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Erdbeben in Mexiko: Verzweifelte Suche nach Verschütteten

Genau 32 Jahre nach dem Jahrhundertbeben wird Mexiko erneut von einem Erdbeben dramatischer Stärke erschüttert. In der Hauptstadt stürzen Hochhäuser ein, Menschen werden verschüttet, die Millionenmetropole ist paralysiert. Die Zahl der Opfer steigt stündlich.
Ein Mann wehrt Schaulustige vor einem eingestürzten Gebäude ab. Rettungskräfte und Freiwillige suchen in Mexiko-Stadt nach Überlebenden des Erdbebens. Foto: Luis Cortes (El Universal via ZUMA Wire) Ein Mann wehrt Schaulustige vor einem eingestürzten Gebäude ab. Rettungskräfte und Freiwillige suchen in Mexiko-Stadt nach Überlebenden des Erdbebens.
Mexiko-Stadt. 

Jubel brandet auf, als die Helfer zwei Kinder aus einer Spalte zwischen zwei Betonwänden ziehen. Das Mädchen und der Junge haben staubige Gesichter, sie weinen, aber sie sind in Sicherheit. „Papa, bringe mich zu meinen Brüdern“, ruft Fátima. Der Vater schließt seine Tochter fest in den Arm. Einer seiner Söhne ist tot, der andere wird noch vermisst. Mindestens 21 Kinder kommen ums Leben, als das Erdbeben die Schule Enrique Rébsamen im Süden von Mexiko-Stadt einstürzen lässt.

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Die ganze Nacht versuchen Rettungskräfte, Eltern und freiwillige Helfer, weitere Kinder zu bergen. Noch immer dringen Geräusche aus den Trümmern. „Wir stehen in Kontakt mit einer Lehrerin. Sie ist verschüttet und sagt, bei ihr ist ein Schüler, der noch am Leben ist“, sagt Marine-Sprecher José Luis Vergara. „Wir tun alles, um sie lebend zu bergen.“

Das Erdbeben der Stärke 7,1 überrascht die Millionenmetropole Mexiko-Stadt zur Mittagszeit. Kein Alarm warnt die Menschen, bevor um 13.14 Uhr plötzlich die Erde bebt. Hochhäuser schwanken hin und her, in den Wänden tun sich Risse auf, Gasleitungen platzen, Häuser stürzen ein. Fassadenteile und Fenster stürzen krachend zu Boden. Panisch rennen die Menschen auf die Straße, viele weinen.

Kurz vorher noch Übung

Es ist ein gespenstisches Bild, als das Beben nachlässt. Rauchschwaden hängen über der Skyline, Staub liegt in der Luft. Zwei Stunden zuvor fanden noch große Evakuierungsübungen in Bürogebäuden, Schulen und Krankenhäusern statt, wie jedes Jahr am 19. September. Es ist der Jahrestag des „Jahrhundertbebens“ vom 19. September 1985, als Tausende Menschen ums Leben kamen: Die Angaben zur Zahl der Toten variieren, Schätzungen in Mexiko gehen meist von rund 10 000 aus. Die große Evakuierungsübung war gerade abgeschlossen, als die echte Katastrophe über Mexiko hereinbrach. Nun wird aus dem Testfall bitterer Ernst. Und wieder trifft es Mexiko-Stadt hart.

Schwer beschädigte Krankenhäuser müssen evakuiert werden. Unter freiem Himmel werden Verletzte mit Infusionen versorgt. Überall liegen Menschen in den Trümmern, mit bloßen Händen wird gesucht. „Meine Familie wohnt in diesem Gebäude“, schreit eine verzweifelte Frau. „Ihre Namen sind nicht auf der Liste, sie stehen da nicht drauf“, ruft sie verzweifelt, als sie die Namen von 16 geretteten Menschen liest. „Wir wissen nicht, wie viele noch in den Trümmern sind“, sagt eine Polizistin auf der Avenida Nuevo León zu ihr. Vier Lastwagen mit Rettungskräften kommen angefahren, Freiwillige packen überall mit an.

Gefängnisse evakuiert

Staatspräsident Enrique Peña Nieto hatte noch wenige Stunden zuvor in einem Trauerakt an die Opfer von 1985 erinnert, nun überfliegt er im Helikopter die schwer getroffene Hauptstadt. Er muss ahnen, dass die Opferzahl sehr hoch sein könnte. Stündlich steigt die Zahl der Toten, erst sind es sieben, dann über 40, 77, dann 120, dann 150, schließlich mehr als 220. Gerade in eingestürzten Hochhäusern ist es ein Wettlauf gegen die Zeit.

„Mein Beileid gilt jenen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Mexiko teilt euer Leid“, sagt Präsident Peña Nieto. „Dieses Beben ist eine harte und schwere Probe für unser Land.“

Inmitten des Chaos müssen sogar zwei beschädigte Gefängnisse im Bundesstaat Puebla evakuiert und Gefangenentransporte organisiert werden. Der wirtschaftliche Schaden der Katastrophe ist noch nicht abzusehen.

Mexiko befindet sich in einer der aktivsten Erdbebenzonen – gegen die Kraft der Natur lassen sich kaum absolut erdbebensichere Hochhäuser bauen. Das Zentrum des Bebens liegt rund 130 Kilometer südöstlich bei Axochiapan. Erst vor knapp zwei Wochen bebte die Erde, damals lag das Zentrum aber im Pazifik, 98 Menschen starben, vor allem im Süden des Landes.

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