Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 17°C
1 Kommentar

Prozess in Bonn: Vergewaltiger beleidigt Opfer

Die brutale Vergewaltigung einer Camperin sorgte überregional für Entsetzen. Der mutmaßliche Täter steht jetzt vor Gericht. Als der Richter ihn zu dem Fall befragt, wird er ausfallend.
Der Angeklagte wurde im Landgericht Bonn an Händen und Füßen gefesselt in den Saal geführt. Foto: Henning Kaiser (dpa) Der Angeklagte wurde im Landgericht Bonn an Händen und Füßen gefesselt in den Saal geführt.
Bonn. 

Es sollte ein entspanntes Camping-Wochenende werden, doch es wurde zum Alptraum ihres Lebens: Mitten in der Nacht überfällt ein brutaler Täter ein junges Paar in der Siegaue bei Bonn, vergewaltigt die Frau. Der Angeklagte, ein Asylbewerber aus Ghana, bestreitet die Tat. Und mehr noch: Am ersten Prozesstag beleidigt er das nicht anwesende Opfer als Prostituierte und wittert eine Verschwörung. „Ich habe einfach keine Zeit, mir diese Märchengeschichten anzuhören“, ereifert sich der 31-Jährige.

Mit Hand- und Fußfesseln sitzt er am Montag im Bonner Landgericht. In der Untersuchungshaft war er durch aggressives Verhalten aufgefallen, kam deshalb in eine besonders gesicherte Zelle. Auch zu Beginn der Verhandlung scheint es in ihm zu brodeln, bei den Fragen zu seinen Personalien braust er auf.

Zunächst ist aber die Staatsanwältin dran. Sie verliest die Anklage: Demnach soll der Mann am 2. April kurz nach Mitternacht mit einer Astsäge das Zelt der Opfer aufgeschnitten haben. „Dann baute er sich vor dem Zelt bedrohlich auf und sprach aggressiv auf sie ein.“ Die verängstigten jungen Leute gaben dem Täter sechs Euro und eine Lautsprecherbox.

Dann richtete er laut Anklage die Säge auf die 23-jährige Frau, befahl ihr, aus dem Zelt zu kommen. Die Studentin hatte Todesangst, musste sich auf eine Decke legen, die ihr Peiniger mitgebracht hatte. Dann habe der 31-Jährige sie vergewaltigt, die machetenähnliche Waffe stets griffbereit. Anschließend flüchtete er. Wenige Tage später wurde der Verdächtige festgenommen, nachdem ein Spaziergänger ihn aufgrund eines Phantombildes erkannt hatte.

Ausführlich berichtet der Angeklagte vor Gericht von seiner Kindheit und Jugend in Ghana. Sein Vater sei ein reicher Plantagenbesitzer gewesen, der bereits neun Töchter gehabt habe. Erst mit seiner Zweitfrau bekam er einen Sohn, nämlich den Angeklagten. Dieser sagt, er habe in Ghana in einer Art Palast gewohnt und ein gutes Leben gehabt, bis der Vater 2013 starb.

Danach sei er immer wieder mit dem Mann seiner ältesten Halbschwester in Streit geraten. Eines Tages habe dieser ihn mit einem Stock verletzt, woraufhin er sich mit einem Stockschlag gewehrt habe. Sein Schwager sei auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.

Nach diesem Vorfall habe er sein Dorf verlassen müssen, sagt der Angeklagte. Später sei er nach Libyen gegangen, habe dort einen Schleuser kennengelernt, der ihn mit einem Boot nach Italien brachte. Nachdem er mehrere Monate dort war, habe ihm eine alte Frau 1000 Euro geschenkt, so dass er sich eine Bahnfahrkarte nach Deutschland kaufen konnte. Dort wohnte der Angeklagte zuletzt in der Zentralen Flüchtlingsunterkunft in Sankt Augustin, wenige Kilometer vom Tatort entfernt.

Als der Richter ihn zu den Tatvorwürfen befragen will, wird der Angeklagte aufbrausend: Er sei zur Tatzeit in der Unterkunft gewesen, beharrt er. Man wolle ihn mit solchen Fragen wohl austricksen. Der Richter hält dagegen: Die elektronische Eingangskontrolle belege, dass der Angeklagte die Unterkunft am Abend verlassen habe und erst nachts um 3.06 Uhr zurückgekommen sei. Außerdem sei seine DNA am Opfer gefunden worden. „Wenn das Gericht sagt, dass die DNA passt, muss ich das Mädchen eine Prostituierte nennen“, schimpft der Angeklagte.

Mitte Oktober könnte das Gericht das Urteil sprechen.

Zur Startseite Mehr aus Panorama

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse