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Weirich am Montag: Als die Welt den Atem anhielt

Von Heute vor 57 Jahren wurde die Berliner Mauer gebaut, ein Schandmal, das die Menschen von West und Ost bis zum 5.November 1989 trennen sollte.
Heute vor 57 Jahren begann der Bau der Mauer. Foto: Paul Zinken/Archiv Heute vor 57 Jahren begann der Bau der Mauer.

Heute vor 57 Jahren wurde die Berliner Mauer gebaut, ein Schandmal, das die Menschen von West und Ost bis zum 5.November 1989  trennen sollte. Der 13.August 1961 war ein einschneidendes Datum in der Nachkriegsgeschichte des geteilten Deutschlands. Gleichzeitig erinnert das hermetisch abgeriegelte Grenzbefestigungssytem an die Lüge des kommunistischen Diktators Walter Ulbricht. Der Spitzbart hatte noch zwei Monate zuvor erklärt , niemand habe die „Absicht, eine Mauer zu errichten“. Für Fake News braucht man keine sozialen Medien.

Professor Dieter Weirich. Bild-Zoom Foto: Eric Richard (priv.)
Professor Dieter Weirich.

In der Nacht zum 13.August hatte Ulbricht den Befehl zur Abriegelung der Sektorengrenze erteilt, mehr als 10 000 Volks-und Grenzpolizisten, tausende Kampfgruppen-Mitglieder rissen mitten in Berlin das Straßenpflaster auf, errichteten aus Asphaltstücken und Pflastersteinen Barrikaden und Stacheldrahtverhaue ,rammten Betonpfähle ein und riegelten die Sektorenübergänge ab. In den Folgetagen befestigten Bauarbeiter für 400 Millionen Mark die Mauern. Die deutsche Teilung hatte eine neue Qualität erfahren, eine historische Zäsur.

Die Welt hielt den Atem an. Was folgte auf den dreisten Coup der Ostberliner Diktatur ?Willy Brandt, der Regierende Bürgermeister, wurde auf einer Wahlkampfreise aus einem Schlafwagen  in Nürnberg geholt, flog sofort nach Berlin und verlangte von den Alliierten energische Schritte gegen die Provokation. Kanzler Adenauer brauchte zum Ärger der Frontstädter neun Tage, um gemeinsam mit US-Vizepräsident Lyndon B.Johnson in Berlin aufzukreuzen.

Derweil feierte die DDR-Propaganda den Mauer-Schluss als „Abriegelung gegen die Wühltätigkeit westlicher Agenten“, Chefpropagandist Karl-Eduard von Schnitzler freute sich über die „geschlossene Falltür“, die Staatspartei SED erklärte, die „systematische Abwerbung von Bürgern der DDR“ werde nun aufhören. Die freiheitliche Abstimmung mit den Füßen hatte der Führung der DDR zugesetzt, von 1949 bis 1961 waren über zweieinhalb Millionen Menschen in den Westen gegangen.

Der 17.Juni 1953 ,der Tag des Volksaufstandes gegen das unmenschliche Regime in Ostberlin und der 13.August 1961, das sind die hervorstechenden Daten in der deutsch-deutschen Geschichte der Teilung. Das erste Datum steht für das Streben der Deutschen nach Freiheit und Einheit, das von den Panzern der DDR brutal niedergewalzt wurde. Der Mauerbau widerspiegelt die Hilflosigkeit einer im Systemvergleich unterlegenen Ordnung, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckte.

An beide Daten zu erinnern, ob in Feierstunden, Ausstellungen oder Dokumentationen,ist unser aller Verpflichtung. In der Hauptstadt herrscht allerdings ein blasses Geschichtsverständnis vor, das sich auf die Schulen überträgt.

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