E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 28°C

„Wir sind aus dem Punktekeller raus“

Die letzten Jahre des Eurovision Song Contests waren deprimierend für die Deutschen, doch nun könnte sich das Blatt wenden. Die Ballade von Michael Schulte wird durch einen überzeugenden, anrührenden Bühnenauftritt ergänzt, meint „Dr. Eurovision“ Irving Wolther nach den ersten Proben. Im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs erklärt er aber, von welchem weiteren entscheidenden Kriterium das deutsche Abschneiden noch abhängt.
Der 28-jährige Michael Schulte hat sein Lied „You Let Me Walk Alone“ seinem verstorbenen Vater gewidmet. Foto: Jörg Carstensen (dpa) Der 28-jährige Michael Schulte hat sein Lied „You Let Me Walk Alone“ seinem verstorbenen Vater gewidmet.

Wie beurteilen Sie die Chancen von Michael Schultes „You Let Me Walk Alone“, nachdem Sie seinen Bühnenauftritt gesehen haben?

IRVING WOLTHER: Im Pressezentrum gab es großen Applaus für ihn. Viele hatten nicht damit gerechnet, dass seine Bühnenperformance so berührend und so eindringlich wirkt. Hinter Michael Schulte steht ein fächerförmiger Wandschirm, darauf werden einige Textelemente seines Songs projiziert, aber auch Familienbilder. Das veranschaulicht die Sehnsucht nach dem verlorenen Vater sehr schön und sehr anrührend. Direkt nach dem Auftritt hat mich ein niederländischer Kollege gefragt: „Geht es nächstes Jahr zum ESC nach Berlin?“

Wie wird Schulte Ihrer Einschätzung nach abschneiden, nachdem Deutschland 2015 und 2016 auf dem letzten und 2017 auf dem vorletzten Platz landete?

Irving Wolther Bild-Zoom Foto: Sven-Sebastian Sajak
Irving Wolther

WOLTHER: Wir sind auf jeden Fall aus dem Punktekeller raus. Wie weit wir nach vorn kommen, hängt aber auch stark von der Startreihenfolge ab. Die kennen wir noch nicht. Wenn Deutschland in einem Meer von Balladen ertrinkt, wird Michael Schulte nicht so sehr auffallen. Wenn er aber einen schönen Kontrast zu seinem Umfeld bildet, kann ich mir durchaus vorstellen, dass wir einen Platz in der ersten Hälfte, also unter den ersten 13 der 26 Länder, schaffen.

Was ist Ihr persönlicher Favorit, nach allen Auftritten , die Sie gesehen haben?

WOLTHER: Ganz eindeutig Ungarn. Da gibt es zum ersten Mal echten Metal, und die Gruppe AWS bringt ihn sehr glaubwürdig rüber. Damit können sich auch diejenigen identifizieren, die sich sonst nicht für den Song Contest begeistern – der Beitrag ist aber gleichzeitig sehr melodisch. Auf jeden Fall sticht er völlig heraus aus dem Teilnehmerfeld. Und das ist ja immer das Geheimrezept: Man muss sich positiv abheben.

Wie beurteilen Sie den moldawischen Beitrag von DoReDos, an dem der Frankfurter Künstler Shantel mitgewirkt hat?

WOLTHER: Das ist einer der Songs, die sicherlich mit um den Sieg kämpfen werden. Die Melodie mit ihren nationalkulturellen Elementen ist sehr eingängig, der Auftritt witzig und bleibt im Gedächtnis. Die Zuschauer wird das begeistern, bei den Jurys muss man abwarten. Die beurteilen das ja manchmal anders.

Im letzten Jahr wurde Italiens Beitrag „Occidentali’s Karma“ von Francesco Gabbani als Favorit gehandelt, landete dann aber am Ende doch nur auf Platz sechs. Könnte das dem derzeit ähnlich favorisierten Israel ähnlich gehen?

WOLTHER: Der israelische Beitrag „Toy“ ist auf jeden Fall ein Hingucker und Netta Barzilai eine tolle Performerin. Aber die Inszenierung wird der Unterhaltsamkeit des Videoclips nicht gerecht. Ich könnte mir vorstellen, dass der große Hype, der jetzt schon wochenlang um dieses Lied gemacht wurde, sich ein bisschen totläuft. Ich rechne mit einem Außenseitersieg wie ihn 2011 Aserbaidschan errang.

Der ESC findet zum ersten Mal in Lissabon statt. Wie wird der Song Contest dort?

WOLTHER: Es ist jetzt schon klar, dass es einer der besten Wettbewerbe der letzten zehn Jahre wird. Dadurch dass die Künstler auf die LED-Wände verzichten müssen, haben sich die Delegationen viel mehr für den Bühnenauftritt einfallen lassen. Das hat einen richtigen Kreativitätsschub ausgelöst. Ich bin auch froh, dass es in diesem Jahr wieder mehr Titel in Landessprache gibt. Es wird auf jeden Fall eine sehr unterhaltsame Show mit abwechslungsreichen Songs. Darauf können sich die Zuschauer jetzt schon freuen.

Zur Startseite Mehr aus Panorama

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen