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Mode: Ist Shoppen nicht mehr sexy?

Es ist Fashion Week in Berlin und die deutschen Kleiderschränke sind voll: Es soll Milliarden von Teilen geben, die so gut wie nie getragen werden. In der Modewelt gibt es einen Gegentrend dazu. Weniger ist mehr. Manche sind da richtig radikal.
Bluse aus luftiger Seide und glatt fallender Oberfläche: Kreation für die Sommer-Kollektion 2018 von Antonia Goy auf der Berliner Fashion-Week. Bilder > Foto: Jens Kalaene (dpa-Zentralbild) Bluse aus luftiger Seide und glatt fallender Oberfläche: Kreation für die Sommer-Kollektion 2018 von Antonia Goy auf der Berliner Fashion-Week.
Berlin. 

Anuschka Rees (28) ging es früher wie vielen Frauen. „Ich hatte wahnsinnig viele Klamotten und absolut nichts anzuziehen.“ Ihre Kleidung kaufte sie als Studentin in Billigläden. Am Ende der Saison warf sie den Großteil der neuen Klamotten oft einfach weg.

Heute macht sie das Gegenteil. Statt Fast-Food-Mode, bei der ein T-Shirt soviel kostet wie eine Pizza, plädiert sie für bewusstes und gezieltes Einkaufen. Der Kleiderschrank hat quasi einen Türsteher: Nicht alles darf rein. Die Berliner Bloggerin ist Teil einer Bewegung, die sich vom Minimalismus inspirieren lässt. Lieber ausgewählt statt auf Masse kaufen.

Weniger ist mehr: Ob das auch bei der Berliner Fashion Week, die am 4. Juli startet, zieht, ist fraglich. Die Branche will schließlich ein Geschäft machen. Das Modejahr begann für die Läden nicht gut – die Umsätze lagen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Ist Shoppen nicht mehr sexy?

Die Welt retten

Die legendäre britische Designerin und Aktivistin Vivienne Westwood (76) wurde gerade bei einer Modediskussion in Berlin deutlich. Ihr Appell zur anstehenden Saison: „Bitte kauft überhaupt nichts!“ Irgendwo müsse man ja anfangen. „Wir müssen die Welt retten.“ Als der Moderator das Publikum im Saal fragte, wer denn alles nichts kaufen werde, blieben die Hände unten. Die Kleiderschränke in Deutschland sind voll. Eine Greenpeace-Studie fand 2015 heraus, dass Frauen im Schnitt 118 Kleiderstücke besitzen, ohne Strümpfe und Unterwäsche. Bei den Männern sind es 73 Teile. Von den 5,2 Milliarden Kleidungsstücken würden 40 Prozent selten oder nie genutzt, heißt es. Die Bloggerin Lisa Trage (27) hat diese Studie beeindruckt. „Am nachhaltigsten ist es, weniger zu kaufen“, sagt sie. Sie achtet darauf, dass sich die Sachen gut kombinieren lassen. „Man fühlt sich wohler in der eigenen Kleidung.“ Sie schreibt sich Wunschlisten, das hilft ihr beim gezielten Einkaufen.

Auch die Designerin Esther Perbandt (42) macht bei dem Wegwerf-Trend nicht mit. Ihr Laden liegt in Berlin-Mitte, nicht weit weg vom Alexanderplatz und dem großen Billigladen, der festes Ziel von Schülern auf Klassenfahrt ist.

Rausch ohne Ende

Perbandt findet es furchtbar, wie Teenager dort bergeweise Klamotten einkaufen. Sie mag, wie Westwood für bewussten Konsum plädiert. Sie hat viel Schwarz im Programm. Das könne man auch nach zehn Jahren noch kombinieren. Was den Konsumrausch angeht, sagt sie: „Ich glaube, wir sind noch nicht am Ende. Das wird noch katastrophaler.“ Der Trend zum Reduzieren ist nicht neu. Facebook-Chef Mark Zuckerberg trägt immer die gleichen T-Shirts. Die Autorin Meike Winnemuth schrieb im Blog „Das kleine Blaue“ über ihr Experiment, ein Jahr das gleiche Kleid anzuziehen. Der Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel hat ein nur 6,4 Quadrat großes Haus entworfen, ein „tiny house“. Ausmisten ist eine Wissenschaft geworden.

Das Frankfurter Zukunftsinstitut spricht vom „Genug einer neuen Generation“. Trendforscher Daniel Anthes erklärt, für die einen sei der neue Minimalismus eine Art psychische Selbsthilfe, um mit dem Überangebot und der Immer-Verfügbarkeit von Produkten zurechtzukommen und damit das eigene Wohlfühllevel zu erhöhen. „Für die anderen ist es der Anspruch, durch das eigene Konsumverhalten die Gesellschaft zu verändern.“

Modefans, die das alles vertiefen wollen, nehmen sich eine „Capsule Wardrobe“ vor. Das ist eine Garderobe mit aufeinander abgestimmten Basis-Stücken. Beliebt sind dazu in der Blogger-Szene „Challenges“, also mit einer begrenzten Zahl von Klamotten immer neu auszusehen.

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