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"Absurd": Albrecht Glaser (AfD) antwortet auf Kritik von Eintracht-Präsident Peter Fischer

Der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, hat gesagt, er wolle keine AfD-Anhänger als Mitglieder. Albrecht Glaser ist AfD-Bundestagsabgeordneter und Frankfurt als früherer Stadtkämmerer verbunden. Im Gespräch mit unserem Politikchef Dieter Sattler spricht Glaser über Fischers Kritik und die radikalen Sprüche von AfD-Politikern.
Foto. Rainer Rüffer Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Foto. Rainer Rüffer

Herr Glaser, sind Sie eigentlich Eintracht-Fan?
ALBRECHT GLASER: Ich war zumindest schon häufiger im Eintracht-Stadion.

Fühlen Sie sich als AfD-Politiker von den Äußerungen von Peter Fischer getroffen?
GLASER: Ja, klar, weil das in der Tat eine Art von Äußerung ist, die wahrscheinlich nach Paragraf 130 Strafgesetzbuch unter die Volksverhetzung fällt. Denn er geht ja auf eine ganze Gruppe von Menschen los, hinter denen sechs Millionen Wähler stehen. Die zu stigmatisieren und mit Nazis zu vergleichen, ist absurd.

Der Hintergrund von Fischers Äußerung ist die These, dass die AfD eine rassistische Partei, die Eintracht aber multikulturell aufgestellt sei. Schließlich waren bei der Eintracht auch traditionell relativ viele Juden aktiv. Hat er recht? Ist die AfD eine rassistische Partei?
GLASER: Völlig absurde Annahme. Ich kann Ihnen nur mitteilen, dass die Zahl der Juden, die bei uns Mitglied sind, die bei Veranstaltungen mit Kippa auftreten, die Kreisvorsitzende sind, die ich persönlich kenne, und Gespräche, die ich mit Vertretern jüdischer Organisationen habe, Fischers Vorwurf total Lügen strafen.

Aber ist die AfD nicht zumindest gegenüber dem Islam rassistisch?
GLASER: Das ist doch kein Rassismus. Es geht beim Islam um eine Religion, die keine Glaubensfreiheit zulässt und den laizistischen Staat ablehnt. Das wirft doch berechtigte Fragen auf. Diese Art der Sprachwahl beweist, dass Herr Fischer vielleicht etwas von Fußball versteht, aber von politischen Zusammenhängen nicht. Er reiht sich in einen Chor von Leuten ein, die zwar überall irgendwelche Hetzer sehen, aber in Wahrheit selber welche sind.

Sie sind ja ehemaliger CDU-Politiker wie einige andere auch in der Partei. Was halten Sie vor diesem Hintergrund von den aktuellen Äußerungen Ihrer Parteifreunde Beatrix von Storch und jetzt Jens Maier, der den Sohn von Boris Becker abfällig als „kleinen Halbneger“ bezeichnet hat.
GLASER: Sie wissen doch, dass es nicht der Abgeordnete Maier selbst, sondern ein Mitarbeiter war. Daraus eine Art Globalverdächtigung auf eine Partei mit 30 000 Mitgliedern und mit fast sechs Millionen Wählern abzuleiten, ist genau das, was die andere Seite immer beklagt, nämlich im Grunde ist dies Rassismus, mindestens Kollektivverdächtigung.

Man hat als politischer Beobachter aber schon den Eindruck, dass das in der AfD Methode hat: Man prescht mit harten Äußerungen vor und sagt dann später, es sei nicht so gemeint gewesen. Was sagen Sie dazu, wenn dieser Eindruck entsteht?
GLASER: Diese Vorwürfe kenne ich schon. Die wird jetzt dauernd erzählt. Aber bitteschön, wer von der AfD ist denn da vorgaloppiert? Es war doch ein Mitarbeiter.

Wenn es nur ein Mitarbeiter war, muss man doch fragen, was werden da für Mitarbeiter beschäftigt?
GLASER: Ich kenne nicht die Mitarbeiter des Abgeordneten X oder Y, so dass ich nicht sagen kann, ob da ein Fehler der Personalauswahl vorliegt oder ob das eben ein Mensch ist, der nicht richtig tickt. Das kann ich auf die Entfernung nicht sagen. Aber daraus auch schon wieder eine Art Parteistrategie abzuleiten, weil Herr X etwas gesagt hat, mutmaßlich ein Mensch, der gar keine politische Funktion hat. Das ist doch absurd.

Die AfD ist in ihrer Gänze sicher keine rechtsradikale Partei. Aber man hat schon den Eindruck, dass der sogenannte „Flügel“, eben der rechte Höcke-Flügel, immer stärker wird. Was sagen Sie zu dem Eindruck, da Sie als Ex-CDU-Politiker wie auch Alexander Gauland, Horst Hemzal oder Bernd Lucke einst angetreten sind, quasi nur den konservativen Flügel zu bespielen, der von der CDU etwas vernachlässigt worden ist? Ist es nicht so, dass Ihre Partei sich in ihren Äußerungen immer stärker radikalisiert?
GLASER: Erstmal ist das natürlich eine öffentliche Schelte, die von Ihnen und anderen erhoben wird. Die ist aber ohne Substanz. Das ist Teil des Kampfes, der gegen die AfD gefochten wird. Zweitens betrachte ich mich nicht mal als konservativ, sondern deutlich mehr, als liberal. Ich betrachte mich als liberaler Radikaldemokrat, das würde als Etikett noch am ehesten stimmen. Deshalb ist mir diese ganze generelle Einordnung nach irgendeiner Art von rechts auch im Bundestag relativ suspekt. Die Zahl der Menschen, die in der AfD ähnlich ticken wie ich, ist sehr hoch. Der größte Transfer von früheren Parteien zur AfD kommt aus der FDP in absoluten Zahlen, obwohl die CDU ja viel größer ist. Jetzt kommt der nächste Punkt: Wer wird stärker, wer wird schwächer? Der heutige Bundesvorstand besteht in der Kernmannschaft immer noch aus den Parteigründern der ersten Stunde. Wir sind alle gerade wiedergewählt worden. Alle mit guten Ergebnissen. Wo soll da eine Veränderung dieser Partei sichtbar werden? Die wird versucht herbeizureden, aber es gibt sie nicht.

Aber ich kann mich nicht erinnern, dass die AfD in ihrer Anfangszeit solche scharfen Töne angestimmt hätte.
GLASER: Wir stehen jetzt anders im Licht der Öffentlichkeit. Damals ist keiner mit dem Mikrofon zum Hausmeister gegangen. Oder man geht jetzt mit Methoden des Erforschens in die Tiefe oder in die Social Media. Dann werden Sie irgendwann auch mal fündig und finden wahrscheinlich irgendwann mal einen seltsamen Menschen, der etwas seltsames sagt.

So wie jetzt Uwe Junge, AfD-Chef von Rheinland-Pfalz? Der ist ja früher nicht durch irgendwelche Radikalität aufgefallen. Doch jetzt ist er damit zitiert worden, dass die Vertreter der Willkommenskultur zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Das klingt wie eine Drohung. Heißt das, die Regierung soll wegen der Grenzöffnung von 2015 ins Gefängnis gehen? Das sind doch Äußerungen, die man im demokratischen Wettbewerb nicht bringen sollte.
GLASER: Ich kenne diese Äußerung von dem Kollegen Junge nicht. Ich kenne aber den Herrn Junge als einen gestandenen, sachlich und demokratisch zweifelsfreien Menschen. Er wäre sonst auch nicht Oberstleutnant in einer langen Offizierslaufbahn geworden. Wenn er in dieser Weise spricht, dann kann er sich vieles darunter vorstellen. Da kann er sich vorstellen, dass man einen Untersuchungsausschuss gegen bestimmte Entscheidungsträger macht. Das steht ja etwa für die Bundeskanzlerin absolut an. Die hat durch eine Verwaltungsentscheidungen etwas gemacht, das enorme Auswirkungen für dieses Land hat, kulturell, ökonomisch und politisch. Es gibt wohl seit der Wiedervereinigung keine Entscheidung, die einen solchen Einfluss auf das politische, ökonomische und kulturelle Leben dieses Landes hat. Und das hat ein Amtsträger gemacht unter Berufung auf eine Ausnahmeregelung eines Gesetzes. Das ist ein Vorgang, der ist, vorsichtig ausgedrückt, am Rande der Legalität. Und wenn man über Verantwortung redet, dann gehe ich fest davon aus, dass der Kollege Junge mit Sicherheit die politische Verantwortung meint. In Bezug auf zur Rechenschaft in Richtung Untersuchungsausschuss.

Man hat ja nach der Wahl festgestellt, dass mindestens die Hälfte der AfD-Wähler gesagt haben, sie hätten die AfD nur aus Protest gegen die Flüchtlingspolitik oder Europolitik gewählt, ohne sozusagen dem Kernbestand der AfD-Ideen leidenschaftlich zugetan zu sein. Fürchten Sie nicht, wenn es aus ihren Reihen radikalere Äußerungen zunehmender Art gibt, dass sie jene Leute wieder verlieren?
GLASER: Ich gehe von nichts anderem aus, als dass wir selbstverständlich die Verpflichtung haben, durch seriöse politische Aktivitäten die Bürger zu gewinnen. Alles andere wird nie Zukunft haben. Dass in einer Phase, wo in einem Wahlvolk eine gewisse Unruhe entsteht, dass da immer Auslöser existieren und dass sich da auch das bildet, was man Protestwählerschaft nennt, ist das Normalste von der Welt. Auf diese Art sind die Grünen auf die Welt gekommen. Die sich von diesen ganzen Apo-Leuten ernährt haben, von denen wir wissen, dass mindestens zwei, drei Leute Mitglieder der Roten Armee Fraktion geworden sind. Also kurzum, in einer Gründungsphase wird jede solche Bewegung immer auch Protestwähler an sich ziehen. Aber über die lange Strecke wird sie nur dann Erfolg haben, wenn sie bereit und in der Lage ist, solide Politik zu machen.

Erwarten Sie auch irgendetwas Positives von den sich anbahnenden Verhandlungen zur großen Koalition?
GLASER: Offen gesagt, nein. Wenn die SPD versucht, das umzusetzen, wir wollen jetzt mal ordentlich die Steuern erhöhen. Und die CDU in ihrem Wahlprogramm geschrieben hat, wir wollen die Steuern senken. Um nur mal ein ganz einfaches Beispiel zu nehmen. Dann ist für mich im Moment gar nicht klar, wie die zusammenfinden wollen. Da muss sich ja einer von beiden verbiegen oder aber es wird tatsächlich scheitern und läuft auf eine Minderheitsregierung oder auf Neuwahl hinaus. Ich sehe überhaupt noch nicht, dass das über den Berg ist. Aber wenn es klappen sollte, dann wird das die Quadratur des Kreises werden. Und das ist bekanntlich ein physikalisch schwieriges Problem.

Albrecht Glaser gehört zu den Gründungsmitgliedern der AfD und sitzt für die Partei im Bundestag. Begonnen hat der 75-Jährige seine politische Karriere in der CDU. In Baden-Württemberg war er als Bürgermeister tätig. 1991 wechselte er als Erster Beigeordneter zum Landeswohlfahrtsverband Hessen. Vier Jahre später berief ihn die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt zum Stadtrat. Dort wirkte er sechs Jahre lang, unter anderem als Kämmerer. Anschließend arbeitete er als Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft ABG. 2012 brach Glaser mit der CDU und trat aus. Für die AfD kandidierte er im vergangenen Jahr für das Amt des Bundespräsidenten. Bei einem Auftritt sagte er, der Islam sei eine „Konstruktion, die selber die Religionsfreiheit nicht respektiert“. Deshalb müsse man dem Islam die Religionsfreiheit aberkennen. Wegen dieser Äußerung scheiterte Glaser damit, im neuen Bundestag stellvertretender Parlamentspräsident zu werden. Eine Mehrheit versagte ihm dafür die Zustimmung. Die AfD verzichtet seitdem auf einen Parlamentsvize. sew

 

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