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Missbrauchs-Prozess: Politiker fordern Konsequenzen und versprechen Aufarbeitung

Das Urteil gegen eine Mutter und ihren Partner, die ihr Kind jahrelang schlimm misshandelten und im Darknet anboten, ist zuende. Jetzt beginnt die Aufarbeitung.
Die verurteilte Mutter nach der Urteilsverkündung. Foto: Patrick Seeger (dpa) Die verurteilte Mutter nach der Urteilsverkündung.
Freiburg. 

Nach den Urteilen im Missbrauchsprozess am Landgericht Freiburg fordern Fachleute, Konsequenzen zu ziehen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigte eine umfassende Aufarbeitung an. „Wir müssen genau schauen, ob und welche Fehler gemacht wurden“, so der Grünen-Politiker. Mögliche Verbesserungen beim Kinder- und Jugendschutz müssten geprüft werden. Kretschmann äußerte sich erstmals öffentlich. „Diese schrecklichen Taten sind unfassbar, mir geht das auch persönlich tief unter die Haut“, sagte er.

Behörden-Fehler ermitteln

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hatte Kretschmann und die grün-schwarze Landesregierung zu einer umfassenden Aufarbeitung von Verfehlungen und Versäumnissen aufgefordert. „Und zwar nicht nur in internen Arbeitsgruppen, sondern unter Hinzuziehung von externem Sachverstand aus Wissenschaft und Praxis“. Es deute viel auf strukturelle Probleme hin, sagte er und nannte eine Überlastung von Jugendämtern.

Kretschmann betonte, die Landesregierung habe bereits eine Arbeitsgruppe aus Sozial-, Justiz- und Innenministerium eingerichtet. Sie werde „zeitnah Ergebnisse liefern“.

Der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt forderte eine Fortbildungspflicht für Familienrichterinnen und Familienrichter. Zudem brauche es einen Austausch zwischen Familiengericht, Jugendamt und Staatsanwaltschaft.

„Der Staat muss Behördenmitarbeiter besser ausbilden, damit künftig sichergestellt ist, dass unschuldige Kinder perversen Kriminellen nicht ausgeliefert sind – schon gar nicht über einen längeren Zeitraum“, sagte die Bundesgeschäftsführerin der Opferhilfsorganisation Weißer Ring, Bianca Biwer, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Außerdem müsse Kindern durch Präventionsarbeit vermittelt werden, dass sie das Recht hätten, Nein zu sagen. „Viele glauben: Was im eigenen Zuhause passiert, soll nicht nach außen dringen. “

Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, forderte anlässlich des Falls die Einführung der Vorratsdatenspeicherung. „Jeden Tag gehen beim Bundeskriminalamt Hinweise auf den sexuellen Missbrauch von Kindern ein“, sagte Münch der „Berliner Zeitung“. „Darunter sind Bilder und Videos, auf denen Kinder oder sogar Babys schwer missbraucht werden.“

Im Internet werde das Material in versteckten Foren, zum Teil aber auch öffentlich gehandelt und getauscht. In vielen Fällen sei der einzige Hinweis auf den Täter die IP-Adresse seines Computers. „Den Ermittlern seien häufig die Hände gebunden“, beklagte der BKA-Präsident. „Grund ist die nicht umgesetzte Vorratsdatenspeicherung: Allein 2017 konnten über 8000 Hinweise auf Kinderpornografie nicht weiter ermittelt werden.“

Frauen in der Täter-Rolle

Die Kriminalpsychologin Lydia Benecke sagte, Rollenklischees seien mit dafür verantwortlich, dass Frauen als Sexualstraftäterinnen selbst von Fachleuten nur schwer erkannt würden. Eigenschaften wie „hilfsbereit“, „schwach“ oder „mütterlich“ würden eher Frauen als Männern zugeschrieben. „Solche Stereotype stehen dem klassischen Bild, das Menschen von speziell Sexualstraftätern haben, entgegen.“

Kriminologe Christian Pfeiffer sagte, ihm sei „kein Fall bekannt, in dem eine Mutter mit einer derartigen Brutalität und emotionalen Gleichgültigkeit vorgegangen wäre“. Der ehemalige Direktor des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen sieht dadurch auch Jugendamt und Justiz, die lange Zeit nicht eingegriffen hatten, zum Teil entlastet: „Niemand hat ernsthaft glauben wollen, dass diese Frau ihren Sohn selbst verkauft.“

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