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Hasskommentare im Internet: Stiftung Warentest warnt vor Online-Trollen und erntet Shitstorm

Stiftung Warentest lässt auf Facebook einen Post ab, in dem über Hassreden im Netz und ihre Konsequenzen informiert wird. Damit löst die deutsche Verbraucherorganisation eine regelrechte Flut an Kommentaren aus. Und wird nebenbei auch selbst zur Zielscheibe.
Hetze ist insbesondere auf Facebook ein großes Problem. Hetze ist insbesondere auf Facebook ein großes Problem.
Berlin. 

Hasskommentare im Internet sind ein immer größer werdendes Problem. In Foren und auf Facebook-Seiten wird heutzutage gehetzt und "gehatet" was das Zeug hält. Der Ton einiger User lässt dabei oftmals sehr zu wünschen übrig und geht weit unter die Gürtellinie. Andere Meinungen werden nicht akzeptiert, Argumente mit fragwürdigen Quellen und weit hergeholtem Halbwissen untermauert. Auch gerne angewendet wird das sogenannte "Derailing", bei dem "Trolle" aus ideologischen Gründen Diskussionen bewusst in eine andere Richtung lenken.

Persönliche Attacken sind inzwischen digitaler Alltag in vielen Gruppen, sei es von Schallplattensammlern, Veganern, Verlagen oder Sportvereinen. Aktuell beliebte Streitthemen: Flüchtlinge, Islam und Politik in Deutschland.

Im Eifer des nonverbalen und nicht selten anonymen Schlagabtauschs wird allerdings immer wieder vergessen, dass man sich in einem öffentlichen Raum befindet, in dem man zumindest die "Netiquette" pflegen sollte.

Wird die Hetze aber zu heftig und geht über die Meinungsfreiheit hinaus, kann das strafrechtliche Folgen für die Verfasser nach sich ziehen. Eben dann, wenn beispielsweise zu Gewalt gegen Personen, Völkern und religiösen Gruppen aufgerufen wird. Oder der Holocaust geleugnet wird.

Beispiele hierfür lieferte die deutsche Verbraucherschutzorganisation Stiftung Warentest in Form eines Posts auf ihrer Facebook-Seite am 16. Mai 2016. Darin informiert sie über die Konsequenzen von Hasskommentaren, listet mit Bußgeld geahndete Fälle auf sowie die Internetwachen aller Bundesländer, an die man strafrechtlich relevante Kommentare melden kann.

Es dauerte nicht lange, und der Post löste eine wahre Flut an Kommentaren aus. Unter Usern und den Moderatoren von Stiftung Warentest entfachten sich teils heftige Diskussionen. Binnen Stunden wurde der Post tausende Male geteilt und über hunderte Male kommentiert. Hier die Reaktionen:

"Uns war klar, dass es sich um ein kontroverses Thema handelt, waren aber dennoch etwas über den Umfang der Reaktionen überrascht", sagt Sebastian Hirsch, Online-Marketing-Manager bei Stiftung Warentest. Hintergrund des Posts war daher vor allem die längere Beobachtung von User-Verhalten im Internet: "Sobald ein Thema 'Mainstream' ist, scharen sich darunter Kommentare, die unter den Begriff 'Hate Speech' fallen. Der virale Effekt ist oftmals enorm und viele Seitenbetrieber versuchen damit möglichst adäquat umzugehen", sagt Hirsch.

Dies ist vor allem auf Facebook zu verfolgen. Das gigantische soziale Netzwerk schafft es offenbar nicht, eine Lösung zu finden, Hasskommentare unter Kontrolle zu bekommen. Meldet man zum Beispiel eine Seite, auf der enstprechende Kommentare verbreitet werden, bekommt man in der Regel lediglich eine Standardantwort von Facebook, dass die Seite nicht gegen die Gemeinschaftsstandards verstößt.

Das Team von Hirsch ist klein, aber "sobald wir ein brisantes Thema in der Pipeline haben, planen wir so, dass wir entsprechend auf Interaktion vorbereitet sind", sagt Hirsch. Und die Moderatoren bei Stiftung Warentest haben aktuell viel zu tun, denn nach Absetzen des Posts wurde die Verbraucheroganisation selbst zur Zielscheibe. Allen voran von Leuten, die die vermeintliche Meinungsfreiheit verletzt sehen. Doch Meinungsfreiheit hört bekanntlich da auf, wo öffentlich zu Gewalt aufgerufen wird.

Sogar Sebastian Hirsch wird auf seinem Twitter-Account persönlich angegangen. "Die 'Hetzer'-Vorwürfe, Unterstellung linksradikaler Propaganda, wenn man auf geltendes Recht verweist sowie dass man extra meinen Namen und Arbeitgeber recherchiert und öffentlich in Zusammenhang bringt, ist schon etwas irritierend", sagt Hirsch.

(aan)

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