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Umwelt: Von Einwegbechern und Hundehaufen

Für Müll auf der Straße gibt es eine Regel: Wo schon welcher liegt, da wird wahrscheinlich bald noch mehr landen. Wer in Deutschland warum was wegwirft, beschäftigt Wissenschaftler seit Jahren. Nun haben sie neue Ergebnisse.
Einwegmüll auf der Straße nervt Städter. Foto: Sebastian Gollnow (dpa) Einwegmüll auf der Straße nervt Städter.
Frankfurt. 

Schwer zu sagen, was am ärgerlichsten ist. Scherben auf dem Radweg? Kippen auf der Liegewiese? Hundehaufen auf dem Bürgersteig? Wer in der Stadt wohnt, hat mit Stadt-typischem Schmutz zu tun und die meisten ärgern sich wohl darüber. Wie oft, wie sehr und worüber genau, das beschäftigt Wissenschaftler an der Humboldt-Uni in Berlin schon seit 14 Jahren. Sie haben herausgefunden: Die Wahrnehmung von Sauberkeit und Müll hat sich gewandelt. Und der Müll selbst auch. Dazu haben sie auch Menschen in Frankfurt befragt.

„Was sich ganz stark verändert hat, ist die Abteilung Take-Away-Verpackungen“, sagt Rebekka Gerlach vom Institut für Psychologie an der Humboldt-Uni. 2005 habe das noch gar keine Rolle gespielt. Dafür sei Hundekot, damals klar auf Platz eins, in der Wahrnehmung ein wenig nach hinten gerutscht. Befragt wurden Menschen in Berlin und Frankfurt am Main. Die Ergebnisse seien übertragbar, sagt Gerlach.

Wachsender Ärger

Insgesamt halten die Stadtbewohner ihre Umgebung demnach für sauberer als vor gut zehn Jahren – aber sie ärgern sich mehr über den Müll, der herumliegt. Für das absichtliche oder achtlose verschmutzen der Umgebung gibt es ein Fachwort: „Littering“. Warum „gelittert“ wird, ist nicht einfach zu klären: Anderen wirft man eher schlechte Erziehung oder Faulheit vor. Wer selbst auf frischer Tat ertappt werde, nennt dagegen eher fehlende Mülleimer als Grund. Klar ist, dass da mehr Müll landet, wo schon welcher liegt. Die Haupt-„Litterer“ sind Erwachsene bis 30 Jahre.

Den Trend zu kleineren Portionen und damit auch Verpackungen, beklagen Umweltschützer schon länger – ebenso wie den riesigen Pappbecherberg für Cappuccino und Café Latte to go. „Auch diese Becher landen keineswegs nur in den dafür aufgestellten Behältern“, sagt Katherina Reiche vom Verband Kommunaler Unternehmen (VKU). Wie groß der Anteil von To-go-Verpackungen am Abfall auf der Straße ist, haben die Wissenschaftler nicht untersucht. Dass diese Abfall-Art aber auch dann ein Problem ist, wenn Städter sie korrekt entsorgen, kann Tanja Wielgoß von der Berliner Stadtreinigung (BSR) berichten: Die Verpackungen seien meist voluminös, füllten die Müllbehälter also schnell auf.

Umdenken notwendig

Was also tun? Reiche fordert ein Umdenken hin zu weniger Verpackungsabfall. Ihre Verband gibt Mehrweg-Becher für den Kaffee unterwegs aus. Bußgelder sind eine weitere Möglichkeit: „Littering ist eine Ordnungswidrigkeit“, betont Reiche. Nur: Kontrollieren lasse es sich natürlich kaum.

Die Studie der Humboldt-Uni zeigt auch auf, was Erfolg hat: Auffällige Mülleimer zum Beispiel mit großem, bunt markiertem Einwurf. Alles in allem scheint Humor bei diesem Thema zu helfen. Über Kinder und Jugendliche, die in Sachen Sauberkeit und Vermüllung übrigens besonders sensibel sind, sagt Gerlach: „Wenn irgendetwas nach Erziehung riecht, dann hat das sofort einen abschreckenden Charakter.“ Erwachsenen dürfte es da ganz ähnlich gehen.

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