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Hitzewelle: Mehr als 45 Grad: Griechenland stöhnt in der Höllenhitze

Mit der Hitzewelle aus Afrika steigt auch die Gefahr von Waldbränden. Nur Touristen können der gleißenden Sonne etwas abgewinnen.
Es ist heiß in Griechenland: Touristen schwitzen auf der Insel Santorin auch beim Sonnenuntergang. Foto: Angelos Tzortzinis (dpa) Es ist heiß in Griechenland: Touristen schwitzen auf der Insel Santorin auch beim Sonnenuntergang.

Als ob man bei 200 Grad Umluft den Kopf in einen Backofen steckt – so fühlt sich in Athen der erste Schritt auf die Straße an. Der Asphalt flimmert, das Atmen fällt schwer, der Körper weicht instinktiv zurück. Schon am frühen Morgen liegt die Temperatur bei über 30 Grad, in den Mittagsstunden steigt sie mancherorts auf über 45 Grad. Die Superhitze aus Afrika, auf griechisch „Kávsonas“ genannt, sucht das Land etwa alle zehn Jahre heim. Heute soll sie vorbei sein – was jedoch bleibt, ist die stark erhöhte Gefahr von Waldbränden.

Wie gelähmt schleichen die Touristen über den Syntagma-Platz im Athener Stadtzentrum. Manche schützen sich mit Regenschirmen vor der Sonne, andere tragen wagenradgroße Sonnenhüte. Am härtesten im Nehmen sind offenbar die Briten. Steve aus Brighton bestellt schnell noch ein Bier, bevor er sich seines T-Shirts entledigt. „Ist doch großartig, wegen des Wetters bin ich doch hier!“, erklärt er.

Griechen sind am Syntagma schon längst nicht mehr anzutreffen – bei der Hitze ohne gewichtigen Anlass das Haus zu verlassen, kommt ihnen absurd vor. Wer konnte, hat die Hauptstadt übers Wochenende Richtung Meer verlassen. Auch an den Stadtstränden Athens suchen die Menschen bereits in den frühen Morgenstunden nach Abkühlung. Bis mittags muss der Sprung ins Wasser erledigt sein, danach ist es einfach nur noch gefährlich, sich draußen aufzuhalten, nicht zuletzt wegen der stark überhöhten Ozonwerte.

Dennoch nimmt sich der diesjährige „Kávsonas“ im Vergleich noch zahm aus. Im Jahr 1987 starben beim selben Wetterphänomen in Griechenland etwa 4000 Menschen. Zehn Tage währte die Hitzehölle damals, vor allem ältere und kranke Menschen zählten zu den Opfern.

Wasserschalen für Tiere

Heute ist man besser vorbereitet. Schon im Voraus veranlasste die Athener Stadtverwaltung, dass klimatisierte Gemeindehallen tagsüber für Schutzsuchende geöffnet sind. Notrufnummern wurden eingerichtet, um Alleinstehenden Hilfe zu bieten. Per Radio, Fernsehen und Internet wurde über Maßnahmen informiert: Viel trinken, leichte Kleidung tragen, körperliche Arbeit sowie Alkohol vermeiden. Appelle ergehen außerdem an die Menschen, sich um die Tiere zu kümmern. Für Streuner hat die Stadt Athen 35 Wasserstellen eingerichtet, viele Bewohner stellen zudem Wasserschalen für Katzen und Hunde auf. Nicht einmal zwei Minuten dürfe man seinen Hund bei solcher Hitze im Auto lassen, warnen Tierschützer.

Und wer sein Tier vornehmlich auf dem Balkon hält, sollte es hereinholen, um es vor der Hitze zu schützen. „Mir haben sie morgens schon ein dehydriertes Kätzchen gebracht – das hatten sie in der Wohnung, allerdings ohne Air Condition“, sagt die Athener Tierärztin Vaia Lytra. „Wir konnten es retten. Aber wer sein Tier auf dem Balkon hält, kommt gar nicht mehr zu mir, denn der findet es früher oder später tot auf.“

Die höchste Temperatur landesweit herrschte zwischenzeitlich mit 45,3 Grad in Elefsina, rund 30 Kilometer nordwestlich von Athen. Ausgerechnet dort, wo Löschflugzeuge stationiert sind, die im Sommer gegen Waldbrände ankämpfen. Wegen der Hitze wurde die Flotte zu anderen Flughäfen verlegt, denn die Feuerwehrleute müssen einsatzbereit sein: Für viele Regionen des Landes gilt wegen des extremen Wetters die höchste Warnstufe für Brandgefahr, mehrere Brände sind bereits ausgebrochen.

Selbst auf den griechischen Inseln wie Santorin oder Mykonos gibt es kein Entkommen. Die tief dunkelrote, stellenweise sogar lilafarbene Wetterkarte wird den Griechen und den Touristen noch bis heute zu schaffen machen – dann soll die Temperatur schlagartig um zehn Grad auf schlappe 35 Grad sinken. Bis es abgekühlt ist, werden sich tagsüber vermutlich weiterhin nur Touristen auf die Straßen trauen. Lediglich auf die Akropolis können sie nicht unbegrenzt kraxeln: Zum Schutz der Angestellten und auch der Touristen selbst bleibt das Wahrzeichen Athens in diesen Tagen ab 15 Uhr wegen Hitze geschlossen.

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