Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 7°C

Baubranche boomt, Preise steigen: Bau-Projekte in der Region verzögern sich, weil Unternehmen das Personal fehlt

Von Seit die Baubranche auf dem Höhenflug ist, steigen nicht nur die Preise. Oft können auch öffentliche Bauprojekte nicht rechtzeitig realisiert werden, weil sich auf Ausschreibungen keine Firmen melden. Es gibt viele Beispiele.
Die Bauwirtschaft wird immer öfter zum Ziel der organisierten Kriminalität. Foto: Arne Dedert/Symbolbild Die Bauwirtschaft wird immer öfter zum Ziel der organisierten Kriminalität. Foto: Arne Dedert/Symbolbild
Frankfurt. 

Frank Junker schlägt Alarm. Der Chef des Wohnungsbauunternehmens ABG Frankfurt Holding beklagt, dass wichtige Projekte nicht mehr realisiert werden können oder sich verzögern. Der Grund steht für ihn fest: Bauunternehmen fehlten beispielsweise Ingenieure und Planer, um Baumaßnahmen umzusetzen. Und das ist nicht nur ein Frankfurter Phänomen, sondern im Rhein-Main-Gebiet häufig zu beobachten. Die Folge: Die Baupreise steigen.

ABG-Chef Junker sagt, die Preise stiegen, weil sich auf Ausschreibungen nur wenige Unternehmen bewerben. Dieser fehlende Wettbewerb sorge dafür, dass sich die Preisschraube bei Bauvorhaben nach oben drehe.

Der Usinger Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) kennt das Problem, und er nennt Beispiele. Für die komplette Sanierung des Feuerwehrstützpunkts in der ehemaligen Kreisstadt im Hochtaunuskreis seien vor wenigen Jahren ursprünglich rund drei bis vier Millionen Euro eingeplant gewesen. „Jetzt stellen wir fest, dass wir mit diesem Geld nur einen Teil des Stützpunktes sanieren können“, sagt Wernard. Ein weiteres Beispiel in Usingen, so der Rathauschef, war die Sanierung einer Straße in der Altstadt. „Auf unsere Ausschreibung für dieses Projekt hat sich kein Unternehmen gemeldet.“ Die Stadt habe sich selbst auf die Suche nach einer Firma machen müssen. „Das war mühsam“, sagt Wernard.

Problem Ausschreibung

Der Oberurseler Rathauschef Hans-Georg Brum (SPD) hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Bei Ausschreibungen für die Straßenbauarbeiten in der Stadt habe es „exorbitante Preissteigerungen“ von 30 bis 40 Prozent gegeben. Deshalb habe sich das „eine oder andere Projekt“ nicht realisieren lassen. Brum erzählt, manchmal komme bei ihm der Eindruck auf, dass Firmen bei den Ausschreibungen mit „Abwehrkonditionen“ operierten.

Symbolbild
Unternehmen am Rande der Kapazitäten Kommentar zur Bauenbranche: Das Ende der Fahnenstange

Obwohl die Baubranche boomt, haben die Unternehmen keine zusätzlichen personellen Kapazitäten aufgebaut. Darunter leiden die Bürger. Ein Kommentar.

clearing

Sie wollten mit diesem Verhalten offenbar dokumentieren, dass sie zwar an einem jeweiligen Projekt interessiert seien, aber zu einem sehr hohen Preis. Dass bei den Baufirmen offenbar die personellen Kapazitäten fehlen, um zeitnah Projekte abzuwickeln, hält Brum für ein „konjunkturelles Phänomen“. Der Oberurseler Bürgermeister geht davon aus, dass, wenn die Baukonjunktur weiter stabil bleibe, die Branche ihre personellen Kapazitäten nach und nach wieder aufbaue.

Keine Angebote

Nicht alle Kommunen in der Region spüren den Trend gleich stark. In Hofheim sei beispielsweise noch jedes städtische Projekt verwirklicht worden, sagt Stadt-Sprecher Jonathan Vorrath. Verzögerungen gebe es aber beim Wegebau, zum Beispiel auf dem Waldfriedhof. Da habe sich auf eine Ausschreibung bis dato noch keine Firma gemeldet.

Überdies stelle die Stadt ähnlich wie in Oberursel fest, dass auf die einzelnen Ausschreibungen immer weniger Angebote von Baufirmen abgegeben würden. Die gleiche Erfahrung macht die stadteigene Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB). Sprecher Vorrath sagt: „Das macht die Auswahl natürlich schwieriger.“

Das gilt für den gesamten Main-Taunus-Kreis. Aufgrund der Konjunkturlage im Bau gingen weniger Angebote auf Ausschreibungen ein, erklärt Pressesprecherin Katrin Förster.

Beim hessischen Städte- und Gemeindebund ist diese Problematik ebenfalls bekannt. Für den Justiziar und Bauexperten des Verbandes, Florian Christopher Weber, sind mehrere Umstände für diese Situation verantwortlich. Prinzipiell, so Weber, spiegelten die derzeit hohen Baupreise die wirtschaftliche Entwicklung wider.

Wohnungsnot als Faktor

Angeheizt werde diese Entwicklung noch weiter durch die aktuelle Niedrigzinsphase und die herrschende Wohnungsnot und das vor allem in den Ballungsräumen.

Der internationale Baukonzern Hochtief setzt viele Bauprojekte auch in Ballungsräumen um. Dabei bewerbe sich das Unternehmen nicht um jedes Projekt. „Wir müssen sicher sein, dass wir die Aufgabe lösen können. Schließlich wollen wir keine Konventionalstrafen bezahlen“, sagt Konzern-Sprecherin Antje Meeuw. Personalsorgen kennt das Unternehmen nach ihrer Aussage aber nicht. „Bei uns bewerben sich immer genügend junge Ingenieure.“

Architekten auf Jobsuche

Obwohl Facharbeitermangel in der Baubranche immer wieder ein großes Thema ist, gibt es außerdem viele Arbeitssuchende in diesem Berufsfeld.

So suchen laut Statistik der Arbeitsagentur derzeit etwa 440 Planer und Architekten in Hessen einen Job. Bei den anderen Hoch-, -Tief- und Innenausbauberufen sind es sogar knapp 5500 Arbeitssuchende. Mitarbeit: kajo

Seite 2

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse