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Freier Blick in Luxus-Wohnungen: Reiche Londoner ziehen gegen das Museum „Tate Modern“ vor Gericht

Londoner und Touristen freuen sich über den Neubau der Tate Modern, der nicht nur Platz bietet für mehr Kunst, sondern auch eine Panorama-Plattform im zehnten Stock. Es gibt aber ein Problem: Von diesem Aussichtspunkt können Besucher auch direkt in die Luxus-Apartments der Nachbarn schauen. Die beklagten sich bereits im vergangenen Jahr, nun ziehen einige vor Gericht.
Die Tate Modern hat eine neue Aussichtsplattform im 10. Stock (rechts): Von dort haben die Besucher direkten Einblick in die Apartments der Luxus-Wohntürme (links). Foto: BEN STANSALL (AFP) Die Tate Modern hat eine neue Aussichtsplattform im 10. Stock (rechts): Von dort haben die Besucher direkten Einblick in die Apartments der Luxus-Wohntürme (links).
London. 

Im Sekundentakt spucken die Fahrstühle Touristen im zehnten Stock aus. Hier, in der obersten Etage der Londoner Tate Gallery of Modern Art, bietet sich ihnen ein atemberaubender Panorama-Blick auf die Themse, die berühmte Kathedrale St. Paul’s, die City, die im Horizont verschwindende Metropole. Und auf einen gegenüberliegenden Block, der Luxus-Apartments beherbergt. Deren großzügige Fenster gewähren einen freien Blick ins Innenleben der Superreichen, das Neo-Bankside-Gebäude liegt nur einige Meter Luftlinie von den Kunstbesuchern entfernt.

Puristische Einrichtungen, edle Sofas, Designerstühle – einem spanischen Touristen entfährt während seines Besuchs hoch oben über der Stadt ein „Wow“, während seine Frau mit dem Smartphone ein Foto nach dem anderen schießt.

Offenbar ist die Faszination über den luxuriösen Lifestyle fast noch größer als die Aussicht auf die Sehenswürdigkeiten Londons. Ein Hinweisschild bittet die Touristen zwar darum, „die Privatsphäre der Anwohner zu respektieren“. Aber es kommt kaum überraschend, dass täglich Bilder und Videos eben dieser Wohnungen in den sozialen Netzwerken auftauchen – zum Ärger der Bewohner dieser Apartments, die bis zu sechs Millionen Pfund kosten. Sie sträuben sich, weiterhin „wie auf dem Präsentierteller“ zu leben.

Ständige Beobachtung

Die Tate Modern habe ihre Wohnungen in „Goldfischbecken“ verwandelt, sie stünden unter „fast ständiger Beobachtung“. Beschwerten sie sich über die Situation im vergangenen Jahr lediglich lautstark, ziehen fünf der Nachbarn nun rechtliche Konsequenzen und verklagen das Museum. Sie fordern eine Sichtschutzwand. Doch vonseiten der Tate heißt es, dass „das Design des Gebäudes stets eine Terrasse für die Öffentlichkeit auf höchster Ebene“ vorgesehen habe – was die nun erzürnten Anwohner der Tate offenbar ignorierten.

Als sie einzogen, befand sich die Erweiterung des berühmten Kunstmuseums noch in der Errichtungsphase. Erst im vergangenen Juni eröffnete der spektakuläre Anbau, das sogenannte Switch House, das mit ockerfarbenen und versetzt gestapelten Ziegelsteinen ummauert wurde. Die neue Galerie, die von den Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron entworfen wurde, lockte seit vergangenem Sommer eine Rekordzahl von Besuchern an.

Keine Gardinen

Die Ausstellungsfläche hat sich um 60 Prozent vergrößert. Und zu den Attraktionen gehört eben auch die Aussichtsplattform, deren Besuch wie auch der Eintritt ins Museum kostenfrei ist.

Eine Lösung für den Sicht-Streit, die der ehemalige Tate-Chef Nicholas Serota vor einigen Monaten vorschlug, klang zunächst einfach und naheliegend: Wie wäre es schlichtweg, Gardinen oder Rollläden anzubringen? Doch offenbar scheint diese Art von Sichtschutz nicht zum luxuriösen Stil der Bewohner zu passen. Sie gingen jedenfalls nicht auf den Ratschlag ein. Etliche Kommentatoren lästerten daraufhin über die reiche Oberschicht, die vor ihren Fenstern im Normalfall keine Gardinen brauche. Zu abgehoben wohnten deren Mitglieder.

Ein Tate-Besucher, der in einem der Apartments ein Teleskop am Fenster entdeckte, befand via sozialer Medien, das Switch House habe einen demokratisierenden Effekt. Während die Menschen in dem Wohnblock ein Fernrohr nutzen mögen, um auf „das einfache Volk niederzuschauen“, das an der Themse entlangspaziert, habe die Öffentlichkeit durch die Aussichtsplattform nun endlich die Chance, zurückzustarren.

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