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Mordfall Peggy K.: Mütter des mutmaßlichen Täters und des Opfers äußern sich zu den neuen Hinweisen

Nach dem Fund der DNA-Spur von Uwe Böhnhardt müssen die Ermittler klären, was er mit dem Mord an Peggy zu tun hat. Zu der neuen Spur äußern sich jetzt auch die Mütter des mutmaßlichen Täters und des Opfers.
Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy steht auf dem Friedhof in Nordhalben (Bayern). Foto: JENS-ULRICH KOCH (AFP) Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy steht auf dem Friedhof in Nordhalben (Bayern).
Bayreuth/Jena. 

Die Hinweise, dass das NSU-Mitglied Uwe Böhnhardt tatsächlich mit dem Fall Peggy in Verbindung steht, verdichten sich einerseits. Das zuständige Institut weist nämlich jede mögliche Verunreinigung der Spuren von sich. Böhnhardts Mutter hingegen spricht von einer konstruierten Spur.

In einer traurigen Plattenbausiedlung in Jena Lobeda wohnt seine Mutter, Brigitte Böhnhardt (67), eine ehemalige Lehrerin. Seit Bekanntwerden der DNA-Spur macht sie nur noch selten die Wohnungstür im siebten Stock auf. Sie will nicht sprechen, aber dann sprudelt es doch aus ihr heraus. Es wundere sie nicht, dass plötzlich eine neue Spur gefunden worden sei. „Irgendeine Spur, nach 15 Jahren, mitten im Wald, gucke gucke“, sagt sie.

Auch dass die Spur ausgerechnet im Landeskriminalamt in München gefunden wurde, in dem Bundesland, wo der Fall Peggy seit 15 Jahren nicht geklärt werden konnte. Und ja, es gebe immer irgendeinen, der irgendwo eine Hütte oder ein Haus habe. Wenn irgendwo ein Mord übrig sei, sagt sie, und es klingt verbittert, dann ziehe man den NSU heraus. Das passe vor allem den Ermittlungsbehörden. „Und wenn bisher Desinteresse da war: Kinderschänder und Kindermörder, das funktioniert immer. Wenn man ihnen jetzt das noch unterjubeln kann, das funktioniert immer.“

Die damals neunjährige Peggy K. war am Montag, 7. Mai 2001, um etwa 13.20 Uhr zum letzten Mal gesehen worden. Mehrere Zeugen sahen das Mädchen von der Schule nach Hause gehen, wo sie aber nicht ankam. Ihre Spur verliert sich etwa 50 Meter vor ihrer Haustür.

Was geschah, bleibt auch ein Rätsel, nachdem ein Pilzsammler im Juli den Schädel und andere Knochen des Mädchens in einem Wald bei Thüringen entdeckte. Die Knochen waren im harten Boden in einem Kiefernwald eingegraben, der Schädel weist einen Riss auf. Ob er von einer Verletzung stammt, darüber schweigen die Ermittler.

Fetzen von einer Decke

Sie fanden nicht alle Knochen, aber die Uhr des Mädchens mit dem Kunststoffband, ihre schwarzen Schuhe standen 30 Meter weiter unter einem Baum. Und sie fanden winzig kleine Stofffetzen, von Waldtieren verteilt. Und auf einem dieser Fetzen, er stammt von einer Decke, Böhnhardts Spuren. Das rechtsmedizinische Institut der Uni Jena und das LKA München wiesen darauf hin, dass eine Verunreinigung der jetzt gefundenen DNA-Spur ausgeschlossen sei. Herbert Potzel, der Leitende Oberstaatsanwalt in Bayreuth, der die dritte Sonderkommission Peggy eingesetzt hat, sät dagegen Zweifel. Er zieht eine Verunreinigung der Spuren zumindest in Betracht. Seine Beamten werden das Rätsel lösen müssen, ob Böhnhardt wirklich das Mädchen umgebracht hat.

Böhnhardts Mutter schüttelt den Kopf. Sie sagt nicht, ob ihr Sohn in der Lichtenberger Gegend gewesen sein könnte. „Er könnte überall gewesen sein.“ Außerdem hätten die Verfassungsschützer „zu jeder Zeit gewusst, wo die sich aufhalten.“ Und sie hätten immer die Möglichkeit gehabt zuzugreifen. „Das wissen Sie doch ganz genau.“ Ihr Mann Jürgen, Böhnhardts Vater, bleibt unsichtbar hinter der Tür stehen. Er redet nicht. Aber aus ihr „muss es raus“, es sei „eine Ausnahme“, dass sie rede.Nein, sie gebe kein Interview. Aber sie denke auch an die Eltern des neunjährigen Bernd B., der 1993 in Jena ermordet wurde. Auch mit diesem Mord wird ihr Sohn in Verbindung gebracht. Und sie denke an die Eltern von Peggy, „wie die sich fühlen müssen“.

Peggys Mutter Susanne K. fühlt sich „tief erschüttert“ – und sie benötige Zeit, um alles zu verarbeiten. Ihre einzige Hoffnung sei, dass der Tod ihrer Tochter aufgeklärt werde.

In ihrer Aussage im NSU-Prozess vor dem Landgericht München hatte Böhnhardts Mutter deutlich gemacht, dass auch sie um ihren Sohn trauere, was bei manchen Beobachtern nicht gut ankam. Über ihren Sohn redet sie nicht, auch nicht darüber, ob und wie er sich verändert hatte, nachdem er in den 1990er Jahren im Gefängnis vergewaltigt worden war.

Die von Uwe Böhnhardt befürchtet nur, dass ihm in den nächsten Jahren immer mehr ungeklärte Verbrechen zugerechnet würden. „Was kommt dann noch? Was haben wir noch übrig. Die ungeklärten Kindermorde in Thüringen kommen sicher auch noch. Das gibt Schlagzeilen, Ansehen, Geld, und die Ermittlungen sind vom Tisch. Fertig.“

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