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Extremes Winterwetter: Griechenland friert

Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten, Flüchtlinge frieren in Zelten, die Schule fällt aus und auf manchen Ägäis-Inseln fahren die Menschen Snowboard – der Winter stellt Griechenland auf den Kopf. Und manche warten bislang vergeblich auf Hilfe.
Syrische Flüchtlingskinder schauen bei eisigen Temperaturen aus dem Fenster ihrer Unterkunft im Flüchtlingslager Ritsona, 86 Kilometer nördlich von Athen. Foto: Muhammed Muheisen (AP) Syrische Flüchtlingskinder schauen bei eisigen Temperaturen aus dem Fenster ihrer Unterkunft im Flüchtlingslager Ritsona, 86 Kilometer nördlich von Athen.
Athen. 

Der junge Mann holt tief Luft. „Echt verdammt viel Schnee hier“, murmelt er. Dann fasst er sich ein Herz, nimmt Schwung und saust mit dem Snowboard die engen Gassen des Dörfchens hinab. Seine Handyaufnahme zeigt pulverigen Tiefschnee, wie Wintersportler ihn sich auf so manche Skipiste in den Alpen wünschen würden. Der Unterschied ist, dass die Fahrt mitten durch den malerischen Ort führt und sie unmittelbar vor der eisig türkisblauen Ägäis enden wird – hier in Skopelos auf der gleichnamigen Sporadeninsel.

In Griechenland herrscht extremes Winterwetter. Für die Region rund um die nordgriechische Stadt Ptolemaida ist gestern wegen des starken Schneefalls der Notstand ausgerufen worden. In Nordgriechenland sind gestern wegen der eisigen Temperaturen mehrere Züge mit Hunderten Passagieren liegengeblieben. Örtliche Medien berichteten von einer Odyssee der Reisenden. Mindestens 600 Menschen saßen in zwei Zügen auf der Strecke von Thessaloniki nach Athen, als nach gut einem Drittel der Strecke auf Grund der Kälte die Zugmaschinen den Dienst einstellten.

Weil viele Griechen kein Geld für Heizöl haben, heizen sie mit Holz – das verschlimmert die Luftverschmutzung.

Die Wetterlage führt zu kuriosen, aber auch zu schlimmen Nachrichten. Mit Baggern, Schaufeln und manchmal auch mit bloßen Händen versuchen sich die Menschen den Weg freizuschaufeln.

Weder Strom noch Wasser

In der Ortschaft Kymi auf der Insel Euböa laufen die Bewohner auf einer fast zwei Meter hohen Schneedecke. Unter den Schneehügeln links und rechts liegen die Autos verborgen, die am Straßenrand geparkt haben. Immerhin ist der Ort noch zugänglich – drei weitere Dörfer der Insel sind komplett von der Außenwelt abgeschnitten, ohne Strom und Wasser warten die Menschen dort auf Hilfe. Am Dienstag wurde ein Hubschrauber geschickt, um Kranke zu versorgen.

Militär, Feuerwehr und Polizei sind im Dauereinsatz, auf solch ein Wetter ist man – außer hoch im Norden des Landes – nicht vorbereitet. In Westgriechenland ging bereits das Streusalz aus. In Thessaloniki hingegen fror das Salz in den Streumaschinen ein – seit 50 Jahren habe man solches Wetter nicht gesehen, sagt der Bürgermeister.

In den Häfen des Landes versanken kleine Fischerboote unter der Last des Schnees im Wasser. Der Energieminister wandte sich mit der Bitte an die Bevölkerung, sparsam mit Strom umzugehen. Sofern die Menschen überhaupt Strom haben: Eilande wie Skopelos und Alonissos sind komplett eingeschneit und seit Tagen immer wieder ohne Elektrizität.

Bitter sind die Zustände jedoch vor allem auf Inseln mit vielen Flüchtlingen wie Lesbos und Chios. Der griechische Migrationsminister Ioannis Mouzalas muss derzeit sowohl von der Opposition als auch von Hilfsorganisationen harte Kritik einstecken, weil dort für die Flüchtlinge und Migranten nicht ausreichend beheizbare Wohncontainer bereitstehen. Und weil ein Teil der Menschen in der Eiseskälte in verschneiten Sommerzelten campen muss. Noch Anfang Januar hatte Mouzalas verkündet, kein Flüchtling werde frieren.

Kriegsschiff eingesetzt

Das Gegenteil war der Fall. Also wurde zunächst versucht, die Menschen in Hotels unterzubringen. Als das nicht klappte, fiel vier Tage nach Beginn des Schneefalls die Entscheidung, ein Kriegsschiff nach Lesbos als schwimmende Unterkunft zu schicken.

Ursprünglich wollte sich der Migrationsminister selbst ein Bild der Situation verschaffen, aber das Flugzeug konnte nicht auf dem Flughafen von Lesbos landen – wegen des Wetters.

Derweil berichten Hilfsorganisationen und die Migranten selbst per Facebook und Twitter von dem Elend vor Ort. Bilder zeigen tief verschneite Zelte und gefrorenen Boden, oder auch matschige Wege überall dort, wo es tagsüber ein bisschen taut.

Wenn nun alles taut, könnten neue Probleme drohen. Meteorologen fürchten Überschwemmungen, wenn der Schnee schmilzt.

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