Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
3 Kommentare

Grundschüler nur mittelmäßig: Bildung in Deutschland: Mathe als Sorgenkind

Von Sind Deutschlands Schüler tatsächlich so schlecht in Mathematik, wie das Ergebnis einer neue Studie nahelegt? Pädagogen und Bildungsexperten warnen davor, die Ergebnisse überzubewerten und verweisen auf alltägliche Herausforderungen des Unterrichts.
GEW-ChefJochen Nagel GEW-ChefJochen Nagel
Frankfurt. 

Wieder eine Bildungsstudie, die für Wirbel sorgt: Deutschlands Grundschüler haben besorgniserregende Probleme mit Mathematik. In dem Unterrichtsfach sind sie laut der Bildungsstudie TIMSS im internationalen Vergleich mit 522 Punkten (2011: 528) tief ins Mittelfeld abgerutscht und liegen nun unterhalb des EU-Durchschnitts von 527 Punkten. Vor allem bei mathematischen Textaufgaben seien viele Grundschüler mit ihrem Latein am Ende. Jeder Vierte erreiche nicht die dritte von fünf Kompetenzstufen.

Bildungsexperten und Pädagogen sehen diese Studie durchaus kritisch, wie zum Beispiel Jochen Nagel, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen. „Solche Studien repräsentieren in der Regel nur einen begrenzten Ausschnitt. Man sollte sie deshalb nicht überbewerten“, so Nagel. Er wies im Zusammenhang mit dem „Problemfeld Textaufgaben“ darauf hin, dass möglicherweise Flüchtlingskinder solche schwierige Aufgaben sprachlich noch nicht erschließen könnte.

Nicht pauschalisieren

Marion Körle ist Mathematik-Lehrerin an der Wehrheimer Limesschule. Die Grundschullehrerin hat festgestellt, dass Kinder mathematische Textaufgaben vielfach zu „oberflächlich lesen“ und dann schnell zu dem Schluss gelangten: „Die Aufgaben kann ich nicht.“

Die Gründe hierfür sieht die Pädagogin in unserer „schnelllebigen Zeit“, in der die Kinder vielen Reize ausgesetzt seien. „Die Kinder sind vielfach nicht gewohnt, sich anzustrengen und auch schwierige Aufgaben zu übernehmen. Vielfach wird den Mädchen und Jungen auch die Eigenverantwortung von den Eltern abgenommen“, sagt Marion Körle.

Hätten Sie’s gewusst?

Beim Schulvergleichstest TIMSS geht es alle vier Jahre um mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen. Bei der jüngsten Erhebung im Jahr 2015 ließen sich bundesweit 4000 Viertklässler an 200 Grund- und Förderschulen testen.

clearing

Auch Stephan Wassmuth vom hessischen Landeselternbeirat kommt zu dem Schluss, dass das die Verlockungen des digitalen Zeitalters eine große Herausforderung für Grundschüler und ihre Eltern darstellen. „Wenn ich sehe, dass Grundschul- und Kindergartenkinder schon am frühen Morgen am Handy spielen, ist das nicht ganz korrekt“, sagt Wassmuth.

Der für Grundschule zuständige Elternbeirat ist jedoch nicht der Auffassung, dass im Mathematikunterricht zu viel auf textlicher Basis gearbeitet werde. Dennoch müssten im Rahmen des hessischen Bildungs- und Erziehungsplans die sprachlichen und mathematischen Kompetenzen stärker gefördert werden. Gerade an der Schnittstelle zwischen Kindergärten und Grundschulen bestehe Förderbedarf.

Oft komplexe Aufgaben

Claudia Wissenbach, die Leiterin der Friedrich-Fröbel-Schule im Frankfurter Stadtteil Niederrad, weist darauf hin, dass der Mathematikunterricht an Grundschulen in den vergangenen Jahren fordernder geworden sei. „Wenn Kinder Zahlen vor sich sehen, ist keine Sprachbarriere vorhanden“, sagt Wissenbach. Doch anders als das Erlernen der Grundrechenarten erfordere die Lösung von Textaufgaben gute Sprachkenntnisse.

„Ich bin seit 25 Jahren im Schulunterricht tätig. Von den Inhalten her sind die Aufgabenformate in dieser Zeit anspruchsvoller geworden“, sagt die Schulleiterin.

Rund 20 Lehrer unterrichten an der Friedrich-Fröbel-Schule etwa 270 Schüler. In der Regel umfasst eine Klasse gut 25 Kinder. Viele von ihnen haben ausländische Wurzeln oder verfügen nur über einfache Sprachkenntnisse. „Das ist schon eine große Herausforderung“, sagt Wissenbach.

„Bei Textaufgaben haben nicht wenige unsere Bewerber auch Probleme“, sagt Andrea Schmidt. Die Ausbildungsleiterin beim Frankfurter Mess- und Regeltechniker Samson führt solches Textverständnis auf mangelndes Lesen zurück. „Für viele besteht Sprache fast nur noch aus Kurznachrichten“, sagt Schmidt. Auch beim Thema Eigenverantwortung fehle es bei dem einen oder anderen Bewerber. „Bei vielen Bewerbern rufen die Väter bei mir an und erkundigen sich, ob Samson noch Ausbildungsplätze anbietet“, so Schmidt. Das zeige ihr dann, dass sich die „richtigen“ Bewerber vor einer schwierigen Aufgabe drücken.

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse