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Interview mit Sprachexperten: Sprache braucht Fremdwörter

„Prallsack“ statt „Airbag“ – das ist weder verständlicher noch schöner, meint Lutz Kuntzsch, Leiter Sprachberatung und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Gesellschaft für Deutsche Sprache in Wiesbaden. Im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs erklärt er, warum die Kritik an Fremdworten oft zu kurz greift.
Lutz Kuntzsch von der Gesellschaft für deutsche Sprache Lutz Kuntzsch von der Gesellschaft für deutsche Sprache

Viele Deutsche kritisieren Fremdwörter, benutzen aber selbst welche. Wann gehört Ihrer Meinung nach ein Fremdwort zur deutschen Sprache?

KUNTZSCH: Wenn es etabliert ist und verstanden wird. Als höchste Stufe gilt, wenn es dann auch im Duden steht. Bei „Internet“ und „okay“ etwa ist das der Fall. Wer meint, dass das Deutsche ohne Fremdwörter auskommt, hat ein falsches Verständnis von Sprache. Ohne Fremdwörter könnten wir uns gar nicht unterhalten. Denn dazu gehört ja im Grunde schon „Wein“.

Beschweren sich denn Leute bei Ihnen darüber, dass zu viele Fremdwörter benutzt werden?

KUNTZSCH: Ja. Meistens geschieht das dann, wenn etwas unverständlich ist. Ein Beispiel: Wenn die Toiletten auf den Bahnhöfen „McClean“ heißen, denkt man eher an eine Reinigung als an das, was es wirklich bezeichnet.

Was halten Sie davon, wenn für Fremdwörter Entsprechungen in der eigenen Sprache gesucht werden – wie es etwa in Island oder Frankreich oft der Fall ist?

KUNTZSCH: Man kann nicht von oben verordnen, statt „Computer“ jetzt nur noch „Rechner“ zu sagen. Und nicht immer ist die deutsche Entsprechung verständlicher oder schöner. Ich finde zum Beispiel, dass „Airbag“ verständlicher ist als „Prallsack“, ebenso wie „Public Viewing“ gegenüber „Rudelgucken“.

Welche deutsche Wörter werden denn umgekehrt in anderen Sprachen häufig verwendet?

KUNTZSCH: Da gibt es sehr viele. Spitzenreiter ist das „Butterbrot“, das im Russischen für einige Arten von Sandwiches verwendet wird. Amerikaner sagen nach dem Niesen mitunter „Gesundheit“, auch „Wischiwaschi“ ist dort ab und an zu hören. In China ist mit dem dazugehörigen Lebensmittel die „Bratwurst“ angekommen. Dazu kommen natürlich die deutschen Klassiker wie Leitmotiv, Fernweh und Augenblick, die in vielen Sprachen aufgenommen wurden.

Wann wird also ein Wort aus einer anderen Sprache genommen?

KUNTZSCH: Wenn es besser oder kürzer ist als das eigene. „Okay“ etwa ist prägnanter als „in Ordnung“. Wir sollten ein Fremdwort keinesfalls verteufeln, wenn es von der Sprachgemeinschaft angenommen worden ist. Sprache ist etwas Lebendiges, entwickelt sich, und das gehört dazu.

Das englische Wort „Sale“ ersetzt bei uns sehr oft den wesentlich längeren deutschen Begriff „Schlussverkauf“.
Angst vor "Verwässerung" der deutschen Sprache Sind Anglizismen okay?

Gerade Ältere sorgen sich oft um die deutsche Sprache, ergab eine YouGov-Umfrage. Dabei benutzen sie ein Fremdwort nach eigenen Angaben sogar häufiger als Jüngere.

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