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Viele verraten sich mit Posts auf sozialen Netzwerken: Interview mit Christoph Schulte vom Landeskriminalamt: Einladung zum Einbrechen

Schnell mal auf Facebook zeigen, welches tolle Gericht man im Urlaub gegessen hat, oder ein Strand-Selfie als Profil-Bild auf Whatsapp stellen – das ist heute für viele ganz normal. Christoph Schulte, Sprecher des Hessischen Landeskriminalamts, erläutert im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs, wie Kriminelle diese Informationen nutzen können und zu welchen Vorsichtsmaßnahmen er rät.
Der Albtraum vieler Menschen: Ein Einbrecher dringt in ihre Wohnung ein. Doch während die meisten das Gebäude selbst sichern, sind sie mit der Preisgabe von Informationen in sozialen Netzwerken leichtsinnig. Foto: Axel Weiss Der Albtraum vieler Menschen: Ein Einbrecher dringt in ihre Wohnung ein. Doch während die meisten das Gebäude selbst sichern, sind sie mit der Preisgabe von Informationen in sozialen Netzwerken leichtsinnig.

Wie groß ist die Einbruchgefahr, wenn Menschen in den Urlaub fahren?

CHRISTOPH SCHULTE: Das Einbruchrisiko steigt und fällt mit der Wahrscheinlichkeit, dass ein Täter einen Einbruch erfolgreich durchführen kann. Dies ist unabhängig von der Urlaubszeit zu sehen. Aus diesem Grund verzeichnet die hessische Polizei statistisch beispielsweise weniger Einbrüche in der Sommerzeit. Die Einbruchszahlen in der dunklen Jahreszeit sind deutlich höher. Das sollte jedoch nicht zur Sorglosigkeit verleiten.

Ist diese Sorglosigkeit größer geworden? Früher wurde oft das Licht mit einer Zeitschaltuhr eingestellt, um Anwesenheit vorzutäuschen. Heute posten die Leute in sozialen Netzwerken, dass sie wegfahren ...

SCHULTE: Die Sorglosigkeit geht damit einher, dass sich viele in den sozialen Netzwerken gut darstellen wollen und darüber alles andere vergessen. Es ist „cool“, zu zeigen, wo man gewesen ist oder sich aktuell befindet. Wenn man aber den Account so eingestellt hat, dass jeder darauf zugreifen kann, ist es so, als würde man sich seinen Steckbrief und einen Zettel mit vielen persönlichen Informationen außen an seine Haustür heften. Im negativen Idealfall noch mit dem Hinweis „Ich bin zwei Wochen weg“.

Gibt es Zahlen, inwieweit soziale Netzwerke bei Einbrüchen eine Rolle spielen?

SCHULTE: Nein, weil sich das schwer ermitteln lässt. Wenn jemand zum Beispiel drei Wochen in den Urlaub fährt und bereits in der ersten Urlaubswoche eingebrochen wird, merkt der Betroffene das im schlechtesten Fall erst nach seiner Rückkehr. Im Ermittlungsverfahren ist eine direkte Verknüpfung zum Posting nicht beweissicher darstellbar.

Christoph Schulte, Sprecher des Hessischen Landeskriminalamts Bild-Zoom
Christoph Schulte, Sprecher des Hessischen Landeskriminalamts

Recherchiert die hessische Polizei im Internet nach Personen, die über soziale Netzwerke Menschen ausspähen?

SCHULTE: Wir haben im Hessischen Landeskriminalamt eine sogenannte „Task Force Internet“. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine virtuelle Streife. Vergleichbar mit einem Streifenwagen in der realen Welt durchforsten unsere Kolleginnen und Kollegen den virtuellen Raum. Wenn sie Kenntnis von Personen erhält, die Straftaten vorbereiten, ergreifen sie natürlich polizeiliche Maßnahmen. Wahrnehmbar für Außenstehende sind beispielsweise Warnmeldungen zu bestimmten Phänomenen, die unsererseits dann in sozialen Netzwerken gepostet werden.

Haben Sie denn den Eindruck, dass die Risiken größer werden?

SCHULTE: Ja. Es gibt schließlich immer mehr mobile Endgeräte mit Internet-Verbindung. Facebook hat beispielsweise aktuell über zwei Milliarden Mitglieder. Die Medienkompetenz und die Sensibilität im Umgang mit den eigenen Daten muss gestärkt werden. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, im virtuellen Raum möglichst kein Opfer von Straftaten zu werden. Es sollte sich immer die Frage gestellt werden, ob man den Inhalt eines Postings in der realen Welt auch einem fremden Menschen erzählen würde. Ist das nicht der Fall, sollte von einem Posting Abstand genommen werden.

Wie lassen sich auf Facebook die Einstellungen so verändern, dass die Risiken minimiert werden?

SCHULTE: Die Privatsphäre-Einstellungen sollten mindestens so sein, dass kein Dritter auf das Profil schauen kann, sondern nur Freunde. Weniger Transparenz nach außen ist hier mehr Sicherheit!

Solche Nachrichten sind verräterisch. Bild-Zoom
Solche Nachrichten sind verräterisch.

Aber bei Freundschaftsanfragen wird ja schnell draufgeklickt.

SCHULTE: Beispielsweise lassen sich die Privatsphäreeinstellungen sogar so wählen, dass nur Freunde meine Beiträge sehen können. Ein Problem hierbei ist, dass viele Jugendliche so viele Freunde wie möglich haben wollen und jede Freundschaftsanfrage annehmen. Aber auch ältere Semester können leichtsinnig Freundschaftsanfragen ungeprüft annehmen, weil in allen Altersklassen bisweilen die Medienkompetenz fehlt.

Wenn ich also selbst vorsichtig bin, meine Freunde oder Kinder aber nicht, besteht ebenfalls Gefahr?

SCHULTE: Leider ja. Wenn ein Freund ein Urlaubsfoto von Ihrer Seite teilt und seine Privatsphäre-Einstellungen nicht so restriktiv sind, dann geraten diese Daten in Umlauf. Hat man Freunde in anderen Ländern, gelten dort unter Umständen bei Facebook auch andere Regelungen zum Datenschutz. Kindern und Jugendlichen sollte erklärt werden, wo die Risiken liegen – auch beim Annehmen von Freundschaftsanfragen. Das ist sehr wichtig.

Inwiefern können Beiträge auf Whatsapp und Instagram verräterisch sein?

SCHULTE: Wenn ich von jemandem eine Whatsapp-Nachricht erhalte und seine Telefonnummer gespeichert habe, sehe ich sein Profilbild. Und zeigt ihn das irgendwo am Strand, kann es sein, dass er aktuell nicht zu Hause ist. Das gilt selbstverständlich auch für Bilder auf der Timeline bei Instagram, auf der Menschen zeigen, was sie beispielsweise gerade Tolles im Urlaub essen.

Die Website „Please Rob Me“

Bereits 2010, als die Sozialen Medien noch nicht so verbreitet waren wie heute, kreierten Boy Van Amstel, Barry Blorsboom alias „mOnk“ und Frank Groeneveld die Website „Please Rob Me“ („Bitte

clearing

Wie können die Täter denn die Heimatadresse des Urlaubers ermitteln?

SCHULTE: Manche geben auf Facebook ihren Wohnort an, damit sie etwa Blitzerwarnungen oder personifizierte Werbung erhalten. Einige verraten sogar ihre Adresse. Aber wenn ich beispielsweise meine Wohnung fotografiert und gepostet habe, kann ein Täter mit rudimentärer Ortskenntnis über einen Kartendienst mit Satellitenbild im Internet herausfinden, wo dieses Haus steht. Wenn dann noch die Rollläden heruntergezogen sind, der Briefkasten nicht geleert ist oder der Garten wuchert, ist die Sache für den Einbrecher klar.

Was raten Sie also in Bezug auf die Sozialen Medien?

SCHULTE: Weniger ist mehr. Ich muss nicht unbedingt jedem zeigen, dass ich im Urlaub bin – vor allem nicht während ich mich noch dort befinde. Was ich erlebt habe, kann ich meinen Freunden auch hinterher erzählen.

 

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