Muss Strauss-Kahn zahlen?

Von Gregor Waschinski (afp)
Strauss-Kahn soll über die vereinbarte Summe gar nicht verfügen, berichtet eine französische Zeitung. Er müsse sich das Geld leihen.
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Washington. 

Nächste Woche könnte Dominique Strauss-Kahn ein dunkles Kapitel seines Lebens beenden. Es geht um die Affäre, die den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds und einstigen Hoffnungsträger der französischen Sozialisten an den Rand einer Haftstrafe brachte. Medien in seiner Heimat und in den USA berichten über einen bevorstehenden Gerichtstermin in New York, bei dem Strauss-Kahn einen Vergleich mit dem Zimmermädchen, Nafissatou Diallo, schließen werde. Diallo wirft ihm Vergewaltigung vor. Seine Anwälte bestätigen Gespräche, dementieren aber eine Einigung.

Laut "New York Times" haben sich Strauss-Kahn und Diallo "im Stillen" auf die Grundzüge einer außergerichtlichen Einigung verständigt. Die französische Tageszeitung "Le Monde" berichtete, dass die Einigung am kommenden Freitag vor Gericht in New York unterzeichnet werde. Sechs Millionen Dollar (4,6 Millionen Euro) soll das Zimmermädchen demnach erhalten. Diese Summe sei "frei erfunden", hieß es hingegen aus Strauss-Kahns Anwaltsteam.

"Kredit nötig"

Die angebliche Millionensumme hat Strauss-Kahn laut "Le Monde" nicht selbst auf dem Konto. Die Zeitung beruft sich auf Vertraute des früheren Politikers, denen er selbst davon erzählt habe. Drei Millionen wolle er über Bankkredite finanzieren, die andere Hälfte von seiner Frau Anne Sinclair leihen, schreibt die Zeitung. Die vermögende Journalistin lebt von ihm seit Mitte des Jahres getrennt.

Was genau geschah, als Diallo am 14. Mai 2011 zur Mittagsstunde die Luxus-Suite im Sofitel-Hotel im Herzen von Manhattan betrat, ist unklar. Das Zimmermädchen wirft Strauss-Kahn vor, sich nackt auf sie gestürzt und sie zum Oralsex gezwungen zu haben. Auch habe er gewaltsam versucht, Geschlechtsverkehr mit ihr zu haben. Der Franzose entgegnete, er habe mit der aus Guinea stammenden Frau einvernehmlichen Sex gehabt.

Als Strauss-Kahn wenige Stunden später am New Yorker Flughafen John F. Kennedy festgenommen wurde, war seine Karriere abrupt am Ende. Der Politiker mit Ambitionen auf das Präsidentenamt seines Landes musste im Justizgebäude an der Seite von Kleinkriminellen ausharren. Zunächst verbrachte er vier Nächte auf der berüchtigten Gefängnisinsel Rikers Island, ehe er gegen Kaution entlassen und unter Hausarrest gestellt wurde.

Der Fall zog die Öffentlichkeit in seinen Bann, weil er ein Schlaglicht auf die Beziehung zwischen Sex und Macht zu werfen schien. Der angebliche sexuelle Angriff des Franzosen auf das Zimmermädchen wurde als Paradebeispiel für die Grenzüberschreitungen einer maßlosen Politikerkaste herangezogen. Dazu kam der scharfe Gegensatz zwischen mutmaßlichem Vergewaltiger und mutmaßlichem Opfer. Hier das Alphatier mit sechsstelligem Jahresgehalt – dort die arme Einwanderin aus Westafrika, alleinerziehende Mutter und anscheinend tadellose Angestellte.

Diese Rollenverteilung hielt der Realität aber nicht stand. Zwar sahen es die Ermittler angesichts der Spuren als erwiesen an, dass es tatsächlich zum Sexualverkehr zwischen Strauss-Kahn und Diallo gekommen ist. Doch die Staatsanwaltschaft stellte die Strafverfolgung Ende August 2011 ein. Das mutmaßliche Opfer hatte sich durch Lügen unglaubwürdig gemacht.

An der Zivilklage hielt Diallo aber fest, Strauss-Kahn forderte im Gegenzug wegen Verleumdung Schadenersatz. Anfang Mai machte der New Yorker Richter Douglas McKeon den Weg frei für einen Zivilprozess gegen Strauss-Kahn und wies das Argument zurück, dass Strauss-Kahn als IWF-Chef diplomatische Immunität genossen habe und daher nicht zivilrechtlich belangt werden könne.

Weiter ungelöst sind Strauss-Kahns rechtliche Probleme in der Heimat: Die französische Justiz ermittelt im Zusammenhang mit Sex-Partys wegen bandenmäßig organisierter Zuhälterei.

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