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Bundestagswahl: AfD ist die drittstärkste Kraft

Erstmals seit mehr 60 Jahren kommt mit der Alternative für Deutschland (AfD) wieder eine Rechtsaußenpartei in den Bundestag. Die Partei zieht als drittstärkste Kraft ein. In Berlin und Frankfurt gab es gestern Abend Anti-AfD Demonstrationen.
Die beiden AfD-Spitzenkandidaten, Alexander Gauland und Alice Weidel, feiern ihren Wahlerfolg vor Anhängern in Berlin. Foto: Jens Büttner (dpa) Die beiden AfD-Spitzenkandidaten, Alexander Gauland und Alice Weidel, feiern ihren Wahlerfolg vor Anhängern in Berlin.
Berlin. 

„Wir werden die Regierung vor uns her treiben“, ruft AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland. Und dass sie Deutschland verändern wollen. Seine Parteifreunde jubeln. Sie rufen „Gauland, Gauland“ und singen die deutsche Nationalhymne. Als Neuling mit einem zweistelligen Wahlergebnis in den Bundestag einzuziehen – das hat in der Geschichte der Bundesrepublik noch keine Partei geschafft. Den Grünen gelang der Sprung ins Parlament 1983 mit 5,6 Prozent.

Gauland, der ehemalige CDU-Staatssekretär aus Hessen, ist kein ausgelassener Typ. Während die anderen AfD-ler übermütig Luftballons in den Parteifarben durch den Saal werfen, mahnt er, man solle jetzt trotz der großen Freude, vor den Kameras „bitte keine Sprüche, die uns später auf die Füße fallen können“, klopfen. Denn da draußen seien viele, die nur darauf aus seien, die AfD in irgendwelche „rechte Ecken“ zu stellen. Dass es neben den mehr oder weniger bürgerlichen Protestwählern auch Menschen aus eben diesen „rechten Ecken“ gibt, die sich der AfD verbunden fühlen, verschweigt er.

Demonstrationen

Für ihre Wahlparty hat sich die AfD einen Berliner Club am Alexanderplatz ausgesucht, der vom Look her an die Zeiten erinnert, als solche Tanzlokale noch „Diskothek“ genannt wurden. „Die Gäste, die hier normalerweise tanzen, sind im Schnitt über 40“, sagt die junge Frau hinter der Garderobe. Das passt. Schließlich ist die AfD eine Retro-Partei, die gerne die „gute alte Zeit“ beschwört. Draußen vor dem Gebäude demonstrieren gut 300 AfD-Gegner mit Trillerpfeifen. Drinnen auf der Bühne steht jetzt Partei-Vize Beatrix von Storch neben Gauland. Auch sie wird demnächst im Bundestag sitzen. Hinter den Kameraleuten und Fotografen stehen ihr Ehemann und ihre Mutter. Die Mutter sagt, dass sei jetzt ein gutes Ergebnis für die Partei. Und dass ihre Tochter dafür auch „hart gearbeitet“ habe.

Schwierig werden die kommenden Wochen für die Politiker der etablierten Parteien. Sie werden sich an eine neue Stimmung im Bundestag gewöhnen müssen, an Tabubrüche und vielleicht auch an Störmanöver. Das zeigen die Erfahrungen mit der AfD in 13 Landesparlamenten. Wer sich davon aus der Fassung bringen lässt, hat im Prinzip schon verloren. Denn nichts stärkt den inneren Zusammenhalt dieser von Richtungskämpfen und Personalquerelen gebeutelten Partei so sehr wie Angriffe von außen.

Nicht provozieren lassen

Der Zentralrat der Juden in Deutschland sieht nach der Bundestagswahl Deutschland vor der größten demokratischen Herausforderung seit 1949 – dem Jahr ihrer Gründung. „Erstmals ist eine rechtspopulistische Partei, mit starken Überschneidungen zur rechtsextremen Szene, in dieser Größenordnung in den Bundestag gewählt worden“, teilte der Zentralrat am Sonntagabend mit. Die anderen Parteien im Bundestag dürften sich von der AfD weder gegeneinander ausspielen noch provozieren lassen. „Ich erwarte von unseren demokratischen Kräften, dass sie das wahre Gesicht der AfD enthüllen und die leeren, populistischen Versprechen der Partei entlarven“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster.

Nicht nur in Berlin wurde übrigens gegen die AfD protestiert. Auch in Frankfurt gab es am Hauptbahnhof eine Demonstration von vielen Hundert Menschen.

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