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Mit der neuen Konsole „Switch“ will das Unternehmen auf dem Spiele-Markt wieder angreifen: Nintendos letzter Versuch

In einem Offenbacher Hinterhof hat das japanische Videospiel-Unternehmen Nintendo seine Zukunft präsentiert: Sie heißt „Nintendo Switch“ und ist eine brandneue Spielkonsole. Mit ihr will Nintendo auf dem Spielemarkt wieder Boden gutmachen. Aber das könnte schiefgehen.
Bei der Präsentation in Offenbach testeten Spieler die neue Konsole „Nintendo Switch“. Bei der Präsentation in Offenbach testeten Spieler die neue Konsole „Nintendo Switch“.
Offenbach. 

Zwei Männer stehen sich gegenüber und starren sich tief in die Augen. Das leise Sirren von Westernmusik hängt zwischen ihnen in der Luft. Plötzlich plärrt eine Stimme einen Feuerbefehl. Sie reißen ihre Hände mit den Controllern hoch, als wären es echte Revolver, und drücken ab. Ein Schriftzug blinkt hinter ihnen auf: „Win!“ – gewonnen!. Triumphierend bläst einer der Männer seinen Möchtegern-Colt aus. Er trägt ein Cowboy-Kostüm. So soll also Nintendos Rettung mit der Konsole „Switch“ aussehen.

Das große japanische Videospiel-Unternehmen spielt derzeit selbst ein gefährliches Spiel um seine Position auf dem Markt. Videospiele sind ein Milliardengeschäft. Weltweit hat die Branche Schätzungen zu Folge allein 2016 mehr als 90 Milliarden Dollar umgesetzt, in Deutschland wird in den kommenden Jahren die Drei-Milliarden-Marke fallen. Eines der wichtigsten Geschäfte dabei sind die Spielekonsolen – und damit natürlich die Spiele selbst. Genau da droht Nintendo immer weiter ins Hintertreffen zu geraten: Marktführer Sony dominiert mit seiner Vielspieler-Konsole „Playstation 4“, dahinter lauert der Microsoft-Konzern mit der Multimediamaschine „Xbox One“. Nintendo ist mit seiner „Wii U“ weit abgeschlagen. Die Japaner haben ihre Marktlücke noch nicht gefunden. Der neue Konsolen-Trumpf „Nintendo Switch“ soll das jetzt ändern. Sonst droht eine lange Videospiel-Tradition zu sterben.

Manie liegt Jahre zurück

Anfang der 70er Jahre begann der damalige Spielkartenhersteller Nintendo, diese zu produzieren. Schnell avancierte das Knöpfchendrücken zum Kerngeschäft. Im Laufe der Jahrzehnte gelang es Nintendo, selbst zum Synonym für Videospiele zu werden: Mit Spielemarken wie Super Mario, Zelda oder Pokémon. Und mit legendärer Hardware. Die Japaner eroberten mit ihren Konsolen wie dem „Nintendo Entertainment System“ (NES) oder dem „Nintendo 64“ (N64) Kinder- und Wohnzimmer weltweit. Der Anfang der 90er Jahre erschienene „Game Boy“ erfand als tragbare Konsole quasi im Alleingang das Spielen unterwegs.

Die Nintendo-Manie erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt vor etwa zehn Jahren: Damals gelang es dem Unternehmen aus Kyoto, die Gelegenheitsspieler als Zielgruppe für sich zu gewinnen. Menschen, die mit Videospielen vorher kaum etwas zu tun hatten, tätschelten plötzlich virtuelle Hunde, betrieben Gehirnjogging oder warfen digitale Bowlingkugeln. Die damalige Konsolen-Generation um Nintendo DS und Nintendo Wii hatte mit ihren Innovationen den Nerv der Zeit getroffen: Touchscreen und Bewegungssteuerung sorgten dafür, dass nicht nur der Sohn, sondern gleich die ganze Familie die Nintendo-Hardware kauften. Der Umsatz schoss durch die Decke. Doch dann kam das Smartphone.

Konkurrent Smartphone

Während die Konkurrenz sich erfolgreich auf die neue Situation einstellte, ging Nintendo mit seinen Neuerungen baden: Die Verkaufszahlen des „3DS“ stotterten lange, die aktuelle Heimkonsole „Wii U“ ist ein Misserfolg. Das Smartphone hatte die Gelegenheitsspieler geklaut.

Jetzt arbeitet man in Kyoto an dem Comeback: Mit den bahnbrechend erfolgreichen Apps „Pokémon GO“ und „Super Mario Run“ beweist Nintendo in den letzten Monaten seine ungebrochene Markenmacht. Die Smartphone-Anwendungen garantieren vorerst aber nur einen kurzzeitigen Erfolg

Die neue „Nintendo Switch“ soll nun einen nachhaltigeren Weg gehen: Sie ist ein Hybrid aus tragbarem Tablet und Heimkonsole. Zwei kleine, vielseitige Controller, wahlweise klassisches Knöpfedrücken oder einfache Bewegungssteuerung, Fokus auf ein gemeinsames Spielerlebnis. Doch die Technik erreicht nur mühsam Augenhöhe mit der Konkurrenz.

Letztlich hängt der Erfolg aber an einem großen Faktor: Der Trend geht zwar in vielen Bereichen hin zu mobilen Anwendungen. Mit der „Switch“ reißt Nintendo die Heimkonsole aus dem Wohnzimmer und zerrt sie nach draußen. Das ist zwar intuitiv und unkompliziert. Aber vielleicht will der Heimkonsolenspieler gar nicht unterwegs spielen.

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