E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 22°C

Trauer um Alfie Evans: Papst zeigt sich „tief getroffen“

Sein Schicksal bewegte Menschen weit über Großbritannien hinaus: Alfie wurde nur 23 Monate alt. Der Umgang mit seiner tödlichen Krankheit trieb einen Keil zwischen Eltern und Ärzte.
Alfie ist im Kinderkrankenhaus in Liverpool gestorben. Foto: Alfies Army Official (PA) Alfie ist im Kinderkrankenhaus in Liverpool gestorben.
Liverpool. 

Der schwer kranke britische Junge Alfie ist in der Nacht zum Samstag im Kinderkrankenhaus in Liverpool gestorben. Das knapp zwei Jahre alte Kind erlag nach Angaben seiner Eltern um 3.30 Uhr (MESZ) seiner neurologischen Erkrankung. „Unserem kleinen Jungen sind Flügel gewachsen“, schrieben sie auf Facebook. „Wir danken allen für ihre Unterstützung.“ Zwischen Ärzten und Eltern hatte es zuvor einen erbitterten Streit um das Schicksal des Jungen gegeben. Der Fall beschäftigte mehrere Gerichte und sogar den Papst. Das Kinderkrankenhaus Alder Hey kondolierte auf seiner Website Alfies Familie: „Unsere Gedanken sind mit ihnen.“ Die Eltern durchlebten eine extrem schmerzliche Zeit. Die Privatsphäre der Familie, aber auch die der Mitarbeiter des Krankenhauses müsse gewahrt werden.

Unklare Diagnose

Mediziner konnten Alfies neurologische Erkrankung nicht eindeutig diagnostizieren. Fast sein ganzes Gehirn war den Ärzten zufolge geschädigt. Er konnte sich demnach nicht bewegen, sprechen und hören. Die britischen Ärzte hielten lebenserhaltende Maßnahmen für sinnlos und stellten sie am vergangenen Montag ein. Zur Überraschung der Mediziner atmete der Junge von allein weiter.

Die Eltern wollten, dass Alfie so lange wie möglich lebt. Viele Demonstranten unterstützen das Anliegen des jungen Paares. Im Internet wurden Spenden gesammelt. Kurz vor Alfies Tod zeigten sich die Eltern etwas versöhnlicher und wollten mit den Ärzten zusammenarbeiten, wie sie noch am Donnerstagabend ankündigten. Sogar der Papst hatte sich für Alfie eingesetzt. Die italienische Regierung setzte alle Hebel in Bewegung, um den Jungen ins vatikanische Kinderkrankenhaus Bambino Gesù zu bringen. Dies wurde von einem britischen Gericht allerdings untersagt. Alfies Vater hatte auch die Hoffnung geäußert, dass sein Sohn zumindest zu Hause gepflegt werden könnte. Das Krankenhaus zeigte sich aber skeptisch.

Harsche Kritik

Der deutsche Experte Nikolaus Haas hatte vor dem Tod des Jungen scharfe Kritik am Umgang mit dem Fall in Großbritannien geübt. In Deutschland wäre Alfie „selbstverständlich auf Wunsch der Eltern weiterbehandelt worden“, sagte der Professor für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin vom Universitätsklinikum München der Deutschen Presse-Agentur. Haas hatte im Auftrag eines britischen Gerichts ein Gutachten erstellt und eine Verlegung des Jungen in ein Krankenhaus in Deutschland, Italien oder nach Hause befürwortet. Der Professor vermutet hinter der harten Haltung der britischen Mediziner auch die Furcht vor Kosten für das nationale Gesundheitssystem NHS durch ähnliche Fälle.

Der Fall von Alfie erinnert an den von Charlie Gard. Charlie, der einen extrem seltenen Gendefekt hatte, starb im vergangenen Sommer. Dem Wunsch der Eltern, ihn für eine experimentelle Behandlung in die USA auszufliegen, hatten britische Gerichte nicht entsprochen. Auch damals hatte sich der Papst eingeschaltet – und auch US-Präsident Donald Trump.

Zur Startseite Mehr aus Panorama

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen