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Haltung meist nicht artgerecht: Ostern – kein Fest für Tiere

Osterlämmchen, Kinder mit Kaninchen im Arm und Körbe mit bunt bemalten Ostereiern. Hinter diesen idyllischen Bildern verbirgt sich oft viel Tierleid. Das erklärt Lea Schmitz, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. Im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs gibt sie aber auch praktische Tipps, wie Verbraucher Einfluss nehmen können.
Nicht auf der grünen Weide, sondern im Stall werden die Lämmer groß, die zu Ostern verzehrt werden. Und manchmal ist es dort so eng, dass sie auf dem Rücken anderer Tiere stehen müssen, um an Futter zu kommen. Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild) Nicht auf der grünen Weide, sondern im Stall werden die Lämmer groß, die zu Ostern verzehrt werden. Und manchmal ist es dort so eng, dass sie auf dem Rücken anderer Tiere stehen müssen, um an Futter zu kommen.

Ostern ist traditionell das Fest mit Eiern, Kaninchen und Lammfleisch. Ist das für Tierschützer ein Alptraum?

SCHMITZ: Jein. Natürlich ist Ostern grundsätzlich ein schönes Fest. Aber es ist auch mit einigen Tierschutzproblemen verbunden, was die typischen Ostertiere angeht: Kaninchen, Hühner und Lämmer.

In Italien hat sogar Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi zum Verzicht von Lammfleisch geraten. Tun Sie das auch?

SCHMITZ: Der Verzicht auf Fleisch ist natürlich immer der direkteste Weg zu mehr Tierschutz – egal, um welche Tierart es sich handelt. Der Verzehr vom Lammfleisch ist aber nicht grundsätzlich problematischer als der von anderem Fleisch. Man muss bedenken: Das Lammfleisch, das zu Ostern auf den Markt kommt, stammt von Tieren, die im Winter geboren und bis zu einem Alter von vier bis sechs Monaten vorwiegend im Stall ohne Weidegang gemästet wurden, um zu Ostern das Schlachtgewicht zu erreichen. Die Tatsache, dass sie große Mengen Kraftfutter bekommen, um schnell an Gewicht zuzulegen, kann bei den eigentlichen Wiederkäuern gesundheitliche Probleme verursachen. Problematisch ist dabei auch, dass die Lämmer nach wenigen Tagen von ihrer Mutter getrennt werden. In der Natur dagegen trinkt ein Lamm bis zu sechs Monate Muttermilch.

Wäre es also besser, erst später im Jahr Lammfleisch zu essen?

SCHMITZ: Wenn die Tiere auf die Weide dürfen, wäre das schon mal ein Pluspunkt. Aber andere Probleme, wie die frühe Trennung von der Mutter, bleiben natürlich. Unser Tipp an die Verbraucher: Wer dennoch Lammfleisch essen möchte, sollte regionales Fleisch kaufen und sich anschauen, wie die Tiere gehalten werden.

Sie raten auch vom Kauf von Kaninchenfleisch ab. Warum?

SCHMITZ: Weil Kaninchen meist aus der Intensivmast stammen, welche ebenfalls mit enormen Tierschutzproblemen verbunden ist. Es ist nicht so, dass die Kaninchen irgendwo auf einer grünen Wiese herumhoppeln. Oft werden sie eng zusammengepfercht ohne Tageslicht in Gitterkäfigen gehalten, ähnlich wie Hühner in Legebatterien. Verhaltensstörungen und Krankheiten sind die Folge.

Stammen die Kaninchen, die hier gegessen werden, denn aus Deutschland?

SCHMITZ: Teilweise. Es werden 30 Millionen Kaninchen jedes Jahr in Deutschland verzehrt, vor allem zu Ostern. 20 Prozent davon stammen aus Osteuropa und China, und da macht man sich natürlich noch weniger Gedanken über die artgerechte Haltung.

Kann der Verbraucher erkennen, woher das Fleisch kommt?

SCHMITZ: Das Herkunftsland muss zwar auf dem Etikett verzeichnet werden. Allerdings darf ein „D“ für Deutschland auch draufstehen, wenn das Tier im Ausland gehalten und gemästet und nur in Deutschland zerlegt wurde. Wenn man Kaninchenfleisch kauft, dann daher nur im Biomarkt oder von privaten Erzeugern mit artgerechter Haltung und kurzen Transportwegen zum Schlachter.

Zum Fest werden auch lebende Kaninchen verschenkt. Wie sehen Sie das?

SCHMITZ: Wir raten immer davon ab, Tiere unüberlegt zu verschenken. Gerade Kaninchen werden oft für Kinder angeschafft und sind für sie eigentlich nicht wirklich geeignet. Denn sie sind keine Knuddeltiere und lassen sich nicht gern hochheben. Generell sind Kaninchen nicht so anspruchslos, wie viele denken. Sie brauchen viel Auslauf und müssen mindestens zu zweit gehalten werden.

Die Diskussion um die Hühnerhaltung und mangelnde Kennzeichnungspflicht gefärbter Eier gibt es schon seit Jahren. Warum hat sich da noch nichts geändert?

SCHMITZ: Die Kennzeichnungspflicht für verarbeitete Eier, die wir seit langem fordern, gibt es nach wie vor nicht und da ist leider auch nichts abzusehen. Aber große Supermärkte und Discounter geben inzwischen immer öfter freiwillig an, wo die gefärbten Eier herstammen. Meist sind sie heute aus Bodenhaltung. Wenn solche Angaben aber fehlen, sollten Verbraucher lieber darauf verzichten, denn dann können Käfigeier dahinter stecken.

Ostern mit Tierschutz zu verbinden ist also gar nicht so einfach. Wie feiern Sie selbst?

SCHMITZ: Dieses Jahr bin ich im Urlaub. Traditionell gibt es bei uns aber Ostereier aus artgerechter Haltung, die gefärbt und für die Kinder versteckt werden. Traditionelle Ostergerichte haben wir nicht. Meist gibt es Vegetarisches. Wenn auch Fleisch für Familie und Verwandtschaft auf den Tisch kommt, dann Bio-Fleisch bzw. von einem Bauern aus der Region, der hohe Tierschutzstandards hat.

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