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Massaker in Las Vegas: Solidarität in der „Stadt der Sünde“

Die Bluttat von Las Vegas gehört zu den entsetzlichsten Massakern, die die USA je erlebt haben. Erschwinglichkeit und Menschenmassen machen die Stadt zu einem der verwundbarsten weichen Ziele der Welt. Wird hier jetzt alles anders werden?
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Las Vegas. 

Dort vorne ragt es auf, das Mandalay Bay Resort and Casino. Weiträumig abgesperrt schimmert sein kaltes Gold in den Oktoberabend. Zwei ausgezackte Löcher klaffen in der perfekten Oberfläche. Hier hämmerte Stephen Paddock, wohl mit einem Spezialwerkzeug, zwei Löcher in die raumschiffgleiche Außenhaut, hinter der er Podeste für seine Gewehre errichtet hatte. Dann zog er den Abzug. Nur zum Nachladen ließ er los. Solange, bis die Waffe angeblich so stark rauchte, dass sie den Feueralarm auslöste. Er alleine dort oben in seinem Zimmer, mitten in der Stadt der Sünde. Mehr als 20 000 Feiernde unten, beim Country. Und keiner wusste, woher der Tod kam.

Die Hilfsbereitschaft ist groß nach dem Massaker: Hier spendet Sergeant Anna Landsdell (rechts) bei Maria Reyes vom „United Blood Services“ Blut. Bild-Zoom Foto: Ronda Churchill (imago stock&people)
Die Hilfsbereitschaft ist groß nach dem Massaker: Hier spendet Sergeant Anna Landsdell (rechts) bei Maria Reyes vom „United Blood Services“ Blut.

Wenn man den berühmten Strip hochgeht und sich umdreht, kann man das Hotel viele Kilometer weit sehen. So weit konnte auch Paddock schauen, aus seiner erhöhten Position, mit seinen Zielfernrohren allemal. Das Mandalay Bay im Rücken, entfernt sich die entsetzliche Tat frappierend schnell. Hier ist Las Vegas rasch wieder ganz bei sich. Die Musik aus Bars und Shops dröhnt und schrillt wie immer, Bässe drücken in den Bauch. Margaritas in Plastikkrügen, klirrendes Gelächter. Zigarettenqualm, Marihuana. Polizei, aber nicht mehr als sonst. Menschenströme schieben sich die dunkler werdende Straße entlang, sie sind etwas dünner als sonst.

Gigantische Elektrotafeln

Stunden nach dem Massenmord ist es warm in der Stadt des Lasters, aber die Hitze hat nicht mehr die sengende, atemraubende Kraft des Sommers. Vorbei an den riesigen Hotels, MGM, Bellagio, Mirage, Wynn, Encore, Venetian. In diesen unfassbaren Milliardenmaschinen umfängt einen auch heute das immergleiche, stoische Halbdunkel, es ist nur noch etwas bizarrer. Slotmaschinen rasseln. An hinteren Wänden diskrete Aufforderungen zum Blutspenden, draußen prangen sie Weiß auf Schwarz auf gigantischen Elektrotafeln. Jennifer Lopez soll man bitte besuchen und auch den Cirque du Soleil, und wer nach der Bluttat einen Angehörigen vermisst, hier ist die Telefonnummer.

Nur Stunden zuvor sind Menschen in greller Panik um ihr Leben gelaufen. „Wildfremde haben sich ineinander gekrallt, Schutz gesucht, aber den gab es nicht“, sagt Sarah Macvaughan aus Chicago. „Es dauerte ewig.“ Sarah stand ganz vorne an der Bühne. „So ein friedliches Festival war das, so schöne drei Tage.“

Stephen Paddock tötete in Las Vegas mindestens 59 Menschen. Bild-Zoom Foto: - (OFF)
Stephen Paddock tötete in Las Vegas mindestens 59 Menschen.

Hunderttausende Touristen fluten diese Stadt unaufhörlich, dieses Emblem des Exzesses inmitten der Wüste, die so viel Platz hat auf ihren vielen Freiflächen von der Größe ganzer Dörfer. Unweit der großen Hotels gelegen, sind sie oft Schauplatz großer Festivals und fröhlicher Veranstaltungen.

Am Sonntag waren viele Ausgänge des Route 91 Harvest Festivals zugleich seine Eingänge. Als die Schüsse fielen und zunächst keiner wusste, woher, rannten verzweifelte, verängstigte Menschen wieder zum Eingang – dorthin, wo sie hergekommen waren. Menschen in Panik tun so etwas, sagen Psychologen. Sie flohen ihrem Tod entgegen. Auch das ist ein Grund, warum die Opferzahl so hoch ist. Mindestens 59 Menschen sterben, weit über 500 werden verletzt.

Beim Einsetzen der ersten Salven war Steven Nukryw aus Los Angeles gerade außerhalb des Geländes. Er rannte tatsächlich wieder rauf auf diesen Platz, auf die Schüsse zu, sagt er, er musste doch sein Mädchen suchen. Er fand es. Beiden ist nichts passiert, zumindest äußerlich nicht. Still sehen sie auf das Hotel.

Ein Todesschütze hat bei einem Musikfestival in der US-Touristenmetropole Las Vegas mindestens 50 Menschen umgebracht und mehr als 200 verletzt. Es folgen weitere Bilder.
Kommentar zum Massaker von Las Vegas Hoher Preis für eine vermeintliche Freiheit

Routiniert hatte der sogenannte Islamische Staat das Massaker von Las Vegas sogleich für sich beansprucht. Aber in diesem Falle hat wohl ein Journalisten-Kollege recht, der schrieb: „Amerika tötet sich selbst.

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Die Erschwinglichkeit, die großen Menschenmassen, sie machen Las Vegas zu einem der verwundbarsten weichen Ziele der Welt. Dies ist der Ort, an dem man fast überall fast alles darf, was in den sonst regelstrengen USA nur abgezirkelt erlaubt ist. Alkohol trinken auf der Straße, Rauchen in Innenräumen. Waffen haben und Waffen tragen, gilt doch in Nevada US-weit eines der laxesten Waffengesetze. Mit religiöser Inbrunst wird dieses Recht verteidigt. Nach Bluttaten kommen dann von allen Seiten die gleichen Reflexe hoch, das ist nach Las Vegas nicht anders. Ändern wird sich nach Lage der Dinge nichts, nicht in diesem Kongress und nicht mit Präsident Donald Trump.

Einige Hotels wurden vom Ministerium für Heimatschutz früher ausdrücklich dafür gelobt, dass sie in Sicherheitsfragen so gut kooperierten, etwa mit Software für Gesichtserkennung. Im Venetian und im Palazzo schauen sie einem bei der Einfahrt in die Garage ziemlich genau in den Kofferraum. Das kann im Mandala Bay kaum passiert sein. Nach allem, was man weiß, schob Paddock dort sein Waffenarsenal in zwei langen Rolltaschen in den Fahrstuhl. 32. Stock.

Unbescholtener Normalo

Wird jetzt alles anders werden in Las Vegas? Teke Nelis ist aus Eritrea, eigentlich ein fröhlicher Mensch, und er fährt schon sehr lange Menschen durch diese sündige Stadt. „Es ist furchtbar für Vegas. Schlecht für alles. Dabei hatte der Mann doch alles, was er brauchte, oder? Ein Haus und Geld! Und er war doch Amerikaner!“

Wenn Paddock wirklich ein so unbescholtener Normalo war, wie es zunächst aussah, dann vergrößert dies das Grauen und verringert es nicht. Gegen den Einbruch des Bösen aus aller Welt, so versucht der Präsident es seinem Land wieder und wieder einzuimpfen, dagegen könne man sich abschotten. Aber was kann man tun gegen das Explodieren der Normalität im Inneren? Trump reagierte, als sei etwas wie diese Tat eine zwar schlimme, aber doch mehr oder weniger unausweichliche Sache, die halt leider gelegentlich hereinbreche, etwa so wie ein Naturereignis.

Gedenkgottesdienst in der Guardian-Angel-Kathedrale oben am Strip, auch Vertreter der Stadt und der betroffenen Hotelkette sprechen. Wenn man Las Vegas jetzt helfen wolle, dürfe man nicht fernbleiben, sagt Scott Sibella, Präsident von MGM Grand, beschwörend. Abgesandte der Stadt versichern, Las Vegas werde noch stärker zurückkommen. Bei einigen ist hier große Unsicherheit zu greifen, aber das Leben geht weiter. Und das Geschäft auch.

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