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Ärztetag in Frankfurt: Ärzte sollen mehr mit den Patienten reden

Von Heute geht der Ärztetag in Frankfurt zu Ende. Die Mediziner fühlen sich von der Politik gegängelt.
Andere Interessen: Ärztechef Montgomery (l.), Minister Gröhe. Foto: Boris Roessler (dpa) Andere Interessen: Ärztechef Montgomery (l.), Minister Gröhe.
Frankfurt. 

Da lohnt es sich, zweimal hinzuschauen und sich dann zu fragen: Gehört der wirklich hier dazu? Lars Fiedler lächelt und sagt ganz entspannt: „Ja“. Schrill-bunte Taschen, produziert in Ghana, bietet der Kölner auf dem 118. Deutschen Ärztetag auf seinem Stand im Congress Centrum der Frankfurter Messe feil. Die Einnahmen werden gespendet.

Drinnen im Saal diskutieren die Ärztefunktionäre derweil die Themen, die Deutschlands Mediziner auf den Nägeln brennen. Dazu gehört die Frage, wie man die Kommunikation zwischen Patient und Arzt verbessert. Ein Anliegen, das auch das Start-up-Unternehmen www.washabich.de verfolgt. Gegründet haben es die beiden Dresdner Mediziner Anja und Johannes Bittner sowie der Informatiker Ansgar Jonietz. Das Geschäftsmodell des Trios kommt als Dienstleistung daher. Über das Internet-Portal „Was hab ich?“ werden medizinische Befunde kostenlos in eine für Laien leicht verständliche Sprache übersetzt. Dazu laden die Nutzer des Portals ihren medizinischen Befund auf der Webseite anonym hoch oder senden ihn per Fax ein. „Die Übersetzung wird dann von einem Team von Medizinstudenten in höheren Semestern und jungen Ärzten erstellt. Der Patient kann die Übersetzung anschließend passwortgeschützt abrufen“, erklärt Johannes Bittner.

Für hilfesuchende Patienten und ihre „Übersetzer“ ist dieses Modell nach Ansicht der Unternehmensgründer eine Gewinn-Situation für alle. Die Patienten könnten den ärztlichen Befund besser einschätzen. Die ehrenamtlich engagierten Mediziner bereiteten sich praxisnah auf ihr Berufsleben vor.

Mit seinem „Angebot“ war das Unternehmer-Trio auf dem Ärztetag bestens aufgehoben, denn auch für die Delegierten stand Kommunikation ganz oben auf der Tagesordnung. Nicht umsonst hieß ein Themenkomplex, über den fachkundige Spezialisten referierten, „Kommunikative Kompetenz im ärztlichen Alltag – Verstehen und Verständigen“.

Dass „Verstehen können“ auch für Patienten ein großes Bedürfnis ist, kann Anja Bittner mit Zahlen untermauern. „Über 23 000 Patienten habe ihre Befunde schon auf unserer Webseite hochgeladen“, sagt sie und ergänzt: „Mit unserem Angebot wollen wir uns nicht in die Rolle des Arztes drängen, sondern zwischen Patient und Arzt zu einer besseren Verständigung beitragen.“

 

Sauer auf Politiker

 

Nicht besonders gut ist im Moment das Verständnis der Ärzte für die Politik. Bei der Eröffnung des Ärztetages warnte der Präsident der Bundesärztekammer, Ulrich Montgomery, vor einer „Überregulierung im Gesundheitswesen“. An die Adresse von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte er: „Wir kämpfen dagegen, dass die ärztliche Freiberuflichkeit in altbekannter Salamitaktik Scheibe für Scheibe beschnitten wird.“ Einen Angriff auf die Freiberuflichkeit der Ärzte sieht Montgomery auch in der Terminvergabe durch zentrale Servicestellen, die er für einen populistischen Schachzug hält. Auch das geplante Krankenhausstrukturgesetz müsste seiner Ansicht nach auf die Intensivstation. Die Überregulierungen trieben Ärzte in den Verdruss, schimpft Montgomery.

Dennoch steht der Arztberuf bei Abiturienten immer noch ganz hoch im Kurs. Wenn da nur nicht der Numerus Clausus wäre. Der liegt derzeit bei einem Abi- Notendurchschnitt von ambitionierten 1,3. „Rund 15 000 Abiturienten wollen aktuell Medizin studieren, aber es gibt nur knapp 4000 Studienplätze in Deutschland. Das bedeutet für viele lange Wartezeiten“, weiß Dirk Naumann zu Grünberg.

Und bei solchen Konstellationen kann guter Rat richtig teuer werden. „Wir vermitteln mit unserem Unternehmen Medistart (www.medistart.de) Medizinstudienplätze im Ausland“, erläutert der Jurist und Hochschulanwalt Naumann, der als gebürtiger Darmstädter heute für eine Hamburger Kanzlei arbeitet. Die Studienorte, die sein Unternehmen für seine gut situierte Kundschaft vermittelt, reichen von Riga über Breslau und Varna bis nach Nikosia. Die Studiengebühren schlagen pro Semester mit 4000 bis 11 000 Euro zu Buche. „Mit diesen Gebühren subventionieren die ausländischen Universitäten ihre Studiengänge“, erklärt Naumann.

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