E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 31°C

Frankfurt am Pranger: Bauern und Umweltschützer: Allianz gegen Neubaugebiete

Von Das ist überraschend: Der Hessische Bauernverband und der BUND Landesverband Hessen wenden sich gemeinsam gegen den zunehmenden Flächenverlust in Hessen – und vor allem in der Rhein-Main-Region. Ein Bauprojekt ärgert die ungewöhnliche Allianz besonders.
Neuer Frankfurter Stadtteil. Foto: Leonhard Hamerski Neuer Frankfurter Stadtteil.
Frankfurt. 

Der Überraschungscoup ist perfekt: Mit einer gemeinsamen Aktion fordern der Hessische Bauernverband und der Umwelt- und Naturschutzverband BUND den Stopp weiterer Neubaugebiete und der damit einhergehenden Versiegelung von Natur- und Ackerland in Hessen.

Der geplante neue Frankfurter Stadtteil, der im Nordosten der Gemarkung bis vor die Tore von Oberursel und Steinbach reichen soll, hat diese ungewöhnliche Allianz hervorgebracht. Die klare Forderung der beiden Verbände an die Politik: Der stetig wachsende Flächenverbrauch im Land durch Wohn- und Geschäftsbebauung vor allem im Rhein-Main-Gebiet müsse generell gestoppt werden.

Die Allianz fordert stattdessen, den Breitband-Ausbau in der ländlichen Region zu beschleunigen, damit neue Unternehmen mit den entsprechenden Arbeitsplätzen nicht nur in das Rhein-Main-Gebiet drängen. „Auch Unternehmen, die sich ansiedeln wollen, hätten so Alternativ-Standorte“, sagte Bauernpräsident Karsten Schmal. „Dann schwillt auch nicht die Verkehrslawine nach Frankfurt weiter an und auch der Druck auf den Wohnungsmarkt wird nicht mehr ganz so groß sein.“ Außerdem müsse es zu einer „Verdichtung“ in den Städten kommen.

Bis vor kurzem haben Bauern und BUND noch erbittert gestritten angesichts des Insektensterbens oder der Diskussion um das Verbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat und der abnehmenden Artenvielfalt. Nun wenden sich die beiden Interessenverbände gemeinsam gegen den zunehmenden Flächenverlust in Hessen.

Die beiden Verbände forderten gestern die Stadt Frankfurt auf, den auf beiden Seiten der Autobahn 5 geplanten neuen Stadtteil aufzugeben. Stattdessen müsse es zu einer „Verdichtung“ innerhalb der Metropole kommen.

Die Kritik am wachsenden Grünflächenverbrauch ließ das Frankfurter Planungsdezernat nicht unwidersprochen. „Rund ein Drittel der Frankfurter Stadtfläche gehört zum Grüngürtel“, argumentierte Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Gellert fügte hinzu: „In der Stadt sind wir uns einig, diesen zu schützen. Doch das enorme Bevölkerungswachstum der Stadt wird sich fortsetzen. Wenn wir den Grüngürtel freihalten wollen, müssen wir unbedingt andernorts Wohnungen schaffen.“

Auch für Michael Peterek, Professor für Städtebau an der Frankfurt University of Applied Science, lässt sich das städtische Wachstum nicht aufhalten. Die Erschließung neuer Flächen stelle dabei immer einen Eingriff in die Natur dar. „Aus Sicht der erwähnten Verbände ist es absolut korrekt, dass man sich dagegen wehrt“, sagte er. Es sei nun Aufgabe der Stadt, die Einwände zu prüfen. Alternativen wie die innerstädtische Verdichtung und die Erschließung von Standorten in der Region mit guter Infrastruktur seien denkbar, reichen nach seiner Einschätzung aber nicht aus: „Ich denke, dass in Frankfurt alle drei Strategien notwendig sind.“

Zu der Allianz mit dem BUND sagte Bauernpräsident Schmal: „Zunächst ist es eine Zweckgemeinschaft, und es gibt gewiss Landwirte, die über unsere Kooperation irritiert sind.“ Jüngeren Landwirten falle es leichter, die traditionellen Fronten zu überwinden und die althergebrachten Reflexe zwischen Bauern und BUND abzulegen. „Das ist ein guter Anfang in der Zusammenarbeit“, sagte BUND-Sprecher Jörg Nitsch. „Wir wollen der Landwirtschaft in unserer gemeinsamen Forderung nach einem Stopp der Vernichtung ihres Ackerlandes eine gesellschaftspolitische Unterstützung geben.“

Nach den Worten von Frankfurts Kreislandwirt Matthias Mehl werden viele Landwirte langsam mürbe gemacht. „Durch weiteren Flächenverlust sinkt die Wirtschaftlichkeit vieler Betriebe unter die Mindestgrenze der Wirtschaftlichkeit. Landwirte in der Region fragen sich längst: Welche Berufe lassen wir unsere Kinder lernen?“

Ohne Bauern gebe es keine Versorgung mit regionalen Lebensmitteln, gab Bauernpräsident Schmal zu bedenken. „Die verbliebenen Ackerflächen rund um Frankfurt gehören von der Bodenqualität weltweit zu den allerbesten.“ Mitarbeit: ley

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen