eine gute Beziehung führe, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit Glück abwerfen. Das gilt auch für den Glauben, also für die Beziehung mit Gott. Wer dadurch Frieden und Sinn findet, wird wahrscheinlich glücklich. Aber es gibt auch Menschen, die der Glaube eng, dogmatisch und fanatisch und damit unglücklich macht. Das liegt nicht am Glauben selbst, sondern an ihrem harten Herzen.

Es kommt also, wie beim Glück, auf die Empfänglichkeit für das Positive an?

DOUGLASS: Ja, es ist im Grunde das Gleiche.

Aber woran liegt es, ob jemand dafür empfänglich ist oder nicht?

DOUGLASS: Das liegt an der Erziehung, der genetischen Veranlagung, an hormonellen Voraussetzungen. Es gibt aber auch einen selbst gemachten Faktor – und an dem kann ich etwas ändern. Wenn ich mir nämlich ständig sage, dass etwa die Menschen schlecht sind, dann nehme ich die Welt nicht mehr anders wahr. Und wenn ich mich nur mit negativ denkenden Mitmenschen umgebe, wird es mir schwerfallen, positiv zu denken. Menschen färben aufeinander ab.

Vieles, was Sie im Buch empfehlen, ist ein Bestandteil der christlichen Religion wie Demut oder Dankbarkeit. Braucht es zum Glück noch eine Religion?

DOUGLASS: Nein. Man kann auch ohne Religion glücklich werden. Es ist eine Fähigkeit wie die, eine Sprache zu lernen.

Oder ist die momentan so angesagte Suche nach dem Glück sogar eine Art Ersatzreligion?

DOUGLASS: Ja, definitiv. Ich finde das ein bisschen kurzsichtig, obwohl mir Glück natürlich wichtig ist. Im Leben geht es nicht um Glücksgefühle, sondern um Sinn. Hierbei hilft mir die Religion.

Was sind die größten Irrtümer über das Glück, die unglücklich machen?

DOUGLASS: Dass man dem Glück hinterherjagen muss. Man sollte sich nicht mit anderen vergleichen, denn der Vergleich ist die Mutter des Unglücks. Viele machen Glück an der Erfüllung bestimmter Wünsche fest. Man darf natürlich Wünsche haben, aber man sollte sich nicht darauf fixieren. Es gibt zwar Glück, das uns von außen entgegentritt. Aber unsere Glücksfähigkeit ist unabhängig von außen. Marie von Ebner-Eschenbach sagt: „Sich glücklich fühlen können, ohne Glück haben zu müssen – das ist wirklich Glück.“

Inwiefern ist das Unglück notwendig, um das Glück zu erkennen?

DOUGLASS: Manchmal erkennt man das Glück beispielsweise einer Beziehung erst, wenn sie vorbei ist. Und über Gesundheit freut man sich oft erst, wenn man krank war. Es ist ein großes Problem, dass wir oft nicht dankbar für das sind, was wir haben. Dabei ist Dankbarkeit ein Glücksfaktor. Nicht die glücklichen Menschen sind dankbar, sondern die dankbaren sind glücklich.

Viele empfinden etwas als Glück, das sie an die Kindheit erinnert. Sie schreiben auch über das erwachsene Glück. Wie unterscheidet sich beides?

DOUGLASS: Das Kind erlebt im Mutterleib Rundum-Versorgung und Geborgenheit, letztlich sehnen wir uns danach immer zurück. Aber das erwachsene Glück bedeutet, dass sich Geben und Nehmen die Waage halten. Wer zu viel nimmt, aber auch wer zu viel gibt, wird nicht glücklich.

Warum ist Arbeit so wichtig?

DOUGLASS: Menschen wurden in einer Studie in verschiedenen Zeitabständen angepiepst und mussten auf einer Skala angeben, wie glücklich sie gerade sind. Das für viele überraschende Ergebnis war, dass sie bei der Arbeit glücklicher waren als in der Freizeit. Das liegt daran, dass Arbeit die Zeit strukturiert und ein soziales Umfeld schafft. Der Mensch hat das Gefühl, gebraucht zu werden, dass er etwas Sinnvolles kann und tut. Wer keine Arbeit hat, muss dieses Gefühl woanders suchen.

Gelingt es Ihnen auch selbst immer wieder, zum Glück zu finden?

DOUGLASS: Ja, auf jeden Fall. Glücksfähigkeit ist ein Geschenk Gottes. Wir müssen nur selbst aus dieser Quelle trinken.

Wenn Sie Glück in einem Satz definieren müssten, wie würde der lauten?

DOUGLASS: Glück ist für mich die Intensität, mit der ich zu jedem Moment meines Lebens „ja“ sagen kann.

Im nächsten und letzten Teil unserer Serie lesen Sie eine Bilanz aller Interviews zum Thema Glück. Alle Folgen der Serie und einen Film zum Thema finden Sie unter www.fnp.de/glück

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