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Deutsche Wiedervereinigung: 9. November: Zutiefst verschiedene Wirklichkeiten

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„Es fehlen einfach“, hat jüngst Thomas Krüger geklagt, „die Übersetzer kultureller Differenzen.“ Es ging dem aus Thüringen stammenden Chef der Bundeszentrale für politische Bildung um die Dominanz der Westdeutschen in Führungspositionen jedweder Branche knapp dreißig Jahre nach dem Mauerfall. Die ist mit drei Zahlen rasch bewiesen: Von 201 Dax-Vorständen kommen vier aus dem Osten, von 64 Staatssekretären der Bundesregierung drei – und von den Rektorinnen und Rektoren der staatlichen Unis keine und keiner.

Huch. Das ist eine Bilanz zum Atemknappwerden, zum Tiefdurchatmen, zum Trotzdemerschrecken. Und vielleicht auch zum Verständniskriegen für all den Frust und all die Wut und all das, im harmloseren Fall, Desinteresse, mit dem so viele aus den fünf längst gar nicht so neuen Ländern auf die Republik blicken, die ja auch die ihre ist. Oder sein soll.

Aber stopp! Verallgemeinerungen nützen nie. Aber die Geringschätzung bis Nichtwahrnehmung des Ostens und aller, die dort leben – die ist im Westen so generell, dass die gut 12,5 Millionen zwischen Sassnitz und Suhl sie selbst dann spüren müssen, wenn sie gar nicht wollen.

Es fehlt, vor allem anderen, seit je und noch immer, hier wie dort, die Offenheit für die zutiefst verschiedenen Wirklichkeiten in der Republik. Das ist bitter – nach 28 Jahren.

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