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"Veränderungen dauern 30 Tage": Was eine Ernährungsberaterin zum Umstellen der Essgewohnheiten sagt

Jeder zweite Bundesbürger findet sich zu dick, ergab eine gestern vorgestellte Studie der Techniker Krankenkasse (TK). Viele schaffen es nicht, sich so gesund zu ernähren, wie sie eigentlich möchten. Die Frankfurter Ernährungsberaterin Mona Poulev erklärt im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs, wie die Ernährungsumstellung gelingen kann.
Die Frankfurter Ernäherungsberaterin Mona Poulev	Bild: privat Die Frankfurter Ernäherungsberaterin Mona Poulev Bild: privat

Laut der TK-Studie wissen die Menschen zwar viel über gesunde Ernährung, setzen es aber nicht um. Ist das auch Ihre Erfahrung?

POULEV: Ja, bei mir selbst war es genauso. Das ganze Wissen bringt nichts, wenn man nicht weiß, wie man es im Alltag umsetzen kann. Ich hatte früher Probleme mit Allergien und Unverträglichkeiten und habe diese dann durch eine Ernährungsumstellung in den Griff bekommen.

Und wie ernähren Sie sich heute?

POULEV: Zu 80 Prozent pflanzlich. Ich esse viel Obst, Gemüse, Beeren, Quinoa, nichts Verarbeitetes und kein Fastfood, nichts mit Geschmacksverstärkern. Fleisch nur zwei bis drei Mal die Woche – und dann hochwertiges. Wassertrinken ist auch sehr wichtig. Ich trinke zwei bis drei Liter täglich.

Was sind die häufigsten Ernährungsfehler?

POULEV: Der größte Ernährungsfehler ist, dass man sich mit der Ernährung gar nicht auseinandersetzt. Viele Leute ernähren sich einseitig, unausgewogen und essen zu viel Zucker und tierische Fette. Dazu kommt der Bewegungsmangel.

Welche Rolle spielt das Frust-Essen?

POULEV: Eine ganz große. Das Ernährungsverhalten wird in der Kindheit gelernt. Und viele Kinder bekommen, wenn sie hinfallen, als Trost etwas Süßes. Dieses emotionale Essen speichert das Gehirn als Belohnungsmuster ab. Wenn man sich als Erwachsener schlecht fühlt, greift es darauf zurück.

Wie können Menschen lernen, sich auf andere Weise zu belohnen?

POULEV: Erwachsene sollten versuchen, ihr Gehirn umzuprogrammieren. Sie sollten sich etwas anderes Positives gönnen und das als neue Gewohnheit abspeichern.

Wie lange dauert denn dieser Umlernprozess?

POULEV: Ungefähr 30 Tage oder 68 Wiederholungen. Wenn jemand sich etwa vornimmt, am Tag eine bestimmte Menge Wasser zu trinken, sollte er das so lange durchhalten. Danach hat sich das Gehirn daran gewöhnt und verlangt von alleine danach.

Lässt sich auch der Geschmack „umschulen“ ?

POULEV: Ja. Wer viel Fleisch, Fett und Zucker ist, dessen Gehirn verlangt auch danach. Aber es kann sich auch an Obst und Gemüse umgewöhnen. Und die Geschmacksnerven ändern sich. Wer etwa eine Zeitlang wenig Zucker isst, dem kommt ein zuckerhaltiger Milchshake plötzlich unglaublich süß vor.

Ist Männern wirklich der Geschmack am wichtigsten und Frauen die gesunde Ernährung?

POULEV: Ja, definitiv. Männer haben primär den Gedanken, sie müssten satt werden, um arbeiten und ihre Familie ernähren zu können. Aber das ändert sich, wenn sie durch gesundheitliche Probleme einen Leidensdruck bekommen, ihre Ernährung zu verändern.

Wie motivieren Sie Ihre Kunden zum Durchhalten?

POULEV: Um am Ball zu bleiben, muss man sich erst einmal seiner Gewohnheiten bewusstwerden – ob man etwa bei Stress oder aus Einsamkeit viel isst. Und man braucht ein konkretes Ziel, dem man sich in kleinen Schritten nähert – dann sieht man eher Erfolge.

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