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Täter sprengen Geldautomaten: Banken müssen auf immer skrupellosere Methoden reagieren

Die Fälle häufen sich: An 17 Standorten alleine in Hessen haben Kriminelle in diesem Jahr Geldautomaten mit Hilfe von Gas zur Explosion gebracht, um an das Geld zu kommen. Erwischt wurde bislang keiner.
Geldautomat in Weilburg gesprengt Foto: Andreas Arnold (dpa) Symbolbild
Frankfurt. 

Sie baldowern vorher genau ihre Einsatzorte aus. Ist dort etwas zu holen, sind die vorhandenen Geldautomaten nicht aus der neuesten Generation, gibt es einen flotten Fluchtweg? Ist das der Fall, werden die Ganoven meist mitten in der Nacht aktiv. Wie am vergangenen Freitag in Groß-Gerau: Drei maskierte Männern sprengten den Geldautomaten der Sparda-Bank, schnappten sich ihre Beute und suchten über die nahe gelegene A 67 das Weite.

Schnelle Fluchtwege

Das ist den Ganoven wichtig: flott vom Tatort verschwinden zu können. „Schnelle Fluchtwege“ hätten alle Tatorte, erzählt Jörg Reinemer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, das die Ermittlungen hessenweit übernommen hat. 17 solcher Delikte hatte es in Hessen alleine in diesen Jahr schon gegeben, mal hier, mal dort. Es gab keine Region, die besonders getroffen gewesen sein soll. Gerne waren es auch Geldautomaten, die abseits in Gewerbegebieten liegen.

Zum Thema: Gas kann neutralisiert werden

Welche Sicherungssysteme eingesetzt werden, da halten sich die Banken eher bedeckt. „Aus naheliegenden Gründen“, wie die Pressesprecherin der Frankfurter Sparkasse, Julia Droege-Knaup, sagt.

clearing

Erkenntnisse über die Täter? Bislang wenige. Sie sind in der Regel maskiert, fahren schnelle Autos. Präventiv könne die Polizei da wenig machen, so Reinemer. Einzig die Kreditinstitute können durch die Aufrüstung ihrer Automaten den Tätern ihre Arbeit erschweren oder unmöglich machen.

Entsprechend hat beispielsweise die Taunus-Sparkasse reagiert. Die Sparkasse mit Sitz in Bad Homburg war besonders gebeutelt. An insgesamt drei Orten im Main-Taunus-Kreis – in Hochheim, in Flörsheim sowie im Globus-Markt in Hattersheim im Frühjahr diesen Jahres – explodierten die Geldautomaten. Jeweils ganz in der Nähe der A 66, der flotte Fluchtweg in der Nähe. „Wir haben diesem Typus von Verbrechen vor gut einem Jahr einen Riegel vorgeschoben und unsere Geldautomaten mit dem TÜV-zertifizierten Sicherheitssystem ,Scorpion‘ aufgerüstet, um zukünftige Sprengungen zu verhindern“, sagt Pressesprecher Lars Dieckmann. Vergreift sich jemand unsachgemäß an den Automaten, werden die Geldscheine automatisch rot eingefärbt und sind unbrauchbar. Einen „guten sechsstelligen Betrag“ hat sich die Sparkasse das kosten lassen, obwohl der Raub und die Schäden in der Bank von der Versicherung abgedeckt sind. „Die Automaten wurden mit entsprechenden Aufklebern versehen“, so Dieckmann. „Mit der Investition in das System haben wir auch die Intention verfolgt, Kunden, Nachbarn und Passanten ein besseres Sicherheitsgefühl zu geben.“ Aus gutem Grund: Oft wurden durch die Explosion nicht nur die Automaten, sondern auch die umliegenden Häuser in Mitleidenschaft gezogen.

Bei der Frankfurter Sparkasse geht man auch einen ähnlichen Weg. Ältere Automaten werden nach und nach ersetzt, so Pressesprecherin Julia Droege-Knaup. Das sagt auch Markus Müller, Mitglied des Vorstandes der Sparda-Bank Hessen: „Wir werden sukzessive die Automaten weiter mit Sicherheitstechnik nachrüsten, die notwendig ist, um Schäden zu verhindern. Aber es ist ein Wettlauf mit den Kriminellen, die immer professioneller und skrupelloser werden.“ Immerhin blieb die Sparda bislang von Sprengungen von Geldautomaten weitgehend verschont. Vor dem Fall in Groß-Gerau gab es lediglich einen vor ein paar Jahren, damals aber nicht im Rhein-Main-Gebiet.

Wie viel die Täter dadurch erbeuten? Das war zuletzt ganz unterschiedlich. Die Beute hätte sich in den zurückliegenden Fällen zwischen „null und einem fünfstelligen Euro-Bereich“ bewegt, sagt Polizeisprecher Jörg Reinemer.

Unterschiedlich gefüllt

Die Kreditinstitute halten sich mit Zahlen eher bedeckt. Die Automaten seien je nach Lage ganz unterschiedlich bestückt, sagt der Pressesprecher der Taunus-Sparkasse. „Angaben über die Bestückung von Automaten kann ich aus Sicherheitsgründen nicht machen“, so auch die Aussage von Markus Müller von der Sparda-Bank. „Auch das ist ein Teil unseres Sicherheitskonzeptes und soll dazu beitragen, dass es zu solch unerfreulichen Taten gar nicht erst kommt.“ Unabhängig vom Füllstand, so ergänzt Julia Droege-Knaup, lohne sich eine Tat aber grundsätzlich nicht, weil „bei einer Sprengung auch unbeteiligte Personen zu schwerem Schaden kommen oder sogar sterben könnten“. Aber das dürfte für skrupellose Täter wohl eher zweitrangig sein.

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