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Besuch: Angela Merkel trifft Donald Trump - keine Erwartungen

Von Das erste Treffen seit zehn Monaten: Die Bundeskanzlerin besucht den US-Präsidenten. Die beiden haben viele Probleme – und nicht alle sind politisch zu lösen.
Ein Foto vom Besuch im vergangenen Jahr: Bundeskanzlerin Merkel und US-Präsident Donald Trump sitzen im Oval Office zusammen. Foto: Michael Kappeler (dpa) Ein Foto vom Besuch im vergangenen Jahr: Bundeskanzlerin Merkel und US-Präsident Donald Trump sitzen im Oval Office zusammen.
Berlin. 

Eines ist sicher: Im Leben nicht wird Donald Trump mit Angela Merkel die Haarschuppen-Nummer abziehen – wie gerade eben mit Emmanuel Macron. Was allerdings auch bedeutet, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika über die Bundeskanzlerin nicht sagen wird: „She is perfect.“

Dabei wird es durchaus den passenden Termin dafür geben: Die letzten 30 Minuten von Merkels Besuch im Weißen Haus sind für die gemeinsame Begegnung mit der Presse reserviert. Keine schlechte Quote – wenn das ganze Treffen nur zweieinhalb Stunden dauert. Gemessen am dreitägigen Staatsbesuch von Macron eben ist das Merkel-Date allerdings eine Petitesse in der Agenda von Nummer 45 in 1600 Pennsylvania Avenue.

Was das Umfeld sagt

Das Merkel-Umfeld versucht, die unübersehbare Kluft kleinzureden – respektive den Merkel-Besuch groß, mindestens aber größer. Die Kanzlerin, eine überzeugte Transatlantikerin, reise nicht zu einem x-beliebigen Arbeitstreffen, heißt es, sondern zu einem engen Verbündeten, mit dem eine große Menge an Gemeinsamkeiten und Überzeugungen geteilt würden.

So wie sich die Regierungskreise ausdrücken, ist nicht heraus, ob damit nicht, eher abstrakt, Deutschland und die USA gemeint sind, statt, ganz konkret, Merkel und Trump. Seit deren letztem Zusammentreffen, beim G 7-Gipfel in Hamburg, sind fast zehn Monate vergangen. Und ehe Merkel am Donnerstagabend deutscher Zeit losfliegt, um Freitag, fünf nach halb zwölf Washingtoner Zeit, von Trump begrüßt zu werden, können auch die engagiertesten Alles-halb-so-schlimm-Rhetoriker des Merkel-Umfelds eine sehr distanzierte Beziehung nicht in eine auch nur halbnahe umdeuten.

Streit um Zölle

Deswegen – und überhaupt vorsichtshalber – hängen die Regierungskreise die Erwartungslatte so tief wie nur irgend möglich. Man rechne damit, dass die von Trump angekündigten Zölle für Stahl und Aluminium ab 1. Mai auch für Importe aus der EU erhoben würden. Das ist geschickt, aber zugleich durchschaubar: Kommen die Abgaben, hatte Merkel eben ohnehin keine Chance mehr, sie zu verhindern. Kommen sie nicht, kann sie das als ihren Erfolg verkaufen.

Ähnliches gilt für das Iran-Atomabkommen, zu dem Macron vor seiner Abreise aus Washington sagt, ihm scheine, dass Trump die „Vereinbarung aus innenpolitischen Gründen eigenständig loswerden wird“. Aus den deutschen Regierungskreisen heißt es dazu, Merkels Ziel sei, dass das Abkommen hält.

Unbedingt wollen die Kanzlerischen den Eindruck vermeiden, dass Merkel sich von Trump treiben lassen muss. Die Themen, sagen sie also, würden durch die Probleme vorgegeben. Deren gebe es genug. Und worüber wirklich geredet werde, entscheide sich erst in Washington.

20 Minuten soll das Vier-Augen-Beisammensein im Oval Office dauern, eineinhalb Stunden danach das Arbeitsessen im Cabinet Room, zu dem man durchs präsidiale Vorzimmer gelangt. Da wie dort wird vor allem geredet. Und falls es perfekt läuft, dann übernimmt Trump die deutsche Überzeugung, dass es wirtschaftlich gar nicht unfair zugeht zwischen den USA und Europa. Dass, im Gegenteil, die beiden größten Wirtschaftsräume der Welt sehr voneinander profitieren. Dass man, allerdings, über alle derzeitigen Zölle, die 1994 in einem Abkommen festgelegt wurden, neu verhandeln kann. Das wird Merkel Trump anbieten.

Telefonate sehr selten

Was die Regierungskreise sonst noch sagen, bedeutet zusammengenommen: In Berlin wird vermutet, dass Mr. President die Fakten nicht kennt. Was sie nicht sagen, lässt sich so verstehen, dass die Kanzlerin sie ihm beibringen will. Dass aber zwischen Kanzlerin-Büro und Oval Office, wenn überhaupt, bislang sehr selten telefoniert wird – die Kontakte auf der sogenannten Arbeitsebene indes sehr eng sind und sehr gut. Was sie sagen, bedeutet: Merkel will Trump nahebringen, dass gute Zusammenarbeit immer von Vorteil ist – und zwar für beide Seiten. Und bei allen Themen, die so anstehen, vom Welthandel über die diversen Kriege und Konflikte bis zum Iran und zur Nato.

Aber es ist kein bisschen sicher, ob das – oder irgendetwas anderes – auch nur annähernd funktioniert.

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