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Charakteristische Farben für Städte: Mainzer Forscher: Frankfurts Farbe ist Rot

Gibt es charakteristische Farben für Städte? Ein Mainzer Forscher ist für die Beantwortung dieser Frage quer durch Europa gereist. In Deutschland haben die Städte Einfluss darauf, wie bunt es bei ihnen aussieht. Und da gibt es etwa eine Region, in der ein lilafarbenes Haus unerwünscht wäre.
Paulskirche Foto: Arne Dedert (dpa) Paulskirche
Mainz.  Jede Stadt hat ihr Gesicht – und ihre Farben. Wer eine Stadt erkundet, stellt fest, dass ein Ort auch durch die Farben seiner Gebäude geprägt wird. Der Mainzer Forscher Markus Pretnar wollte das genauer wissen. Gibt es so etwas wie eine Farbheimat in Städten, die uns prägt? Um das herauszufinden, machte er 2015 eine Reise vom Nordkap bis nach Athen. Der Wissenschaftler wählte sich den 26. Längengrad als längste Landverbindung von Nord nach Süd aus, zog einen 200-Kilometer-Radius und wählte Städte wie Helsinki, Riga, Minsk, Bukarest und Athen aus. Die griechische Hauptstadt war ein kleiner geografischer Ausreißer.

Pretnar startete in Norwegen und reiste über Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Weißrussland, die Ukraine, Rumänien und Bulgarien nach Griechenland. „Ich habe 22 Städte auf dem 26. Längengrad in zwölf gleiche Teile unterteilt und eine Flut an Bildern geschossen“, berichtet der Professor für Innenraumentwurf und Farblehre. Signifikante Orte wie Bahnhofsvorplätze, die Orte, an denen Google Earth den „Pin“ setzt, Fußgängerzonen und Sehenswürdigkeiten nahm er im 360-Grad-Panorama auf und erstellte Farbkarten. „Die Aufnahmen habe ich im Computer auf die häufigste Farbigkeit und auf deren proportionale Verteilung reduziert.“

Was kam heraus? „Der wichtigste Aspekt ist, dass Städte durchaus eine farbliche Identität besitzen“, sagt der Experte. „Der Ausdruck der Farbigkeit, die Farbfamilie, hält sich nicht an nationale oder willkürlich gesetzte Grenzen. Sie überspielt zum Teil Sprachräume.“ Es gibt nach seiner Ansicht Muster – von bunt in Helsinki bis hell in Athen. „Vor allem die skandinavischen Länder bis in den baltischen Raum haben ganz häufig eine fast klischeehafte Farbgebung in Rot, Grün, Blau und Curry.“ Je weiter südlich man kommt, umso heller wird es, umso schwerer zu erfassen sind aber auch die Farben.

Oft historisch gewachsen

Städte in Deutschland haben ebenfalls ihren eigenen Farbcharakter. Wer in Norddeutschland unterwegs ist, trifft vielfach auf roten Backstein, im Sauerland sind viele Häuser aus schwarz-weißem Fachwerk, in Frankfurt, Mainz und Würzburg finden sich zahlreiche rote Gebäude aus Mainsandstein, im Süden sind Altstädte oft bunt. Die Farbgebung ist meist historisch gewachsen, die Kommunen haben aber auch Einfluss darauf, wie es aussieht. Der Hildesheimer Professor Markus Schlegel sprach in der Textsammlung „Stadtfarben“ (2013) von „Farbmasterplanung“.

„Aus der Sicht der Stadtentwicklung spielt die Farbgebung eine nicht zu unterschätzende Rolle“, sagt Bernd Düsterdiek, Chef des Referats Stadtentwicklung beim Deutschen Städte- und Gemeindebund in Bonn. „Die Kommunen achten darauf, dass auch die äußere Gestalt von Gebäuden passt.“ So solle verhindert werden, dass etwa in einer Sauerländer Fachwerksiedlung ein „lila Haus“ auftaucht.

Pretnar hat jedoch auf seiner Reise durch die Städte nicht nur bunt und hell kennengelernt: Auch grau gehört dazu. Denn, so betont er: „Mainz ist nicht nur der Dom, Frankfurt ist nicht nur der Römer, sondern auch die Nordweststadt.“

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