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Vier Minuten Kachelmann

Jörg Kachelmann fordert von seiner früheren Freundin über 13 000 Euro für Gutachter-Kosten. Der Auftritt von Claudia D. sorgt bei vielen für Verwunderung. Von Anne Zegelman
Claudia D. und Jörg Kachelmann sind sich, außer bei der Farbe ihrer Accessoires, bei wenig einig. Foto: dapd Claudia D. und Jörg Kachelmann sind sich, außer bei der Farbe ihrer Accessoires, bei wenig einig. Foto: dapd
Frankfurt. 

Jörg Kachelmann und seine Anwälte sind einige Minuten früher da und warten im Saal des Frankfurter Landgerichts auf den Prozessbeginn. Die Fotografen haben ihn vom Betreten des Gerichtsgebäudes an begleitet, nun jedoch ist Ruhe eingekehrt. Im Stehen betrachtet der Wettermoderator die gut gefüllten Sitzreihen, berät sich mit seinen beiden Anwälten. Sein Gesicht ist ernst, fast ausdruckslos.

Plötzlich kommt Bewegung in die Fotografen: Claudia D. betritt den Saal. Sie trägt einen schwarzen Ledermantel und einen lilafarbenen Schal und fast könnte man meinen, Kachelmann und sie hätten sich bei der Kleiderfrage abgesprochen. Einen wesentlichen Unterschied gibt es dann aber doch: Eine große schwarze Sonnenbrille verdeckt ihre Augen. Das sorgt für Irritation, schließlich zeigte sie ihr Gesicht vor einiger Zeit offen in der Zeitschrift "Bunte".

Minutenlang bleibt Kachelmanns Ex-Geliebte hinter ihrem Stuhl stehen, lässt sich fotografieren, posiert regelrecht. Der Wettermoderator selbst verzieht keine Miene, reckt nur kurz den Hals, um einen Blick auf die Frau zu werfen, mit der er sich seit mehr als eineinhalb Jahren vor Gericht und in den Medien duelliert – und die bis heute behauptet, von ihm vergewaltigt worden zu sein.

Der Streit zwischen Jörg Kachelmann und Claudia D. geht in die nächste Runde. Diesmal verklagt zur Abwechslung einmal er sie: auf genau 13 352 Euro und 69 Cent. Diese Summe fordert Kachelmann, der vor gut eineinhalb Jahren vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurde, für Gutachterkosten, die ihm nach eigenen Angaben während des Prozesses in Mannheim entstanden sind. Er wirft seiner ehemaligen Geliebten vor, ihn vorsätzlich falsch beschuldigt zu haben.

Richter bleibt gelassen

Das mediale Interesse ist auch diesmal groß. So groß, dass der Auftritt des vorsitzenden Richters Richard Kästner im lauten Geklicke der auf Claudia D. gerichteten Kameras völlig untergeht. "Aufstehen, aufstehen!", geht plötzlich ein Raunen durch den Saal, und nach und nach erheben die Anwesenden sich. Richter Kästner sieht den Verstoß gegen das Protokoll gelassen: "Noch 30 Sekunden", weist er an. Anschließend ist Schluss, die Fotografen werden freundlich, aber bestimmt zum Ausgang geleitet.

Und auch die restlichen Zuschauer dürfen gerade noch dabei zusehen, wie die Beklagte ihre Sonnenbrille abnimmt. Anschließend, nach ganzen vier Minuten, werden sie ebenfalls zum Gehen aufgefordert. Die Kammer hat beschlossen, die Öffentlichkeit auszuschließen.

Wer genau dies beantragt hat, bleibt unklar. "Beide Parteien wurden zum Ausschluss der Öffentlichkeit befragt", erklärt Gerichtssprecher Arne Hasse den Journalisten. Und ohnehin sei es in Zivilverfahren vorgesehen, die Öffentlichkeit auszuschließen, wenn private Angelegenheiten verhandelt würden.

Später teilt das Gericht schriftlich mit, die ausführliche Güteverhandlung sei "in konstruktiver Atmosphäre verlaufen", habe jedoch zu keinem Ergebnis geführt. Sowohl Jörg Kachelmann als auch Claudia D. hätten daraufhin gebeten, die Verhandlung zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen. Eine persönliche Anhörung der Parteien habe nicht stattgefunden. Ein neuer Termin stehe noch nicht fest, so Arne Hasse.

Es dürfte jedoch auch weiter spannend bleiben. Denn die Beweislast liegt diesmal beim Kläger. Kachelmann muss also nachweisen, dass seine Ex-Freundin gegen ihn falsche Anschuldigungen erhoben hat, so wie er nun behauptet.

Moralisch wichtig

Auf den vorangegangenen Prozess vor dem Landgericht Mannheim habe die Entscheidung des 18. Zivilsenats des Frankfurter Landgerichts jedoch keine Auswirkungen, sagte Hasse den Journalisten: "Das sind zwei unterschiedliche Verfahren." Vor allem vom moralischen Standpunkt aus ist der nun beginnende Prozess für Kachelmann wichtig. "Wenn die Kammer die Beklagte verurteilt, ist sie davon überzeugt, dass die Beschuldigungen falsch waren", so Hasse. Gibt das Gericht dem ehemaligen Fernsehliebling Recht, könnte dies seine oft betonte Unschuld untermauern.

Die Verhandlung findet in Frankfurt statt, weil Kachelmann hier im März 2010 nach seiner Rückkehr von den Olympischen Winterspielen in Kanada verhaftet wurde.

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