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Sturzflut: Tod in der italienischen Schlucht

Zwischen teils 400 Meter hohen Felswänden verwandelt sich ein kleiner Wildbach in einen reißenden Fluss. Für mehrere Ausflügler wird die Schlucht in Süditalien zur tödlichen Falle. Doch wäre die Tragödie vermeidbar gewesen?
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Civita. 

Nach der Sturzflut in einer Schlucht in Süditalien sind drei Vermisste lebend und in guter Verfassung aufgefunden worden. Damit gebe es „zu 99,9 Prozent“ keine Vermissten mehr, sagte Umweltminister Sergio Costa bei einem Besuch in dem nahe der Raganello-Schlucht gelegenen Ort Civita.

Der Wildbach in der Schlucht in Italiens Region Kalabrien hatte sich am Montag durch heftigen Regen in einen reißenden Fluss verwandelt, zehn Menschen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben. 23 weitere wurden gerettet, elf von ihnen kamen in Krankenhäuser. Dennoch suchten die Rettungskräfte weiter, es ist nicht auszuschließen, dass sich Touristen ohne Führer auf den Weg machten.

Das sonst so klare Wasser des Wildbachs ist noch immer schmutzig, trüb. „Das Wasser hat alles mitgerissen, was es finden konnte – auch Menschen“, sagte Domenico Gioia, der für die italienische Vereinigung AIGAE Exkursionen durch Kalabrien führt.

Vernichtende Kräfte

Rettungskräfte im Einsatz in der Raganello-Schlucht Bild-Zoom Foto: Francesco Capitaneo (ANSA/AP)
Rettungskräfte im Einsatz in der Raganello-Schlucht

Die Raganello-Schlucht liegt im malerischen Nationalpark Pollino. Die Felswände ziehen sich bis zu 400 Meter hoch, doch der Zugang zur Schlucht ist stellenweise einfach und wird nicht kontrolliert. Auch deswegen war am Dienstag noch unklar, wie viele Menschen sich zurzeit der Sturzflut in der Schlucht befanden.

Am Montag sei ein starkes Unwetter über der Region niedergegangen, allerdings nicht unmittelbar über der Schlucht, erklärte Gioia. Womöglich merkten die Ausflügler nicht, wie viel Regen in den umliegenden Bergen niederging und den „fast trockenen Bach“, wie Gioia sagte, in einen reißenden Fluss verwandelte. „So eine Situation hatten wir hier seit 40, 50 Jahren nicht mehr.“ Die Sommer sind in Süditalien heiß und trocken, oft zu trocken.

Beim Eintreffen der Rettungskräfte am Montag spielten sich dramatische Szenen ab. „Wasser, Schlamm, Geröll. Und mittendrin die Körper der Ausflügler. Unsere Männer wussten sofort, dass hier etwas Schreckliches passiert ist“, erzählte Guido Umile von der Bergrettung dem „Corriere della Sera“. „Die enormen Wassermassen wurden in die Schlucht geleitet und kamen mit vernichtender Kraft.“

„Wir hörten ein Donnern, gleich danach stürzte eine Wassermauer hinunter, die uns wegriss“, zitierte die Zeitung eine gerettete Italienerin. „Ich habe es geschafft, mich an einem Baum festzuhalten, aber ich sah Körper, die mit wahnsinniger Gewalt fortgespült wurden.“

Keine Zeit zu fliehen

„Die Sturzflut von gestern in den Schluchten von Raganello ist wie ein Tsunami gewesen“, sagte der Vizepräsident der kalabrischen Bergrettung, Giacomo Zanfei, der Nachrichtenagentur Ansa. „Das erste, was man merkt, ist ein Windstoß und sofort danach eine Sturzwelle, die dich fortreißt“, erklärte Pierpaolo Pasqua, ebenfalls von der Bergrettung, der Zeitung „La Stampa“.

Die Schlucht teilt sich in Abschnitte auf. Der letzte nahe Civita sei der einfachste, sagte Pasqua. „Mit einem Guide und angemessener Umsicht und den richtigen Klamotten kann ihn jeder schaffen.“

Angesichts der Risiken habe Vorbereitung höchste Priorität, sagte Giovanna Petrone, die Touren in der anliegenden Region Basilicata führt. Bei Exkursionen müsse immer auf das Wetter und mögliche Warnungen geachtet werden. „Wenn wir merken, dass die Situation kritisch sein könnte, gehen wir nicht los.“ Das Wetter in diesem Sommer meine es ohnehin schon nicht gut mit den Tourenanbietern. Das Unglück „hilft uns nicht“.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Einige Tote und Verletzte waren in zwei geführten Gruppen unterwegs. Ums Leben gekommen sei auch ein Guide, der seit Jahren Schlucht-Exkursionen anleitet. Wäre die Tragödie vermeidbar gewesen? Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Unbekannt eingeleitet, auch wegen fahrlässiger Tötung.

Doch Zanfei von der Bergrettung warnt vor vorschnellen Schlüssen: Die Guides in der Raganello-Schlucht seien sehr erfahren. „Deswegen wird hier niemand kriminalisiert. Das sind Ereignisse, die einmal im Leben passieren.“

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