E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 22°C

Orkan: Nach dem Sturm: Tote und Millionenschäden in Deutschland

„Friederike“ lässt Bäume wie Streichhölzer umknicken und legt den gesamten Fernverkehr der Bahn lahm. Auf dem Weg von West nach Ost hinterlässt der „Orkan der Königsklasse“ vielerorts großes Chaos.
Gestrandete Fahrgäste warten am Frankfurter Hauptbahnhof vor dem „Service-Point“ der Deutschen Bahn. Die Bahn stellte den Fernverkehr wegen des Orkans „Friederike“ bundesweit ein. Foto: Fabian Sommer (dpa) Gestrandete Fahrgäste warten am Frankfurter Hauptbahnhof vor dem „Service-Point“ der Deutschen Bahn. Die Bahn stellte den Fernverkehr wegen des Orkans „Friederike“ bundesweit ein.
Berlin. 

Es ist kurz vor 11.00 Uhr, als die Bahn entscheidet, den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen einzustellen. „Due to storm“ – aufgrund von Sturm – fährt hier vorerst kein Zug mehr. Im Laufe des Tages folgen auf dem rasanten Weg des Orkantiefs „Friederike“ weitere Bundesländer – am Nachmittag gar der gesamte Fernverkehr. Immer mehr Reisende stranden in den Bahnhöfen. Ausgerechnet am elften Jahrestag des zerstörerischen Orkans „Kyrill“ hat erneut ein schweres Unwetter Deutschland fest im Griff.

So wütete "Friedericke" im Taunus

Am Donnerstagmorgen trifft „Friederike“ zunächst auf Belgien und die Niederlande und sorgt dort für reichlich Chaos. Zahlreiche Bäume werden entwurzelt, eine Autofahrerin von einem umfallenden Baum erschlagen. In den Niederlanden sterben zwei Menschen durch umstürzende Bäume und abgebrochene Äste.

Lastwagen umgeworfen

Wenig später erreicht der Orkan dann Nordrhein-Westfalen mit Wucht und wirbelt auch hier den Alltag vieler Menschen durcheinander. Auf einem Campingplatz am Rhein bei Emmerich wird ein 59-Jähriger von einem Baum erschlagen. Am Nachmittag werden weitere Todesopfer aus Deutschland durch „Friederike“ gemeldet. Bis zum Abend ist von mindestens sechs Menschen bekannt, dass sie in dem Orkan starben.

So wütete "Friedericke" in Limburg

Auf zahlreichen Autobahnen und Landstraßen blockieren nicht nur umgestürzte Bäume den Verkehr, sondern auch vom Wind umgeworfene Lastwagen. In der Düsseldorfer Fußgängerzone liegen Tische und Stühle in Haufen übereinander, auch Dutzende Fahrräder und manches Dixi-Klo hat der Wind kreuz und quer auf den Straßen verteilt. Die Stadt Köln sperrt das Gelände rund um den Dom teilweise und warnt vor Steinschlag.

„Xavier“, Xynthia“, ...

Ihre Namen klingen harmlos, doch die Folgen sind oft verheerend. Wenn schwere Stürme für Chaos sorgen – eine Auswahl:   „Xavier“ , einer der heftigsten

clearing

Wer sich ins Freie wagt, muss sich teilweise an Straßenlaternen festhalten, um von den heftigen Sturmböen nicht mitgerissen zu werden. So postet der WDR ein Video von einer älteren Dame, die sich mit ihrem Koffer am Flughafen Weeze bei Düsseldorf durch die Böen kämpft – und nur mit Hilfe des Reporters die Flughafenhalle erreicht.

Während „Friederike“ noch im Westen tobt, werden auf dem Brocken bereits Windgeschwindigkeiten von rund 100 Kilometern pro Stunde gemessen – und der Zugverkehr auf den Berg im Harz eingestellt. Am frühen Nachmittag sind es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes dann mehr als 200 Kilometer pro Stunde.

Oberharz unpassierbar

Orkantief „Kyrill“ war 2007 an gleicher Stelle knapp unter dieser Marke geblieben. Der Wetterdienst spricht nun von einem „Orkan der Königsklasse“. In Norddeutschland wird „Friederike“ von teils heftigem Schneefall begleitet.

„Die Bäume fallen um wie Streichhölzer“, sagt ein Sprecher des Lagezentrums in Goslar. Der gesamte Oberharz sei quasi unpassierbar. Im südlichen Niedersachsen sitzen etwa 250 Reisende seit dem frühen Nachmittag in einem ICE fest, der in einen umgestürzten Baum gefahren war. Die Passagiere sollten auf freier Strecke über Stege in einen anderen Zug umsteigen, der auf dem benachbarten Gleis halten soll.

Am Hauptbahnhof in Hannover werden gefrustete Fahrgäste von der Deutschen Bahn mit Heißgetränken, Salzgebäck und Weingummi versorgt. An den Informationsschaltern bilden sich lange Schlangen. Am Bahnhof in Essen sitzen Reisende geduldig auf den Treppen, stehen an Wänden und schauen auf ihre Handys. Alle paar Minuten ertönt eine Durchsage, dass nichts mehr geht und es auf den Bahnsteigen sehr gefährlich ist.

Die meisten haben Verständnis für die großflächige Einstellung des Zugverkehrs. „Da kann ja keiner was für. Es ist höhere Gewalt. Es ist besser, hier im Bahnhof zu stehen als auf freier Strecke“, sagt ein 51-Jähriger. Genau das ist auch seit einiger Zeit die Taktik der Bahn.

Im ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe bauen am Abend Helfer eine Suppen- und Teeküche für gestrandete Reisende auf. „Aufenthaltszüge“ stehen zum Aufwärmen und Übernachten bereit. Diese Wagen sind jedoch fast leer. Mitarbeiter der Bahn stellen Fahrgemeinschaften für Taxifahrten in ferne Städte zusammen. Am Bahnhofsvorplatz machen Kassler Droschkenfahrer das Geschäft des Jahres.

Auch im europäischen Ausland kommt es durch Unwetter zu schweren Zwischenfällen. In der süditalienischen Stadt Crotone wird ein Mann vom Dach seines Hauses geweht und tödlich verletzt. In Rom wird ein Mädchen verletzt, nachdem Dachziegel einer Schule durch die Luft wirbelten.

Zur Startseite Mehr aus Panorama

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen