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Festnahmen: Berliner Polizei wollte kein Risiko eingehen

Für die Polizei sind Großveranstaltungen wie Fanmeilen oder Marathonläufe ein Risiko. Die Furcht vor Terroranschlägen ist groß. Entsprechend schnell wird nun reagiert.
Unter den Augen der Polizei: der Berliner Halbmarathon Foto: Paul Zinken (dpa) Unter den Augen der Polizei: der Berliner Halbmarathon
Berlin. 

Während Innensenator Andreas Geisel (SPD) den Berliner Halbmarathon startet und sich Zehntausende Läufer auf den Weg machen, schlägt die Polizei zu. Spezialeinheiten nehmen am Sonntag sechs junge Männer aus der islamistischen Szene fest und durchsuchen ihre Wohnungen. Schnell wird aber klar: Einen konkreten Terroranschlag auf den Halbmarathon hatten die Verdächtigen nicht geplant.

Trotzdem halten Polizei und Politiker den Zugriff in der Situation für richtig. „Wir gehen auf Nummer sicher“, sagte ein Sprecher des Innensenators am Montag.

Laut Polizei gab es vor dem Halbmarathon Hinweise, die zu einem Anfangsverdacht geführt hätten. „Und dann muss man abwägen: Greift man zu oder nicht“, sagte der Sprecher. Wo die Hinweise herkamen, wollte die Polizei nicht sagen. In Frage kommen das Umfeld der Verdächtigen, von der Polizei abgehörte Telefonate oder mitgelesene Chats oder Quellen von Geheimdiensten.

Kein Haftbefehl

Einen Tag später, am Montag gegen 15.00 Uhr, werden die sechs Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren wieder freigelassen. Einen Haftbefehl gab es nicht, wie der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, mitteilte. Die Polizei fand bei den Durchsuchungen weder Waffen noch Sprengstoff noch sonstige konkrete Terrorhinweise. Die beschlagnahmten Handys und Computer sollen ausgewertet werden. Die Ermittlungen laufen weiter.

Anders als bei früheren Fällen blocken Polizei und Staatsanwaltschaft bei Informationen zu Herkunft, Nationalität und früheren Vergehen der Verdächtigen ab. Lapidar hieß es nur: „Die Personen sind uns nicht unbekannt.“ Zwei Männer werden laut Staatsanwaltschafts-Sprecher dem Umfeld des islamistischen Attentäters vom Berliner Weihnachtsmarkt, Anis Amri, zugerechnet. Mindestens ein Verdächtiger ist ein sogenannter Gefährder – also ein Mann, dem die Behörden einen Terroranschlag zutrauen.

Nach Zeitungsberichten soll einer der Männer, ein in Berlin geborener Deutsch-Tunesier, bereits im Gefängnis gesessen haben. Nach seiner Entlassung wurde er demnach von der Polizei observiert. Andere Verdächtige hätten die türkische oder die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Hauptstadt-Polizei, die zuletzt häufig in der Kritik stand, will nach den Ermittlungspannen vor dem Anschlag von Amri unter allen Umständen Fehler vermeiden. Eine Festnahme wie in diesem Fall kann der Szene auch signalisieren: Wir haben Euch im Blick und handeln vorbeugend, auch wenn es für einen Haftbefehl nicht reicht. Innensenator Geisel betonte: „Im Zweifel geht es um die Sicherheit der Bürger dieser Stadt und ihrer Gäste.“ Staatsanwalt Steltner sagte: „Oberstes Gebot war: kein Risiko durch Warten.“

Lob von Seehofer

Zustimmung kam auch vom neuen Innenminister Horst Seehofer. (CSU). Vor dem Hintergrund der aktuellen Gefahrenlage sei „es richtig, wenn die Sicherheitsbehörden sehr aufmerksam sind und auch Konsequenzen ziehen, wenn es aus ihrer Sicht notwendig ist“.

Im Gegensatz zu früheren Aktionen gab es diesmal auch keine kritischen Fragen von der Opposition zur Verhältnismäßigkeit. Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz nannte es „gut, wenn die Sicherheitsbehörden in diesem Bereich auch weiterhin sehr wachsam sind.“

dfg f dgh tg

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