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Immer mehr Patienten wenden sich an die Schlichtungsstellen: Behandlungsfehler häufen sich

Von Bundesweit starben im vergangenen Jahr 96 Menschen an Behandlungsfehlern. Hessenweit waren es sieben Personen, die nach Fehlern bei der Behandlung ums Leben kamen.
Symbolbild Symbolbild
Frankfurt/Berlin. 

Die Bundesärztekammer legte gestern aufsehenerregende Zahlen auf den Tisch: Die Behandlungsfehler in Kliniken und Arztpraxen häufen sich. Die meisten Fehler gab es im Bereich der Orthopädie und der Chirurgie: bei Knie- und Hüftgelenkarthrosen gefolgt von Frakturen an Gelenken und Gliedmaßen. In 549 Fällen führte dies zu leichten und mittleren, in 166 Fällen zu schweren Dauerschäden, in 96 Fällen zum Tod. Patientenschützer und Krankenkassen verlangten, Betroffene besser abzusichern sowie eine gesetzliche Meldepflicht der Fehler.

Insgesamt haben die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen im vergangenen Jahr bundesweit 7639 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen. Das seien rund 400 mehr als in 2015 gewesen.

In 2245 Fällen habe tatsächlich ein Behandlungsfehler vorgelegen, so die Kammer. 2015 waren dies 2132. In 1845 Fällen hätten diese Fehler laut Bundesärztekammer zu einem Gesundheitsschaden geführt, der dann zu einem Anspruch des Patienten auf Entschädigung geführt habe. Allerdings hebt die Standesorganisation hervor, dass auch die Gesamtzahl von Behandlungsfällen gestiegen sei. Im ambulanten Bereich habe sie demnach zwischen 2004 und 2015 um 160 Millionen auf mittlerweile 696 Millionen zugenommen. In Krankenhäusern habe sich die Zahl im gleichen Zeitraum um mehr als 2,5 Millionen auf fast 19,8 Millionen Fälle erhöht.

Laut Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer, ist deshalb die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, „extrem gering“. Für Panikmache und Pfuschvorwürfe gebe es keinen Grund. Beides schade „der mittlerweile gut etablierten offenen Fehlerkultur in der Medizin“, so Crusius. Das sehen Patientenschützer anders. Nach ihrer Meinung werden viele Fehler unter den Teppich gekehrt. Eugen Brysch, Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz: „Die Beweislast muss zugunsten der Opfer umgekehrt werden.“

Lage in Hessen

Die Bundestendenz zu mehr Behandlungsfehlern zeigt sich auch in Hessen. Hier ist die Zahl der Anträge von Patienten, die von Behandlungsfehlern ihrer Ärzte ausgehen, deutlich gestiegen. „Bei der Gutachter- und Schlichtungsstelle der Landesärztekammer Hessen sind im vergangenen Jahr insgesamt 905 Anträge wegen mutmaßlicher Behandlungsfehler gestellt worden“, sagt Katja Möhrle, Sprecherin der Landesärztekammer. Im Jahr 2015 seien es 804 solcher Fälle gewesen. Die Kammer-Sprecherin weist in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass es bei diesen Zahlen auch zu Kumulationseffekten kommt. Das heißt im Klartext, dass Fälle von einem Jahr ins darauf folgende Jahr transferiert werden, da sie noch nicht abgeschlossen sind. 2016 bejahte die Gutachter- und Schlichtungsstelle der Ärztekammer in 24,7 Prozent der gutachterlich überprüften Patientenvorwürfe Behandlungsfehler von Ärzten.

Zum Vergleich: 2015 waren 23,5 Prozent der gutachterlich geprüften Patientenvorwürfe Behandlungsfehler anerkannt worden. In Hessen starben nach Behandlungsfehlern in Hessen im vergangenen Jahr sieben Menschen, im Jahr zuvor waren es 13 gewesen.

Auch der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) Hessen ist mit Behandlungsfehlern bei Patienten betraut. Der MDK wird von den Krankenkassen bei mutmaßlichen Behandlungsfehlern beauftragt. Bei rund 40 Prozent der begutachteten Fälle sei der Vorwurf eines Behandlungsfehlers nachvollziehbar gewesen, so der MDK.

Mit Material von afp

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