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Große Wertverluste befürchtet: Auf dem Rücken der Dieselfahrer

Von Deutschlands Diesel-Fahrer schäumen vor Wut. Sie fühlen sich von der Politik nicht ernst genommen und von der Autoindustrie im Stich gelassen. Der Diesel-Gipfel hat ergeben, dass der jahrelange Abgasbetrug mit kostengünstigen Software-Updates beantwortet wird – die jedoch nur rund ein Viertel der gesundheitsgefährdenden Stickoxid-Emissionen reduzieren. Damit bleiben Fahrverbote auf der Agenda.
Symbolfoto Foto: Marijan Murat (dpa) Symbolfoto
Frankfurt. 

Das Show-Spektakel „Diesel-Gipfel“ hat weder die Ängste vor einem drastischen Wertverlust beim Verkauf der Selbstzünder – von manchen als „kalte Enteignung“ bezeichnet – noch die Sorge der betroffenen Dieselfahrer vor Fahrverboten in deutschen Innenstädten genommen. In vielen Familien wurde leidenschaftlich darüber diskutiert, ob der privat genutzte Diesel sofort verkauft werden muss, um einem Preis-Massaker zuvorzukommen. Aussitzen und den Wagen mit der Norm Euro 5 oder älter bis zum Sankt-Nimmerleinstag fahren scheidet als Alternative so lange aus, wie das Damoklesschwert von Fahrverboten über älteren Diesel-Pkw schwebt.

Die Lage ist verzwickt. Die Menschen mit ihren spritsparenden Dieselgefährten fühlen sich allein gelassen. Weder die Politik noch die Autohersteller haben bisher einen Versuch unternommen, lückenlos aufzuklären, die Fragen der Betroffenen ernst zu nehmen und zu beantworten. Der Diesel-Konflikt werde auf dem Rücken der Autofahrer ausgetragen, schimpft auch unser Leser aus Oberursel, der mit seinem Wunsch nach schneller Nachrüstung Schiffbruch erlitten hat (siehe Infobox).

15 Milliarden Euro Kosten

Für Deutschlands meistzitierten Autoexperten, Professor Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut der Universität Duisburg-Essen, kommen schlimme Zeiten auf die Besitzer von Diesel-Pkw zu. Er hat sich in einer Studie mit dem Thema Wertverlust beschäftigt und kommt zum Ergebnis, dass der volkswirtschaftliche Schaden für die Diesel-Besitzer sich auf mindestens 15 Milliarden Euro summieren werde. Dudenhöffer hat in seiner Modellrechnung den neueren Diesel-Pkw-Bestand ab dem Baujahr 2009 berücksichtigt. Demnach sind knapp elf Millionen Fahrzeuge in Deutschland betroffen. „Die Autofahrer in Deutschland sind aufgrund Politikversagens einem großen Wertverlust ausgesetzt“, bilanziert der Autofachmann.

Seine Meinung zum Ausgang des Berliner Diesel-Gipfels ist eindeutig: „Dass die deutlich kostengünstigeren freiwilligen Software-Updates das Problem lösen, muss bezweifelt werden. Einerseits können Software-Updates Nebenwirkungen wie etwa höheren Treibstoffverbrauch oder Motorablagerungen mit sich bringen, die ebenfalls Zusatzkosten erfordern. Zum zweiten ist völlig offen, ob die mit Software-Updates erzielten Lösungen auch in der Weise tragfähig sind, dass die Immissionsvorschriften der Ballungszentren erfüllt werden. Ist dies nicht der Fall, können Fahrverbote nicht ausgeschlossen werden und es kommt ein doppelter Wertverfall zustande.“

Getrickst oder nicht? Abgasuntersuchung bei einem Dieselfahrzeug.
Abgasskandal Dieselgipfel als Sittenbild

Bald ist Bundestagswahl. Nur deshalb treffen in der Hauptstadt Politiker und Industriebosse zusammen, um auszuhandeln, wie die Luft in den Städten möglichst schnell möglichst gut oder wenigstens besser werden kann. Am Ende sieht die Republik klarer – nur anders als es den Hauptdarstellern gefallen kann.

clearing

Mit dem Diesel-Gipfel scheint der Startschuss für eine neue Rabattrunde gegeben worden zu sein. „Wir gehen daher davon aus, dass in den nächsten Monaten das Rabattniveau im deutschen Automarkt weiter steigt. Der Dieselgipfel hat also eher Beunruhigung statt Beruhigung im deutschen Automarkt ausgelöst“, sagte der Auto-Professor dieser Zeitung. So wurden nach Untersuchungen des Car-Instituts auf die 30 meistverkauften Neuwagen bei den großen Internetvermittlern im Durchschnitt 20,7 Prozent Rabatt eingeräumt. Das ist der mit Abstand höchste Wert des laufenden Jahres. Die Eigenzulassungen der Hersteller und Händler seien sogar auf 30 Prozent geklettert.

Kritik an Bouffier

Der Oppositionsführer im hessischen Landtag, SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel, hat vom Gipfeltreffen den Eindruck, „dass einige Akteure den Ernst der Lage nicht verstanden haben.“ Er glaubt, dass sich die deutsche Automobilindustrie gerade ein bisschen Zeit gekauft hat.

Die Fraktionschefin der Linkspartei, Janine Wissler, kritisiert Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der das Land am runden Tisch in Berlin vertreten hat: „Es ist verantwortungslos und zynisch, wenn der hessische Ministerpräsident den Diesel-Gipfel als guten Anfang und wichtiges Signal lobt.“ 

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