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Neue OECD Studie: Bildung beginnt in der Kita

17 Jahre nach dem PISA-Schock präsentiert sich Deutschlands Bildungssystem in deutlich besserem Zustand als damals. Doch viele Jugendliche bleiben nach wie vor abgehängt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Unterricht in einer vierten Klasse: Wenn Eltern ihren Kindern nicht beim Lernen helfen, dann haben diese schon in der Grundschule schlechtere Chance als die anderen Mädchen und Jungen. Foto: Frank Molter (dpa) Unterricht in einer vierten Klasse: Wenn Eltern ihren Kindern nicht beim Lernen helfen, dann haben diese schon in der Grundschule schlechtere Chance als die anderen Mädchen und Jungen.

Geht der Daumen aktuell hoch oder runter für Deutschlands Bildungssystem?

„Es gibt sowohl Licht als auch Schatten“, sagt der Leiter des Berliner OECD-Büros, Heino von Meyer. Ein Pluspunkt ist der seit gut zehn Jahren um 20 Prozentpunkte gestiegene Anteil der Unter-Drei-Jährigen, die eine Kita oder einen Kindergarten besuchen. Der Großteil der jungen Erwachsenen hat Abitur oder einen Berufsabschluss. Die vielen Uniabsolventen und jungen Menschen mit höheren Berufsabschlüssen haben exzellente Berufschancen.

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Was ist das Hauptproblem?

Der hohe Sockel an jungen Leuten mit schlechten Aussichten. So bleiben 13 Prozent ohne Berufsabschluss oder Abitur. Mehr als die Hälfte von ihnen landet erst einmal in der Arbeitslosigkeit. Auffällig sind die schlechteren Chancen junger Zuwanderer – ein knappes Viertel von ihnen ist nicht in Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung. Besonders schwer haben es jene, die erst als Jugendliche nach Deutschland gekommen sind.

Gleicht das Bildungssystem unterschiedliche Startchancen aus?

Nach wie vor nicht optimal. Die OECD zeigt: Kinder mit Müttern mit Spitzenabschlüssen besuchen weit häufiger eine Kita als Kinder ohne einen solchen Bildungsstatus. Deutlich weniger Kinder aus sozial benachteiligten Milieus erreichen elementare Kenntnisse zum Beispiel in Mathe. Allerdings zeigte eine PISA-Auswertung im Februar auch: In kaum einem anderen Land ist der Anteil sozialschwacher Schüler mit soliden Leistungen so deutlich gewachsen wie in Deutschland – von 25,2 im Jahr 2006 auf 32,3 Prozent 2015.

Wie viel gibt Deutschland pro Schüler und Student aus?

Im Schnitt knapp 9400 Euro pro Jahr – rund 1400 mehr als im OECD-Schnitt. Gemessen an der Wirtschaftsleistung sind die Bildungs- und Forschungsausgaben mit 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland aber unter dem OECD-Schnitt von 5 Prozent.

Was kann gegen die soziale Schere bei der Bildung getan werden?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangt eine gezielte Förderung von Schulen in Brennpunktbezirken. „Die Kinder in den hier gelegenen Schulen brauchen mehr Unterstützung und Förderung“, sagt GEW-Chefin Marlis Tepe. „Deshalb müssen dort mehr Lehrkräfte eingestellt werden, so dass die einzelnen Lehrer weniger Pflichtstunden unterrichten müssen. Es sind oft Kinder, die zu Hause keine Bücher vorgelesen und keinen Zugang etwa zu klassischer Musik bekommen.“ Für sie seien auch künstlerische Projekte wichtig, Rollenspiele, Theater- oder Zirkusprojekte. Um zu messen, welche Schulen besondere Förderung brauchen, schlägt Tepe einen Sozialindex vor – Kriterium könnte der Anteil der Eltern sein, die befreit sind von der Finanzierung von Schulbüchern und anderen Lernmitteln.

Was ist generell wichtig für Chancengleichheit und Lernerfolg?

OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher meint: mehr Ganztagsschulen, mehr gemeinsamer Unterricht von schlechter- und bessergestellten Schülern, mehr frühe Bildung in den Kitas. „Lehrer werden oft allein gelassen im Klassenzimmer“, sagt er. Ihre Deputate, das heißt die Zahl ihrer Schulstunden, sollten sinken, sie sollten mehr Zeit haben für fächerübergreifendes Lehren, für die Förderung schwächerer Kinder, für Teamarbeit.

Was erschwert Verbesserungen in Deutschland?

Unter anderem der Lehrermangel. Tepe sagt, die Länder täten viel zu wenig dagegen. „Dass viele Quer- und Seiteneinsteiger eingestellt werden, ist in der Not richtig“, meint sie. Diese müssten aber rasch nachqualifiziert werden. „Zudem muss nun endlich die Zahl der Studien- und Referendariatsplätze für Lehrkräfte kräftig erhöht werden.“ Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Thüringens Ressortchef Helmut Holter, räumt ein, eine gemeinsame Kampagne zur Anwerbung von Lehrern sei an Uneinigkeit der Länder gescheitert.

Welche Ursachen hat der Lehrermangel noch?

Schleicher sieht ihn eher als Folge denn als Ursache von Problemen: Lehrer würden zwar in Deutschland recht gut bezahlt. Trotzdem sei der Lehrerberuf vergleichsweise unattraktiv: Die Pädagogen hätten oft wenig Gestaltungsspielraum, wenig Zeit außerhalb des Unterrichts für gemeinsames Entwickeln von Dingen, wenig Karriereperspektiven.

Was sagen Wirtschaft und Bundesregierung?

Beide heben die Erfolge der Berufsausbildung hervor. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer wertete die OECD-Ergebnisse als „Rückenwind“ für das Engagement der Unternehmen in dem Bereich.

dfg f dgh tg

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