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Jubiläum: AfD: Fünfjährige Erfolgsgeschichte - mit Makel

Von Mit der Gründung der AfD wurde vor fünf Jahren Geschichte geschrieben. Eine Hauptrolle spielte dabei der Oberurseler Konrad Adam. Er hat heute gespaltene Gefühle angesichts der Entwicklung der Partei, die er einst mit aus der Taufe hob.
Als die AfD noch Professorenpartei war: Bernd Lucke bei einem Auftritt 2014 in Oberursel. Bilder > Foto: Yvonne Spaene Als die AfD noch Professorenpartei war: Bernd Lucke bei einem Auftritt 2014 in Oberursel.
Frankfurt/Berlin. 

An die Zeit Anfang 2013 kann sich Konrad Adam noch lebhaft erinnern. Besonders an den Abend des 12. März. „Die Halle platzte aus allen Nähten, da waren weit über 1000 Teilnehmer“, erzählt der 76-Jährige von jenem Dienstag in seiner Heimatstadt Oberursel, der die politische Landschaft dieses Landes verändern sollte. Ort des Geschehens war die Stadthalle der Taunusstadt, wo die erste öffentliche Gründungsversammlung der Alternative für Deutschland über die Bühne ging.

Konrad Adam, ehemaliger Feuilleton-Redakteur der „FAZ“, war dabei einer der Schlüsselfiguren. Das hatte zunächst einen einfachen Grund: Adam, der ein Reihenhaus in Oberursel bewohnt, hatte den Veranstaltungsort organisiert, nachdem er einige Monate zuvor zusammen mit Bernd Lucke und 16 weiteren Mistreitern schon den eigentlichen Grundstein für die AfD gelegt hatte – ebenfalls in Oberursel.

Aber auch jenseits der lokalen Nähe war Adam einer der treibenden Kräfte bei einem der erfolgreichsten Stapelläufe einer neuen Partei in der Geschichte der Republik. Der damals 71-Jährige gehörte zu einer Reihe konservativer Intellektueller, viele davon ehemalige Mitglieder der CDU, denen die Euro-Rettungspolitik von Kanzlerin Merkel (CDU) ein Dorn im Auge war und die es sich zum Ziel gesetzt hatten, den Euro wieder abzuschaffen. Die Initiative „Wahlalternative 2013“, die man zunächst aus der Taufe gehoben hatte, mündete daher schnell in eine neue zunächst bürgerliche Partei, die AfD.

Das war eine aufregende Zeit“, blickt Adam fünf Jahre später auf seine für ihn typische distanzierte Art auf die Anfangsphase der Gruppierung zurück. Diese entwickelte sich nach dem Startschuss in Oberursel rasant. Bis zum offiziellen Gründungsparteitag im April 2013 in Berlin hatten sich bereits an die 7000 Menschen der AfD angeschlossen. Bis Ende 2017 stieg diese Zahl auf rund 29 000.

Der Rechtsruck

Auch in den Bundesländern etablierten sich die selbst ernannten Alternativen, darunter am 5. Mai in Frankfurt mit der Gründung eines Landesverbands Hessen. Politisch ging es, nachdem man bei der Bundestagswahl 2013 knapp an der Fünfprozenthürde gescheitert war, steil bergauf. Mittlerweile ist man in 14 der 16 Landesparlamente nebst Europaparlament und seit 2017 auch im Bundestag vertreten – dort als größte Oppositionspartei.

Trotz dieser Erfolgsgeschichte sieht Adam die Entwicklung mit gespaltenen Gefühlen. Einerseits sei er befriedigt darüber, dass die AfD im Bundestag sitzt. Über die Linie, die diese dort vertrete, hingegen in vielen Punkten nicht. „Es gibt eine gewisse Rechtsverschiebung und Radikalisierung, mit der die Partei weder sich noch dem Land einen Gefallen tut“, sagt Adam.

Das sehen viele Beobachter drastischer. Gerade nach dem Bundesparteitag 2015, als Lucke von Frauke Petry und Jörg Meuthen entmachtet wurde, konstatierte der Bonner Politikforscher Frank Decker einen Rechtsruck der AfD, den diese eventuell nicht überleben werde. Andere sprechen von einer rechtspopulistischen Partei mit teilweise rechtsextremen, fremdenfeindlichen bis rassistischen Tendenzen. Das macht sich in der programmatischen Ausrichtung deutlich. Statt des Euro-Austritts, der an den Rand gerückt ist, stehen Themen wie Zuwanderung und Islam im Fokus. Neues Beispiel dafür ist eine Anfrage im Bundestag, in der sich die AfD unter anderem nach der Zahl der Behinderten mit Migrationshintergrund erkundigte.

Es sind Vorstöße, die Konrad Adam nicht goutieren dürfte. Der 76-Jährige repräsentiert die bürgerlich-konservative Professorenpartei, von der nach dem Weggang von Lucke und Co. fast nichts mehr übrig geblieben ist. Auch er selbst hatte sich zwischenzeitlich mit dem Gedanken an einen Austritt getragen, blieb aber dann doch, auch wenn er mit dem Stil vieler Parteikollegen nicht einverstanden ist. Er hoffe, sagt er, dass sich die AfD auf ihre Wurzeln besinne und an ihrem eigentlichen Ziel festhalte: eine Alternative zum „eingefahrenen Parteienbetrieb“ zu bilden.

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