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Metropolen kühlen nachts kaum ab: Wenn die Großstadt überhitzt

Sommerliche Hitze in der Stadt, das heißt nicht nur Freibadwetter und volle Straßencafés. Für alte und kranke Menschen, für kleine Kinder steigt das gesundheitliche Risiko. Doch es gibt auch Schutzmaßnahmen.
Gestern erfrischte sich dieser Münchener im Eisbach im Englischen Garten. Doch in anderen Großstädten gibt es weniger Gelegenheiten, sich bei Hitze abzukühlen. Foto: Peter Kneffel (dpa) Gestern erfrischte sich dieser Münchener im Eisbach im Englischen Garten. Doch in anderen Großstädten gibt es weniger Gelegenheiten, sich bei Hitze abzukühlen.
Offenbach. 

Wieder einmal sind auf der Landkarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Teile Deutschlands lila eingefärbt. Lila, das heißt Hitzewarnung. Das heißt, es wird eine Wärmebelastung erwartet, die vor allem für gesundheitlich angeschlagene Menschen mit geschwächtem Organismus, Senioren und Kinder besonders schwere Auswirkungen haben kann. Damit die Warnstufe Eins herausgegeben wird, muss die gefühlte Temperatur zwischen 32 und 38 Grad betragen, sagt Andreas Matzarakis vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des DWD in Freiburg.

Schwüle ist schlimmer

Für die Warnstufe Zwei betrage die gefühlte Temperatur 38 Grad. Mit den tatsächlichen Werten des Thermometers stimmt dies nicht unbedingt überein, denn auch Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonnenstrahlung spielen eine Rolle im Wärmeempfinden der Menschen. Ist es feuchtwarm und schwül, können 28 oder 30 Grad als wesentlich wärmer empfunden werden.

Für die Schwellenwerte der Hitzewarnungen wurde untersucht, wie die Sterberaten bei bestimmten Wetterbedingungen zunehmen – und das kann beträchtlich sein. „Bei 32 Grad nimmt die Mortalität (Sterblichkeit) etwa über fünf Prozent zu, bei 38 Grad elf Prozent und mehr“, erläutert Matzarakis. Die Warnungen sollen also nicht die Freude am Sommer vermiesen, sondern zu angemessenem Verhalten aufrufen. Dazu gehört etwa, viel zu trinken, leicht zu essen, in der größten Hitze Aufenthalte im Freien und Sport zu meiden.

Besonders heftig können die Auswirkungen von Hitze in Ballungszentren und Innenstädten sein, weil sich dort die Wärme staut. „Innenstädte können sich stärker erhitzen als das Umland, sie speichern die Wärme bei extremer Hitzebelastung auch über die Nacht“ sagt der Humanökologe Hans-Guido Mücke vom Umweltbundesamt. „Die Nachttemperatur kann während Hitzeperioden im Extremfall um bis zu zehn Grad höher sein als im Umland.“ Wichtig sei daher, dass der Nachtwind ungehindert durch sogenannte Frischluftkorridore ziehen kann.

Nachträglich verschatten

Angesichts des Klimawandels drängt die Zeit: „Wir sehen auf der Basis der statistischen Auswertung von Extremereignissen, dass deren Häufigkeit ansteigt“, sagt Mücke. „Die Klimamodelle zeigen uns, dass nicht nur die Häufigkeit von extremen Hitzeperioden – sogenannten Hitzewellen – zunehmen wird, sondern sehr wahrscheinlich auch deren Intensität und Dauer.“ Hitzewarnungen können da zumindest kurzfristig greifen - vorausgesetzt, sie erreichen die besonders betroffenen Menschen. „Viele alte Menschen haben kein Smartphone oder erhalten nicht per Email die Newsletter mit den Warnungen“, gibt Matzarakis zu bedenken. Hier sei Nachbarschaftshilfe gefordert, um der älteren Nachbarin ein paar Wasserflaschen vorbeizubringen und von der Hitzewarnung zu berichten. Auch Ärzte, Apotheker oder Pflegedienste seien gefragt.

In Frankfurt wird trotz höherer Temperaturen dicht gebaut

Frankfurt, eine der deutschen Großstädte mit besonders hoher Bevölkerungsdichte, hatte seine Klimaanpassung bereits 2014 erstellt. „Die Frankfurter City weist in Teilen ihrer Innenstadt und in den

clearing

Stadtplaner stehen angesichts der absehbaren Folgen des Klimawandels vor mittel- bis langfristigen Herausforderungen. „Grünflächen, Stadtparks und schattige Plätze sind besonders wichtig“, sagt Mücke. Auch die nachträgliche Verschattung von Gebäuden sei möglich, damit sich etwa Krankenzimmer in Südlage an heißen Tagen nicht zu sehr aufheizen. Markisen und Fensterläden etwa können der Hitze entgegenwirken. Erst vor wenigen Wochen veröffentlichten das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt Handlungsempfehlungen zur Erstellung von Hitzeaktionsplänen.

„Vor 15 Jahren war Hitze in der Stadt kein Thema. Inzwischen ist es angekommen bei den Stadtplanern, bei den Architekten, bei den Landschaftsplanern“, hat Matzarakis festgestellt. In vielen Kommunen gibt es Anpassungsstrategien und Pläne, um mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.

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