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Inferno in London: "Goodbye, ich werde es nicht schaffen"

Dutzende Menschen werden vermisst nach dem schrecklichen Feuer von London. In ihrer Verzweiflung werden viele Angehörige wütend.
Im ausgebrannten Grenfell Tower werden noch immer viele Menschen vermisst. Bilder > Foto: Rick Findler (imago stock&people) Im ausgebrannten Grenfell Tower werden noch immer viele Menschen vermisst.
London. 

In all den Trümmern, der Asche und Verzweiflung wirkt das weiße Blatt Papier wie ein Hoffnungsschimmer, die Ecken zwar angekokelt und doch weitgehend unversehrt. „Ich kann mein Gefühl nicht beschreiben. Ich bin sehr, sehr glücklich. Ich habe viele Ideen und Pläne. Ich habe viele Träume, die ich verwirklichen will.“ Es ist der handschriftliche, herzzerreißende Brief eines Kindes, das im Grenfell Tower lebte – in jenem 24-stöckigen Wohnhaus in West-London, wo in der Nacht auf Mittwoch ein Inferno tobte.

Der Klotz ragte stundenlang wie eine riesige brennende Fackel in den Nachthimmel, selbst gestern schlugen noch Flammen aus einigen Fenstern. Das Gebäude im Stadtteil Kensington, es sieht aus wie ein heruntergebranntes Streichholz. Ob das Kind mit den Ideen, Plänen und Träumen überlebt hat oder zu den mindestens 17 Todesopfern gehört? Noch ist das genauso unklar wie die Ursache für den Brand oder das ganze Ausmaß der Katastrophe. Die Behörden gehen von einer noch weitaus höheren Zahl an Toten aus, da sich wohl rund 600 Menschen in der Schicksalsnacht in dem Gebäude aufhielten, aber die Suche nach Vermissten in den oberen Stockwerken wurde gestern aus Sicherheitsgründen unterbrochen. „Ich schicke da gerade keine Leute rein“, sagte die Feuerwehrchefin Dany Cotton.

Alles verloren

Derweil laufen im Fernsehen den ganzen Tag die Suchmeldungen nach vermissten Bewohnern. Wer überlebt hat, schätzt sich glücklich und hat doch alles Hab und Gut verloren. Familienfotos, Erbstücke, Ausweise, Klamotten, viele trugen lediglich einen Pyjama, als sie aus der Flammenhölle flüchteten. Hunderte Londoner strömten in die Gegend, brachten Decken, Kleider, Wasser, Essen und Babynahrung. „Die Anteilnahme und Unterstützung sind überwältigend“, sagte eine Nachbarin. Mehr als eine Million Pfund an Spendengeldern wurden bereits gesammelt. Bei einer Mahnwache zündeten Trauernde Kerzen an, legten Blumen nieder.

Konsequenzen gefordert

„Wie zur Hölle konnte das passieren?“, fragte das Boulevardblatt „Daily Mail“ stellvertretend für das ganze Land auf seiner Titelseite. Etliche Anwohner sind der festen Überzeugung, dass mangelnde Sicherheit das Desaster erst ermöglichte. „Es gibt dringliche Fragen zur Ursache dieser Tragödie, die dringende Antworten fordern“, sagte Bürgermeister Sadiq Khan. Er versprach eine „vollständige, unabhängige Untersuchung“. Die kündigte auch Premierministerin Theresa May an. Wenn aus dem Feuer Konsequenzen zu ziehen seien, würden Maßnahmen ergriffen.

Das Hochhaus, ein im Jahr 1974 gebauter Sozialwohnblock, wurde von 2014 bis 2016 für 8,6 Millionen Pfund, knapp zehn Millionen Euro, modernisiert. Etliche Menschen wollen jedoch nicht glauben, dass so viel Geld investiert wurde. „Die Behörden scheren sich nicht um uns Leute aus der Arbeiterklasse, es geht nur darum, dass das Haus für die reichen Nachbarn von außen schön aussieht“, so eine Bewohnerin des Sozialbaus, gelegen in Kensington und Chelsea, einem der wohlhabendsten Bezirke Großbritanniens.

Rauchvergiftung – größte Gefahr

Die bei weitem häufigste Todesursache bei Bränden ist eine Vergiftung durch Rauchgas. Beteiligt ist vor allem Kohlenmonoxid, das bei Feuer mit geringer Luftzufuhr entsteht.

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Viele verweisen voller Ärger auf mangelnde Brandschutzmaßnahmen. So berichteten Zeugen, keinen Rauchalarm gehört zu haben. Eine Sprinkleranlage fehlte zudem. Und weil der Brandschutzhinweis an die Bewohner lautete, dass sie im Fall eines Feuers außerhalb der Wohnung in ihren Apartments bleiben und nasse Handtücher unter die Türen legen sollten, verbrannten viele Menschen schlicht in ihren eigenen vier Wänden. „Goodbye, ich werde es nicht schaffen“, schrieb eine Frau, die sich an die Empfehlung hielt. Sie saß mit ihren drei Kindern in der Falle.

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