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Brandgefahr: Kampf gegen Feuer aus der Luft

Eine Landmaschine, die Staub aufwirbelt, oder eine Rauchsäule über dem Acker? Der Feuerwehr-Flugdienst überfliegt regelmäßig große Gebiete, um schon früh Brände zu erkennen. Waldbrände verheerenden Ausmaßes sollen so verhindert werden.
Bei großer Hitze und Trockenheit haben die Beobachtungstrupps mit ihren Cessnas Hochkonjunktur. Foto: Julian Stratenschulte (dpa) Bei großer Hitze und Trockenheit haben die Beobachtungstrupps mit ihren Cessnas Hochkonjunktur.
Lüneburg. 

33 Grad, helle Schleierwolken, dahinter zeichnet sich das Hellblau des Himmels ab. „Super Sicht heute“, sagt Hartwig Martens vom Feuerwehr-Flugdienst. Er und seine Kollegen fliegen im Sommer über große Gebiete in Niedersachsen, um frühzeitig Brände vor allem in Wäldern und Mooren zu erkennen. Bei guten Verhältnissen sehen sie aus den Fenstern ihrer Cessna bis zu 70 Kilometer weit und können schnell aufsteigende Rauchsäulen erkennen.

Das sei aus der Luft einfacher als vom Boden aus, sagt Martens. „Über dem Wald, der von oben ja dunkel aussieht, können wir den hellen Rauch gut erkennen.“ Wenn die Feuerwehr dorthin fahre, könne sie von unten aus teilweise 400 Meter entfernt noch keinen Rauch sehen. Er setze sich vor einem hell bewölkten Himmel kaum ab.

Vor mehr als 50 Jahren wurde der Feuerwehr-Flugdienst gegründet. Er ist in dieser Form einmalig in Deutschland. Das Team fliegt nicht täglich, sondern nach Bedarf. Wenn der Waldbrandgefahrenindex eine der beiden höchsten Stufen – vier oder fünf – anzeigt, kann die zuständige Polizeidirektion Lüneburg ein Überfliegen bestimmter Gebiete anfordern.

Vorsorgen ist besser

Zu dritt macht sich das Team auf den Weg. Die Standardroute ist knapp 300 Kilometer lang. Damit können sie eine etwa 2400 Quadratmeter große Region überwachen.

„Guck’ mal da! Auf 13 Uhr. Ist das eine Landmaschine?“, fragt Pilot Martens seinen Feuerwehr-Kollegen Maik Buchheister, der rechts neben ihm sitzt. Ein prüfender Blick. „Ja, da macht nur einer sein Feld.“ Während des Flugs steht die Crew in Kontakt mit der Zentrale in Lüneburg, die ihnen mögliche Verdachtspunkte übermittelt. „Manche stellen sich als Fehlalarm heraus“, sagt Martens. Er war jahrelang Fluglotse.

An einem der heißesten Tage des Jahres geht es in der rot-weißen Maschine von Hildesheim zunächst in Richtung Harz. Dort werden riesige Waldgebiete kontrolliert. Bei jedem Kontrollflug ist auch ein Mitarbeiter der niedersächsischen Landesforste dabei. Er verfolgt auf einem Tablet die Route und kann im Fall eines Brandes die Koordinaten durchgeben. „Wir betrachten uns als fliegendes Auge der Feuerwehr“, sagt Maik Buchheister.

Potenzielle Waldbrandgebiete gibt es in Niedersachsen vor allem in den Mooren, Wäldern und in der Heide im Nordosten. Dort wüteten 1975 die größten Brände der Nachkriegsgeschichte. 8000 Hektar fielen dem Feuer zum Opfer.

Bis der Sprit ausgeht

Wenn die Crew einen Brand entdeckt, meldet sie der örtlichen Feuerwehrleitstelle den Ort. Die Feuerwehr kann dann mit Löschfahrzeugen anrücken. „Wir würden gleichzeitig über dem Gebiet kreisen – notfalls zwei Stunden, bis der Sprit zu neige geht“, erklärt Martens. Von oben können sie die Einsatzkräfte am Boden zu dem Brand lotsen oder sagen, in welche Richtung sich das Feuer ausbreitet.

Das Land verlässt sich bei der Kontrolle von Waldbränden jedoch nicht allein auf die Flüge. Mitarbeiter werten in der Waldbrandzentrale in Lüneburg Bilder von knapp 20 Kameras aus, um Rauch zu entdecken. Von Jahresanfang bis Ende Juli musste das Team wegen 348 Bränden die Feuerwehr alarmieren. Im gesamten Vorjahr waren es nur 163 Mal. Die Brandgefahr ist auch in vielen anderen Regionen diesen Sommer enorm hoch. Schon eine aus dem Fenster geworfene Zigarette kann Waldbrände anfachen.

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