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Ruckzuck ist die Tasche weg: Immer mehr Taschendiebstähle in Zügen und Bahnhöfen

In Zügen und auf Bahnhöfen ist die Zahl der Diebstähle im vergangenen Jahr stark angestiegen. Die Täter sind oft polizeibekannt. Die Deutsche Bahn sieht die Justiz in der Pflicht, die Mehrfachtäter immer wieder davonkommen lasse.
Viele Menschen verlassen eine gerade eingefahrene S-Bahn im unteren Teil vom Hauptbahnhof in Frankfurt. Foto: Christoph Schmidt (dpa) Viele Menschen verlassen eine gerade eingefahrene S-Bahn im unteren Teil vom Hauptbahnhof in Frankfurt.
Berlin/München. 

Die Diebe kennen viele Tricks. Beliebt ist dieser: Während einer der Täter den Reisenden um Hilfe beim Lesen des Fahrplans bittet, nimmt sein Komplize das Gepäck des Opfers mit. 44 800 solche Delikte hat die Bundespolizei 2015 in Zügen und auf Bahnhöfen gezählt. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete gestern als erstes. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Zuwachs von 25 Prozent. Schon von 2013 auf 2014 war die Zahl solcher Diebstähle um 20 Prozent angestiegen.

Soweit die deutschlandweiten Zahlen. Am Frankfurter Hauptbahnhof, einem der Hotspots des bundesweiten Bahn- und Umsteigeverkehrs (450 000 Reisende pro Tag), fällt der Anstieg noch deutlicher aus: 2400 Taschen- und Handgepäckdiebstähle im Jahr 2015 – sogar 30 Prozent mehr als im Vorjahr, sagt der Sprecher der Frankfurter Bundespolizei, Ralf Ströher. Im Jahr davor waren es 15 Prozent mehr solcher Delikte.

Die Frankfurter Beamten, die für die Züge und Bahnhöfe in ganz Südhessen zuständig sind, haben zwei Tätergruppe festgestellt. Zum einen den Einzeltäter, der frei nach dem Motto „Gelegenheit macht Diebe“ zugreife, wenn ein Gepäckstück für einen Moment unbeobachtet sei, sagt Ströher. Zum anderen gebe es Gruppen mit drei bis vier Leuten, die sich ihre Opfer gezielt aussuchen und ablenken. Beim Einsteigen werde zum Beispiel das Gedrängel oder Geschubse gezielt verstärkt, um ein Handy aus der Hosentasche oder einen Laptop aus dem Rucksack zu ziehen. Dabei sei das Diebesgut nur Sekunden in der Hand des ersten Diebes, weil dieser es sofort an einen zweiten weitergebe, der es wiederum an einen dritten weitergebe. „So lässt sich ganz schwer nachvollziehen, wer geklaut hat.“ Eine weitere Variante beim Klauen im Zug ist das Anklopfen von Außen an die Scheibe mit der Bitte um eine Auskunft oder Hilfe. Im Moment der Ablenkung klaut dann ein Komplize das Gepäckstück oder den Wertgegenstand aus dem Abteil.

Ströher tut sich schwer mit dem Benennen von Gründen für den drastischen Anstieg. „Es handelt sich um dieselben Tätergruppen wie früher auch. Sie stammen vor allem aus dem maghrebinischen und aus dem südosteuropäischen Kulturkreis.“ Erkenntnisse, wonach der Anstieg der Delikte mit der Flüchtlingskrise beziehungsweise mit der unkontrollierten Zuwanderung vom vergangenen Jahr in Zusammenhang stehe, gebe es nicht, sagt Ströher. Allerdings sei das Personal der Bundespolizei im vergangenen Jahr durch die Flüchtlingskrise sehr stark gebunden gewesen, weshalb der Fahndungsdruck auch nachgelassen habe. Einfache Antworten, wie dem Anstieg zu begegnen ist, hat Ströher nicht. Videoüberwachung, die am Hauptbahnhof längst jedes Gleis erfasst, helfe hier nur sehr bedingt, sagt er.

Die Deutsche Bahn fordert eine konsequentere Bestrafung der Diebe durch die Justiz, von denen auch in Frankfurt im vergangenen Jahr immerhin 210 festgenommen wurden. „Uns machen insbesondere viele polizeibekannte Wiederholungstäter zu schaffen“, erklärte Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke.

Die Bahn will Kunden mit mehr Plakaten und Aufklebern sensibilisieren. In einigen Bahnhöfen beschäftige man auch Zivilpersonal, das typisches Verhalten erkennen und Taschendiebe stellen könne. Die Bahn hatte bereits angekündigt, 500 neue Mitarbeiter für Sicherheit anzustellen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) dringt auf die Einstellung weiterer Beamten. Sicherheitsgefühl werde nicht nur von Terrorakten negativ beeinflusst, sagt der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow.

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