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Fluglärm Flugsicherung stoppt Planungen: Absage an neues Anflugverfahren

Von Die Deutsche Flugsicherung stoppt ihre Planungen für ein neues Anflugverfahren für den Frankfurter Flughafen, das Fluglärmgegner gefordert haben. Die Planungen waren kostspielig.
Foto: Boris Roessler (dpa)
Frankfurt/Bad Vilbel. 

Anflüge zum Frankfurter Flughafen in größeren Höhen fordern der Main-Kinzig-Kreis sowie der bayerische Landkreis Aschaffenburg seit vielen Jahren. Weniger Fluglärm für die Menschen in den weiter vom Airport entfernten Gebieten soll es dadurch geben. Doch in der Sitzung der Frankfurter Fluglärmkommission am 21. Juni will die Deutsche Flugsicherung (DFS) diesen Wünschen eine Absage erteilen.

Im Luftraum rund um Frankfurt fehle schlicht der Platz, um das neuartige Verfahren mit dem Namen „Point-Merge“ einzuführen, schreibt die DFS in einer Stellungnahme, die dieser Tage an die Mitglieder der Fluglärmkommission gegangen ist. Das Schreiben liegt dieser Zeitung vor.

Steiler und höher macht’s leiser

Nur eine von vielen Ideen zum Reduzieren von Fluglärm im Rhein-Main-Gebiet ist das neue Anflugverfahren „Point-Merge“. Während das nun nicht kommt, hat die Flugsicherung (DFS) seit dem Jahr

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Beim „Point-Merge“-Verfahren werden Flugzeuge weiter von einem Flughafen entfernt als üblich in gleichmäßigem Sinkflug zu einem fixen Treffpunkt geführt. Von dort aus für eine feste Anfluglinie zur Landebahn. Bisher wird diese Anflugregelung weltweit nur an den Flughäfen in Oslo und in Leipzig praktiziert – dort aber nur im Probebetrieb und nur nachts.

Zu viele Maschinen

Für Frankfurt ist dieses Anflugverfahren aber nichts, argumentiert die DFS. In erster Linie sprächen Sicherheitsbedenken gegen die Einführung, heißt es. Das gewünschte Verfahren sei zu starr und seine Kapazität zu begrenzt, um es flexibel und für die hohe Verkehrsdichte am Himmel über Rhein-Main einsetzen zu können. Eine Stellungnahme lehnt DFS-Sprecher Christian Hoppe auf Anfrage ab. „Wir wollen der Information und Diskussion der Fluglärmkommission nicht vorgreifen“, sagt er.

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Nicht nur die Montagsdemonstrationen am Frankfurter Flughafen sind sechs Jahre nach Inbetriebnahme der Nordwest-Landebahn nicht verstummt. Weit weg vom Flughafen ist manch ein Anwohner auch heute noch genervt, weil „neuerdings“ anfliegende Maschinen über seinen Kopf brummen. Das allerdings wird sich auch nicht ändern, hat nun die Flugsicherung entschieden.

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Laut DFS-Schreiben fehle über Rhein-Main genug freier Luftraum für das neue Verfahren. Denn dieses benötige riesige Anflugkorridore. Der Luftraum sei wegen der An- und Abflugbereiche benachbarter Flughäfen wie Köln, Stuttgart und Leipzig jedoch eng begrenzt.

Gäbe es all diese K.o.-Kriterien nicht, könnte das Verfahren durchaus die von Main-Kinzig-Kreis erwünschte Wirkung haben, zeigt die Untersuchung der DFS. So würden rund 400 000 Bewohner in flughafenfernen Regionen entlastet, vor allem östlich von Gelnhausen sowie im Raum Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz.

Jedoch wären unterm Strich etwas mehr als eine Million Menschen zusätzlich neu von Fluglärm betroffen. Denn der Anflugverkehr würde sich viel stärker verteilen: Bei Westwind – zwei Drittel des Jahres weht er – jeweils auf einen Halbkreis nördlich einer Linie vom Nordwesten Frankfurts bis nach Schlüchtern und südlich einer Linie von Seligenstadt bis in den tiefen Spessart.

Bei Ostwind-Wetterlagen wäre die Region in einem riesigen Dreieck zwischen Bad Soden, Koblenz und Bad Camberg betroffen sowie in einem Dreieck Hanau–Dieburg–Aschaffenburg.

ARCHIV - Ein Flugzeug der Air China beleuchtet am 14.01.2015 in Frankfurt am Main (Hessen) beim Anflug auf den Flughafen der Stadt eine niedrig hängende Wolkenschicht.   (zu dpa «Fluglärm Flughafen Frankfurt» vom 18.04.2017) Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Das neue Anflugverfahren für den Frankfurter Flughafen kommt also nicht. Eine kluge Entscheidung der Flugsicherung. Ein Kommentar von Dennis Pfeiffer-Goldmann.

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Besonders hart würde es damit die Aschaffenburger treffen, die unabhängig von der Windrichtung immer Fluglärm hätten. Auch Menschen in Bad Homburg, Bad Vilbel, Friedberg und Nidderau hörten dauerhaft und verstärkt anfliegende Maschinen. Westlich des Flughafens wären die Bewohner von Wiesbaden, Hofheim, Idstein, Kronberg und Königstein die Leidtragenden. Für die am stärksten betroffenen Anwohner näher am Flughafen brächte das neue Verfahren zudem keine Besserung, etwa in Frankfurt-Sachsenhausen, Offenbach, Hanau, Rüsselsheim oder Flörsheim. Denn die Endanflüge blieben unverändert.

„,Point-Merge‘ ist mithin nicht der Heilsbringer“, konstatiert die DFS in ihrem Schreiben. Und die Verantwortlichen machen den Haken an die sechs Jahre dauernde und 2,5 Millionen Euro teure Untersuchung.

Rückendeckung erhält die Behörde dabei vom „Forum Flughafen & Region“, einem Beratungsgremium unter anderem aus Kommunen und Airlines. Deren „Expertengremium Aktiver Schallschutz“ kommt zum Schluss: Das Verfahren erfülle nicht die Erwartungen an den Lärmschutz und sei betrieblich nicht umsetzbar.

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