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Hype um Spielgerät: Kultspielzeug verbreitet sich rasant: Die Spinner sind überall

Von Noch vor vier Wochen kannte den flachen Kreisel in Deutschland kaum jemand. Jetzt erlassen manche Schulen schon Verbote, damit die Kinder sich nicht nur noch damit beschäftigen. Die Spielwarenhändler freuen sich über den Megatrend – aber sie kommen nicht nach. Und die nächste Eskalationsstufe steht unmittelbar bevor.
Auch der achtjährige Abaz aus Frankfurt hat den Dreh raus. Er besitzt, wie alle seine Freunde, seit kurzem einen „Fidget Spinner“ und kann den flachen Kreisel mit dem Kugellager auf seinem Daumen balancieren. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Auch der achtjährige Abaz aus Frankfurt hat den Dreh raus. Er besitzt, wie alle seine Freunde, seit kurzem einen „Fidget Spinner“ und kann den flachen Kreisel mit dem Kugellager auf seinem Daumen balancieren.
Frankfurt. 

Hätte ich nicht gerade erfahren, dass ich den Supertrend des Sommers in der Hand halte, ich wäre nie darauf gekommen. Auf meinem rechten Zeigefinger dreht sich ein gelber, flacher Kreisel mit einem Kugellager in der Mitte und drei Flügeln. Ganz nett anzuschauen, aber mehr nicht, würde ich sagen. Doch bei dem unscheinbaren Spielzeug handelt es sich um das, was plötzlich alle Kinder, Jugendlichen und sogar einige Erwachsene wollen: den „Fidget Spinner.“ Der Name setzt sich aus den englischen Worten für „zappeln“ und „Kreisel“ zusammen.

„Die Spinner sind erst vor acht Wochen in Amerika aufgetaucht“, erklärt Peter Heijnis, Manager von Intertoys Deutschland – und bezieht sich damit natürlich auf die Spielzeuge. „In Deutschland startete die Nachfrage vor drei Wochen, und allein Intertoys wird in dieser Woche in seinen 530 Filialen in Europa voraussichtlich zwischen 250 000 und 400 000 Stück verkaufen.“ Laut Willy Fischel, Geschäftsführer beim Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels, hat der Umsatz schon etwa eine Million Euro erreicht. Mit Spinnern ist viel Geld zu verdienen.

In der Frankfurter Intertoys-Filiale sei der Verkauf wegen der Innenstadtlage und der zahlreichen Touristen wahrscheinlich überproportional, so Manager Heijnis. Auch in anderen Geschäften der Stadt ist der Trend voll angekommen.

„Es ging vor etwa zwei bis drei Wochen los,“ berichtet Götz Dersch, Inhaber eines Spielwarengeschäfts in Frankfurt. „Jetzt ist es der absolute Hype.“ Ein Großhändler habe ihm erzählt, er habe 1000 Stück geliefert, die seien schon am nächsten Tag weg gewesen.

Ein modernes Jojo

Auch in den Spielzeugladen „Just4fun“ im Frankfurter Einkaufszentrum „Skyline Plaza“ kommen seit etwa 14 Tagen ständig Kunden, die nach dem „Fidget Spinner“ fragen. „Man kann damit ganz tolle Tricks machen“, schwärmt mir der achtjährige Abaz vor, der natürlich schon einen zuhause hat – wie alle seine Freunde. „Sogar auf dem Fuß lässt sich der balancieren.“ Zugegeben, das habe ich natürich nicht probiert – und es hätte vermutlich auch nicht geklappt.

Dem siebenjährigen Philip hat sogar seine Lehrerin das Gerät empfohlen, für die Beweglichkeit der Finger. Sein Vater David Groneberg, der ihm eigentlich für die Motorik ein Jojo kaufen wollte und vorgestern zum ersten Mal vom „Fidget Spinner“ hörte, gibt nach. Schließlich ist das Spielzeug bereits ab 4,99 Euro zu haben. „Das ist dann wohl das moderne Jojo.“

Auch der Vergleich zu Anti-Stress-Bällchen liegt nahe. Kommen die Spinner doch ursprünglich aus dem therapeutischen Bereich. Dort wurden sie entwickelt für ADHS-Patienten und andere Menschen, die Konzentrationsschwierigkeiten haben oder gestresst sind.

Spielen unter der Bank

Aber sie bieten auch Zerstreuung. „Die Spinner sind cool, wenn einem langweilig ist,“ meint eine 15-Jährige aus Frankfurt. Sie will mir ihren Namen lieber nicht nennen, denn sie spielt damit viel im Schulunterricht. „Wenn man es nicht so auffällig, sondern unter der Bank macht, merkt das niemand“, verrät sie. An manchen Schulen allerdings ist das Problem schon bemerkt worden. „Bei meinen Kindern, die in Dreieich zur Schule gehen, ist der Spinner auf den Schulhöfen schon verboten“, berichtet Klaus Eller, Geschäftsführer von Just4fun. Und Sabine Kryn vom Sekretariat der Hartmutschule, einer Grundschule in Eschborn, stellt fest: „Hier laufen jede Menge Kinder damit herum. Ich habe gerade wieder einen auf meinem Schreibtisch liegen.“

An der Albert-Schweitzer-Schule, einem Gymnasium in Offenbach, ist das Spielzeug nach Aussage von Direktor Ulrich Schmidt dagegen „noch kein Massenphänomen“, die Lehrer hätten sich noch nicht beklagt. „So ein Trend ist häufig wie ein Grippevirus“, ist seine Erfahrung, „er befällt einzelne Schulen, verbreitet sich dort aber ganz schnell.“

Wie lange der Trend anhält, weiß niemand. Aber die nächste „Eskalationsstufe“ steht unmittelbar bevor, der Hype dreht sich weiter: „Ab Dienstag kommen die Leuchtspinner“, so Eller. Die verkauft auch Intertoys. Und teurere Geräte mit mehr Kugellagern, so Eller, drehen sich bis zu sieben Minuten lang

„Für die kleinen Händler ist es aber schwieriger, so einen Hype mitzumachen“, betont Dersch. „Wenn ich heute welche bestelle, bekomme ich sie vielleicht erst in zwei, drei Wochen – und dann ist der Trend schon vorbei. “

Auch die 15-jährige Tabea aus Frankfurt glaubt nicht, dass diese Mode noch länger als einen Monat anhält. „Ich jedenfalls würde mein Geld nicht dafür ausgeben“, meint sie. Dass manche auch im größten Hype skeptisch bleiben, finde ich dann doch beruhigend – viel beruhigender als den Spinner.

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