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Prüfungsstress: Studenten unter Druck

Tiermedizinerin an einer staatlichen Uni in Nordrhein-Westfalen – so beschreibt ein neuer AOK-Report den typischen Stress-Studenten. Das relaxte Gegenstück ist männlich und studiert Sport an einer privaten Hochschule in Rheinland-Pfalz. Und nicht immer haben die, die nebenbei arbeiten, auch mehr Stress.
Büffeln, büffeln und noch mal büffeln – das müssen viele Studenten wie diese in einem Hörsaal der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Foto: Waltraud Grubitzsch (dpa-Zentralbild) Büffeln, büffeln und noch mal büffeln – das müssen viele Studenten wie diese in einem Hörsaal der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Berlin. 

Durch Zeitdruck und Zukunftsängste fühlen sich Studierende in Deutschland nach einer aktuellen Umfrage stärker unter Stress als Beschäftigte im Job. Studentinnen leiden durch diese Situation mehr als ihre männlichen Kommilitonen, an staatlichen Hochschulen ist das Überforderungsgefühl höher als an den privaten, und Bachelor-Studenten klagen darüber häufiger als die schon reiferen Master-Kandidaten. Stress-Studienfach Nummer eins ist Tiermedizin, am Ende der Skala stehen die Sportwissenschaften.

All dies geht aus einer gestern vorgestellten Onlinebefragung von mehr als 18 000 Teilnehmern hervor. Der AOK-Bundesverband hatte Wissenschaftler der Universitäten Potsdam und Hohenheim mit der bisher größten repräsentativen Erhebung zum „Studi-Stress“ beauftragt. „53 Prozent geben ein hohes Stresslevel an“, resümierte die Potsdamer Studienleiterin Prof. Uta Herbst. Eine vergleichbare Erhebung von 2015 habe gezeigt, dass der Anteil der in der Arbeitswelt Beschäftigten mit hohem Stresslevel bei „nur“ 50 Prozent liege.

Ein Grund für das hohe Belastungsgefühl von Studenten sei die „Bologna-Reform“ von 1999 zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes, die mit erhöhtem Prüfungsstress einherging, so das Fazit der Experten. In Deutschland sei die „Stressresilienz“ (Widerstandsfähigkeit im Umgang mit Belastungen) bei Studierenden wohl sehr gering ausgeprägt, sagte Herbst. Viele junge Leute kämen heutzutage eher unselbstständig zur Uni, viele plagten sich mit überhöhten Erwartungen an ihren Studienerfolg herum. Differenziert nach Bundesländern, steht Nordrhein-Westfalen an der Spitze der Stresswert-Tabelle, vor Sachsen-Anhalt, dem Saarland und Sachsen. Offenbar geht es in Bremen, Brandenburg, Bayern und Rheinland-Pfalz für Studierende ruhiger zu.

„An erster Stelle ist es hochschulbezogener Stress, der Studierenden zu schaffen macht“, bilanzierte der Hohenheimer Marketing-Professor Markus Voeth. „Dazu zählen neben Vorbereitungszeiten auf Prüfungen und dem Anfertigen der Abschlussarbeit die allgemeine Arbeitsbelastung durch das Studium sowie der Stoffumfang in Lehrveranstaltungen.“ Weniger ins Gewicht fiele dagegen die ständige Erreichbarkeit durch die modernen Medien.

Gefahren für Gesundheit

Kommt im Studium Stress auf, äußert sich dieser in unterschiedlicher Form: Am häufigsten wurden Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten sowie Lustlosigkeit genannt. Abhilfe könne durch mehr Unterstützung geschaffen werden, sagte AOK-Vorstandschef Martin Litsch: „Die Hälfte der Studierenden wünscht sich den Ausbau von Beratungsangeboten zur Stressbewältigung durch die Hochschule und externe Organisationen.“ Angesichts drohender Gesundheitsprobleme durch Stress oder möglicher Suchtgefahren müssten die Krankenkassen das Thema ernst nehmen, „es geht hier nicht nur um Befindlichkeiten“.

Die AOK-Studie stellte außerdem fest, dass Mehrfachbelastungen von Studierenden nicht automatisch zu noch mehr Stress führen müssen. Studenten mit einem Nebenjob seien „nicht mehr, teilweise sogar weniger gestresst als Studenten, die sich ausschließlich aufs Lernen fokussieren“, hob Kassen-Vorstandschef Litsch hervor. Ähnliches gelte für Studenten mit Kindern. Hier zeige sich offenbar, dass eine gute „Work-Life-Balance“ zwischen dem Studentenleben und der Ablenkung durch andere Dinge durchaus stressreduzierend wirken könne.

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