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Premierministerin angeschlagen: Abschlussrede wird für May zum Alptraum

Theresa May wollte mit ihrer Rede zum Abschluss des Parteitags der Konservativen zum Befreiungsschlag ausholen und vor einer frustrierten Partei Stärke demonstrieren. Doch die Ansprache ging vor allem aus gesundheitlichen Gründen völlig daneben. Rivale Johnson sorgte derweil mit geschmacklosen Bemerkungen zu Libyen für einen Eklat.
May in Manchester Foto: Elliott Franks / i-Images (imago stock&people) May in Manchester
Manchester. 

Es sollte um den „britischen Traum“ gehen, mit dem Premierministerin Theresa May gestern auf großer Bühne Optimismus für die Zukunft verbreiten wollte und gleichzeitig auf einen Befreiungsschlag als Regierungschefin hoffte. Unter Ovationen trat sie passend zur Parteifarbe im blauen Kleid vor die Konservativen. Doch ihre Rede zum Abschluss des viertägigen Parteitags wurde zum persönlichen Alptraum.

Nicht nur, dass ihr aufmüpfiger Außenminister Boris Johnson abermals die Schlagzeilen im Vorfeld bestimmte. Nicht nur, dass ein Komiker die Ansprache störte, indem er May mit Verweis auf Johnson ein Formular überreichte, das in Großbritannien bei einer Entlassung ausgehändigt wird. Ja, und nicht nur, dass einzelne Buchstaben des hinter ihr hängenden konservativen Slogans nach und nach abstürzten, was allerlei Vergleiche mit der „sich im freien Fall befindenden“ Partei provozierte.

Mitleiderregend

Das Schlimmste für die ohnehin angezählte May: Sie verlor ihre Stimme. Führungsstärke demonstrieren und den Fokus auf eine innenpolitische Agenda lenken, das war der Plan. Stattdessen erntete eine schwach wirkende May vor allem Mitleid. Es war fast qualvoll zuzuschauen, wie sie sich durch die Rede hustete, räusperte und krächzte.

Viele ihrer Sätze und mit ihnen der Inhalt gingen schlichtweg unter, weil die Chefin der Tories unter den Folgen einer Erkältung und etlicher Interviews in den vergangenen Tagen litt. Die Vorstellung, rar an neuen politischen Ideen, steht symbolisch für die vergangenen Monate ihrer Regierungszeit.

May begann mit einer demütigen Geste und entschuldigte sich vor den Delegierten für die schiefgelaufene Parlamentswahl im Juni. Die Kampagne sei zu sehr nach Drehbuch und zu präsidentiell geführt worden. „Ich übernehme die Verantwortung. Ich habe den Wahlkampf angeführt. Es tut mir leid.“ Die Premierministerin weiß um die Frustration bei den Konservativen, die sich in Manchester unaufhörlich die Existenzfrage stellten. „Diese Partei liegt im Sterben“, hieß es am Rande des Jahrestreffens von zahlreichen verzweifelten Mitgliedern immer wieder – und das nicht nur hinter vorgehaltener Hand.

Labour im Vorteil

Sinkende Mitgliederzahlen, eine alternde Anhängerschaft und fehlende Anziehungskraft für junge Briten – frustrierte Tories suchten nach Lösungen. Das Durchschnittsalter der Parteimitglieder liegt bei 72 Jahren. Während Labour einen beispiellosen Zulauf junger Menschen genießt und in Umfragen vorne liegt, herrscht bei den Konservativen Panik. Folglich bestimmte der Labour-Chef Jeremy Corbyn etliche Debatten, fast mit Neid schielte man auf die Opposition.

Neuer Superstar

Dass der Superstar dieser Tage ein Hinterbänkler namens Jacob Rees-Mogg war, sagt viel aus über den Zustand der Tories. Wie aus dem Bilderbuch-Establishment entsprungen, tritt der 48-Jährige stets mit zweireihigem Anzug und Oberschichten-Englisch auf. Er twittert auf Latein, ist gegen Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe, insbesondere beim Thema Brexit überzeugt er als Hardliner seine Fans.

Außenminister Johnson, der zuletzt mit roten Linien beim Brexit Furore machte, sorgte derweil für neue Negativschlagzeilen. Die ehemalige IS-Hochburg Sirte in Libyen mit ihrem „weißen Sandstrand, wunderschönen Meer“ könne zu einem neuen Dubai werden, sagte er bei einer Veranstaltung und fügte witzelnd hinzu: „Sie müssen nur die Leichen wegräumen.“

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