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Oktoberfest: Wiesn-Start als Wohlfühltermin

Erst Regen, dann Bier in Strömen – das Münchner Oktoberfest beginnt entspannt und fröhlich. Tracht: Weiter angesagt. Wahlkampf: Auf der Wiesn offiziell kein Thema. Aber das klappt nicht ganz.
Das Volksmusikpaar Marianne und Michael sowie der Sänger Roberto Blanco (rechts) feierten im Winzerer-Fähndl-Festzelt. Foto: Ursula Düren (dpa) Das Volksmusikpaar Marianne und Michael sowie der Sänger Roberto Blanco (rechts) feierten im Winzerer-Fähndl-Festzelt.
München. 

Schon fünf vor zwölf – da zieht Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in die Anzapfbox auf dem Oktoberfest ein. Das Thema Sicherheit hält die Verantwortlichen bis kurz vor dem Start des größten Volksfestes der Welt am Samstag auf. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Ehrengast beim Anstich, hatte noch ein Gespräch mit den Sicherheitskräften. Um Punkt zwölf, während draußen der Regen versiegte, floss dann drinnen das Bier: Mit zwei Schlägen zapft Reiter das erste Fass an – und stößt mit Seehofer auf eine friedliche Wiesn an. Das ist der größte Wunsch aller: dass nichts passiert.

Viele warten lange

„Das Menschenmögliche dafür ist getan“, sagt Seehofer. „Im übrigen sollten die Leute gelassen und fröhlich die Wiesn feiern, nicht ständig an die Probleme des Alltags denken – sondern diese Wiesn als Wohlfühltermin wahrnehmen.“ Auch der Oberbürgermeister sieht die Wiesn sicher. „Ich bin jeden Tag draußen und mache den Livetest – ich habe auch keine Angst.“

Die Gäste lassen sich weder von den nochmals verschärften Sicherheitsvorkehrungen noch vom schlechten Wetter abhalten. Teils noch bei Dunkelheit haben sie unter Regenschirmen auf die Öffnung des abgesperrten Geländes gewartet. Die meisten kommen festlich in Tracht – der Trend zu Dirndl und Lederhose scheint ungebrochen. Wer noch kein entsprechendes Outfit hat, kann sich auf dem Weg zum Volksfest noch damit eindecken.

Das Bier steht beim Oktoberfest ganz oben – auch bei dieser Besucherin, die in einem Festzelt einen Maßkrug auf ihrem Kopf balanciert. Wer drinnen feierte, kümmerte sich nicht um das schlechte Wetter draußen. Bild-Zoom Foto: Tobias Hase (dpa)
Das Bier steht beim Oktoberfest ganz oben – auch bei dieser Besucherin, die in einem Festzelt einen Maßkrug auf ihrem Kopf balanciert. Wer drinnen feierte, kümmerte sich nicht um das schlechte Wetter draußen.

Begrüßt über die neue Lautsprecheranlage – die auch ohne Verspätungsdurchsage ein bisschen Bahnhofsstimmung verbreitet – stürmen um 9 Uhr die Gäste aufs Gelände, um sich einen Platz im Bierzelt zu sichern. Zuvor sind die letzten Lieferwagen vom Festgelände gerollt. Die Entzerrung von Lieferverkehr und Besucherströmen ist eine Konsequenz aus den Anschlägen mit Lkw unter anderem in Nizza, Berlin, London und Barcelona. Den Endspurt des Wahlkampfes sehen Sicherheitsexperten grundsätzlich als zusätzliches Risiko.

Parteiengeplänkel zum Stimmenfang allerdings ist auf der Wiesn tabu – politikfreie Zone. „Wir machen auf der Wiesn keinen Wahlkampf“, sagt Reiter. Dass der SPD-OB, der jedes Jahr eine andere Farbe trägt, ausgerechnet dieses Jahr in einer roten Weste anzapft, liegt an seiner Frau Petra – die selbst im roten Dirndl kommt und für die Garderobe zuständig ist. Sie habe beim Einkauf allerdings parteipolitisches Kalkül im Kopf gehabt, sagt sie. Auch Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag, wählt spontan Rot: „Ich dachte, mit Rot kann ich nichts falsch machen“, sagt Rinders-pacher. „Rot ist die Farbe der Liebe.“

Lediglich Claudia Roth von den Grünen bekennt – wenn auch nur ganz klein – parteipolitisch Farbe: „Darum Grün“ stand auf einem Mini-Wiesnherzl auf ihrer Brust. „Das große grüne Herz strahlt sowieso über alles“, sagt sie.

An Prominenz jenseits der Politszene feiern Roberto Blanco, Florian Silbereisen und Patrick Lindner mit, Anzapf-Stammgast Heino wird hingegen zunächst nicht gesichtet.

Mehr „Bierleichen“

Die Helfer der Wiesn-Sanitätsstation mussten dann am ersten Oktoberfest-Samstag mehr Menschen behandeln als im Vorjahr. Nach ruhigem Start habe sich die Zahl der Einsätze vor allem zum Abend hin erhöht, teilte das Bayerische Rote Kreuz gestern mit. Insgesamt seien 480 Patienten versorgt worden, im Vorjahr waren es 330. Vor allem ging es um Schnitte an Händen und Füßen sowie Riss-, Quetsch- und Schürfwunden nach Stürzen.

43 Besucher hatten viel zu tief ins Glas geschaut und mussten wegen Alkoholvergiftung behandelt werden, im Vorjahr waren es 32 gewesen. Wer als erste „Bierleiche“ in der Sanitätsstation landete, teilten die Helfer dieses Jahr nicht mit.

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