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Tote Kinder in Altenfeld: Mutter wollte sich trennen

Nach der Bluttat im südthüringischen Altenfeld bleibt die Frage: Warum mussten die beiden Kinder sterben? Kritik gibt es auch am Jugendamt. Die Behörde hatte die Jungs in der Obhut des gewalttätigen Mannes gelassen.
Am Ort des Familiendramas tragen Bestatter in Altenfeld einen weißen Sarg für ein Kind aus dem Haus. Foto: Martin Schutt Am Ort des Familiendramas tragen Bestatter in Altenfeld einen weißen Sarg für ein Kind aus dem Haus. Foto: Martin Schutt
Altenfeld. 

Wie kann ein Vater seine drei kleinen Söhne so brutal niederstechen? Einen Tag nach dem Familiendrama mit zwei toten Kindern in Altenfeld (Ilm-Kreis) herrscht Bestürzung - nicht nur in dem kleinen Ort in Südthüringen.

Für die Ermittler zeichnet sich inzwischen ein Motiv ab. Die Mutter habe sich von ihrem Mann trennen und die Kinder mitnehmen wollen, erklärte Staatsanwältin Anette Schmitt-ter Hell am Freitag mit Verweis auf Zeugaussagen aus dem Umfeld der Familie.

Zwei Tage vor der Bluttat soll der Mann die Frau krankenhausreif geprügelt haben. Noch vor ihrer Rückkehr aus einer Klinik soll sie ihm gesagt haben, dass sie ihn verlassen wolle. „Die Frage steht im Raum, warum die Kinder bei ihm gelassen wurden, obwohl er seine Frau ins Krankenhaus geprügelt hat”, sagt Altenfelds Bürgermeister Peter Grimm. In der Gemeinde herrscht Fassungslosigkeit über die Bluttat, in deren Folge zwei ein- und vierjährige Jungen starben, ein weiterer lebensgefährlich verletzt wurde.

Immerhin ist der Gesundheitszustand des Dreijährigen nach einer Operation den Angaben zufolge stabil. Vor dem Haus stehen einige Kerzen und Blumen als Zeichen der Trauer. Laut Grimm soll am Sonntagvormittag die Kirche offen stehen für alle, die trauern und Trost suchen. Laut Landratsamt wurde auch ein Traumatherapeut organisiert, um Kindern und Eltern des Kindergartens zu helfen, das schreckliche Geschehen zu verarbeiten.

Das Jugendamt vermutet, dass der Mann nach der Trennungsankündigung seiner 29 Jahre alten Frau die Kinder mit sich in den Tod reißen wollte. Er hatte sich bei der Attacke auf seine Kinder auch selbst verletzt. Die Behörde verteidigte zugleich ihre Entscheidung, die Kinder in der Obhut des Vaters belassen zu haben.

Laut Jugendamt und Staatsanwaltschaft war die Polizei erst am Dienstag wegen häuslicher Gewalt in die Familie gerufen worden. Für das von der Polizei informierte Jugendamt habe es aber keine Anzeichen gegeben, dass der Vater auch gegen seine Kinder gewalttätig sei, teilte das Landratsamt mit. Die Situation habe sich beruhigt und auch auf den „ausdrücklichen Wunsch der Mutter” hin seien die Kinder daheim beim Vater gelassen worden.

Die Familie war den Angaben zufolge dem Jugendamt seit Dezember 2016 bekannt. Damals sei es um Hilfe bei der Suche nach einer Betreuung für die Kinder gegangen, da der Vater wieder arbeiten wollte. Er hatte sich demnach wegen einer Erkrankung seiner Frau damals intensiv um die Kinder gekümmert.

„Bei dieser Kontaktaufnahme ging es zu keinem Zeitpunkt um häusliche Gewalt oder Kindeswohlgefährdung”, hieß es. „Die häusliche Situation war nach unseren Erkenntnissen geordnet, es bestanden keinerlei Auffälligkeiten.” Erst im Mai habe die Behörde von Konflikten der Eheleute erfahren und das Gespräch gesucht. Es sei kein Anlass für weitere Maßnahmen gesehen worden.

Am Freitag wurden die beiden Kinderleichen obduziert. Demnach sind die beiden ein und vier Jahre alten Jungen verblutet. Ursache seien mehrere Messerstiche, sagte Schmitt-ter Hell. Zugestochen hatte der 27 Jahre alte Deutsche offensichtlich mit einem Haushaltsmesser. Gegen ihn wurde inzwischen Haftbefehl wegen zweifachen Mordes, Mordversuch und gefährlicher Körperverletzung erlassen. Da er wegen eigener Verletzungen noch nicht verlegt werden könne, liege er vorerst weiter im Krankenhaus, werde dort aber bewacht. Bei der Verkündung des Haftbefehls habe er zum Tatgeschehen geschwiegen.

(Von Andreas Hummel, dpa)
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